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Boris Johnson vor dem Ende: „Game over – das Spiel ist aus“

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Von: Stefan Krieger

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Großbritanniens Premierminister gerät immer mehr unter Beschuss. Die einheimische Presse jedenfalls wendet sich von Boris Johnson ab.

London – Boris Johnsons Zeit als Premierminister hängt am seidenen Faden, nachdem zwei Kabinettsminister aus Protest gegen den Umgang der Downing Street mit einer Reihe von Skandalen der letzten Zeit zurückgetreten waren. Zuletzt wurden Vorwürfe gegen den Abgeordneten Chris Pincher laut, der letzte Woche zurücktreten musste, nachdem er beschuldigt worden war, zwei Männer in einem privaten Mitgliederclub der Tories im Zentrum Londons betrunken begrapscht zu haben. Pincher bestreitet die Vorwürfe.

Sajid Javid, der Gesundheitsminister, legte als erster sein Amt nieder. Javid teilte in seiner Erklärung mit, die Konservative Partei sei „größer als jeder Einzelne“. „Ich bedauere, dass ich nicht mehr mit gutem Gewissen weitermachen kann“, fügte er hinzu. Der Rücktritt erfolgte, nachdem sich Boris Johnson dafür entschuldigt hatte, dass er Pincher im Februar ins Amt berufen hatte, obwohl er 2019 von einer Beschwerde wegen sexueller Belästigung gegen den Abgeordneten aus Tamworth erfahren hatte.

Kabinettssitzung in Großbritannien
Es wird eng für Boris Johnson © Justin Tallis/dpa

Boris Johnson: Presse fordert Premier zum Rücktritt auf

Obwohl Boris Johnson im Juni ein Misstrauensvotum gewonnen hat, gibt es weiterhin Spekulationen über seine langfristige Zukunft. Besonders die Presse in Großbritannien schießt sich immer mehr auf Johnson ein.

Zur Regierungskrise in London meint die britische Zeitung The Telegraph am Mittwoch (6. Juni): Plötzlich wird das Ausmaß der Krise, die die Regierung von Boris Johnson belastet, in überwältigender Weise deutlich. Der gemeinsame Rücktritt von Finanzminister Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid hat ein Loch in das Herz des Kabinetts gerissen, das unmöglich zu reparieren sein wird, selbst wenn der Premierminister es versuchen sollte.

Angesichts der Vorwürfe (...) kann er die Kritik nicht länger als oppositionelles Gejammer oder die Ansichten bekannter Gegner abtun. Sunak sagte, das Land erwarte, dass die Regierung „kompetent und seriös“ geführt werde. Tugenden, die seiner Meinung nach fehlen. Das sind ernsthafte Anschuldigungen von ernsthaften Leuten. Dies ist eine existenzielle Krise nicht nur für Johnson, sondern für die Regierung und die Konservativen. Zum Wohl der Partei und des Landes muss sie überwunden werden.

The Guardian: Johnsons Zeit ist abgelaufen

Der Guardian urteilt am Mittwoch über Boris Johnson: „Die anscheinend koordinierten Rücktritte von Schatzkanzlers Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid sind sicherlich ein Zeichen dafür, dass Boris Johnsons als Premierminister vor dem Aus steht. Es war bereits klar, dass eine Reihe von Skandalen - vor allem die durch Partygate demonstrierte Verachtung des Premierministers für die Öffentlichkeit - Johnsons Ansehen irreparablen Schaden zugefügt haben.

Großbritannien hat etwas Besseres verdient als einen Premierminister, der zur Lachnummer geworden ist und in einer Zeit der Wirtschaftskrise einer steuerlosen Regierung vorsteht. Im Interesse der Wahrung ihrer Selbstachtung müssen die anderen Mitglieder von Johnsons Kabinett dem Beispiel von Sunak und Javid folgen. Der Premierminister muss mit der Wahrheit konfrontiert werden: Seine Zeit ist abgelaufen.“

Boris Johnson: Selbst konservative Blätter wenden sich ab

Selbst die konservative Times sieht die Ära Johnson als beendet an. Das Blatt fordert in ihrem Leitartikel den Premierminister auf, zum Wohle des Landes zurückzutreten – „Game over“, das Spiel sei aus. „Jeder Tag, den er im Amt bleibt, verstärkt das Chaos“, so die Times. Johnson habe keine Autorität mehr.

Drastisch wird die Daily Mail. Selbst für das „gefettete Ferkel“ Johnson werde es schwierig, aus dieser Situation heil herauszukommen, so das Boulevardblatt. Es scheint fraglich, ob sich Johnson noch viel länger im Amt halten kann. Der Gegenwind jedenfalls wird von Tag zu Tag stärker. (Stefan Krieger)

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