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Regierungskrise in Großbritannien: Britischer Minister nennt Johnson-Rückzug „Fehler“

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Von: Sandra Kathe

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Den anstehenden Abgang von Premierminister Boris Johnson bezeichnete dessen Verkehrsminister Grant Shapps öffentlich als „Fehler“.
Den anstehenden Abgang von Premierminister Boris Johnson bezeichnete dessen Verkehrsminister Grant Shapps öffentlich als „Fehler“. (Symbolfoto) © Justin Tallis/AFP

Der britische Verkehrsminister Grant Shapps hat seine Partei öffentlich für den Sturz von Noch-Premier Boris Johnson kritisiert.

London – In Zeiten von wachsender Inflation und rasant steigenden Energiepreisen steht Großbritannien ein Regierungswechsel bevor. Doch nicht alle Konservative stehen hinter der Entscheidung, den durch zahlreiche Skandale zu Fall gebrachten Premierminister Boris Johnson aus dem Amt zu drängen.

So machte etwa der amtierende Verkehsminister Grant Shapps im Interview mit der britischen Zeitung The Times seinen „Torys“ den Vorwurf, mit Johnsons forciertem Rücktritt einen Fehler zu begehen. Seine Begründung: Auch wenn Boris Johnson Fehler hätte, sei er für die Krisenbewältigung in Großbritannien in den vergangenen Jahren eine Schlüsselfiguar gewesen, die seiner Einschätzung nach womöglich nicht ersetzbar sei.

Johnson-Nachfolge in Großbritannien: Verkehrsminister lobt „Ausbrechen aus der Brexit-Sackgasse“

Shapps lobte etwa Johnsons politische Reaktion auf Krisen, wie den Ukraine-Krieg oder Corona-Pandemie, während der die britische Impfkampagne „Tausende, vielleicht Millionen von Leben weltweit“ gerettet habe. Zudem hätte Johnsons Politik ein „Ausbrechen aus der Brexit-Sackgasse“ ermöglicht. „Boris war vielleicht der einzige Mensch mit der Kraft der Persönlichkeit und Kreativität, das zu schaffen“, mutmaßte der amtierende Tory-Verkehrsminister.

Neben allem Lob für den britischen Noch-Premier räumte Shapps ein, dass die lautstarke Kritik an Johnsons Versäumnissen begründet gewesen sei und es „wünschenswert“ gewesen wäre wenn Johnson auf „die Dinge, die schief gelaufen sind“ direkter reagiert hätte. Zu den Skandalen die den 58-Jährigen im Juli nach langem Hin und Her dazu gebracht hatten, seinen Rücktritt anzukündigen, zählten der Ärger um geheime „Lockdown-Partys“ in Regierungskreisen sowie die Enthüllung, dass Johnson seinen Parteikollegen Chris Pincher in ein wichtiges Fraktionsamt gehievt hatte, obwohl er von Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung gegen den Mann wusste.

Erzwungener Rücktritt von Großbritanniens Premier Johnson: „Nicht immer ein Detailmensch“

Die Versäumnisse und Fehlentscheidungen sieht Shapps jedoch offenbar als entschuldbar an und verweist darauf, dass die „Fehler“ von Boris Johnson schon lange Zeit im Vorfeld bekannt gewesen wären. Johnson, der „nicht immer ein Detailmensch“ war, in Krisenzeiten aus dem Amt zu drängen, nannte er deshalb eine Fehlentscheidung seiner Partei.

Laut einem Bericht der britischen Zeitung Independent liegt Shapps Motivation hinter den Äußerungen womöglich auch im Fortgang seiner eigenen politischen Karriere. Der Unterstützer von Johnson-Nachfolgekandidat Rishi Sunak gilt als einer der Kabinettsmitglieder, die unter Liz Truss – der aktuell favorisierten Kandidatin für Parteivorsitz und den Posten an der Spitze der Regierung – ihren bisherigen Posten recht wahrscheinlich verlieren könnten. (ska mit dpa)

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