1. Startseite
  2. Politik

Boris Johnson kündigt Rücktritt an – Er gibt „den besten Job der Welt ab“

Erstellt:

Von: Katja Thorwarth, Nail Akkoyun

Kommentare

Um Boris Johnson wird es einsam. Immer mehr Amtsträger der Torys treten zurück. Folgt der britische Premier?

Update vom Freitag, 08. Juli, 08.00 Uhr: Boris Johnson möchte bis Anfang Oktober noch im Amt bleiben. Offenbar so lange, bis ein Nachfolger auf dem konservativen Parteitag präsentiert werden kann. Unterdessen wird aber diskutiert, ob seine Partei Johnson erlaubt weiterhin Regierungschef zu bleiben. Kritikerinnen und Kritiker in London vermuten, es gehe Boris Johnson um seine nachgeholte Hochzeitsparty auf dem Premierminister-Landsitz in Chequers feiern zu können. Die Einladungen habe der Noch-Premier bereits verschickt.

Boris Johnson
Boris Johnson steht laut Medienberichten kurz vor einem Rücktritt. © Bernat Armangue/AP/dpa

Großbritannien: Boris Johnson kündigt Rücktritt an – Er gibt „den besten Job der Welt ab“

+++ 14.45 Uhr: Nach beispiellosem Druck seiner Konservativen Partei ist der britische Premierminister Boris Johnson vom Parteivorsitz zurückgetreten, bleibt aber vorerst Regierungschef. Er werde weitermachen, bis seine Partei einen Nachfolger gewählt habe, sagte Johnson am Donnerstag in London. Er selbst wurde vor knapp drei Jahren von seinen Tories ins Amt gewählt. Allerdings forderten viele Parteifreunde, der 58-Jährige solle sofort auch als Regierungschef abtreten. Die Opposition verlangt eine Neuwahl.

Vor seinem Amtssitz in der Downing Street 10 wandte sich Johnson gewohnt selbstsicher an die britische Bevölkerung: "Ich möchte, dass Sie wissen, wie traurig ich bin, den besten Job der Welt aufzugeben." Als er an ein Redepult trat, waren von außerhalb der Downing Street Buhrufe zu hören, Mitarbeiter spendeten hingegen Applaus.

Reue zeigte Johnson nicht. Stattdessen kritisierte er in seiner gut sechsminütigen Stellungnahme die Rücktrittsforderungen seiner Partei als "exzentrisch". "Es ist nun eindeutig der Wille der konservativen Parlamentsfraktion, dass es einen neuen Parteichef geben soll und damit auch einen neuen Premierminister", sagte Johnson. Er habe zugestimmt, dass der Auswahlprozess für einen neuen Parteichef nun beginnen solle.

+++ 13.00 Uhr: Nach dem sich abzeichnenden Abgang des britischen Premierministers Boris Johnson hofft Moskau künftig auf „professionellere Leute“ in der britischen Regierung. „Wir hoffen, dass eines Tages in Großbritannien professionellere Leute an die Macht kommen, die Entscheidungen im Dialog treffen können“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau. Derzeit gebe es jedoch „wenig Hoffnung darauf“.

Krise in Großbritannien: Boris Johnson bleibt stur – weiterer Minister tritt zurück

Update vom Donnerstag, 7. Juli, 04.40 Uhr: Trotz massiver Rücktrittsforderungen aus seiner eigenen Partei und Regierung scheint der britische Premierminister Boris Johnson weiterhin nicht gewillt, sein Amt abzugeben. „Der Premierminister ist in einer optimistischen Stimmung und wird weiterkämpfen“, sagte Johnsons parlamentarischer Assistent James Duddridge dem Sender Sky News am Mittwochabend.

Johnson habe bei der vergangenen Parlamentswahl das Mandat von 14 Millionen Wählern bekommen und „so viel zu tun für das Land“. Zuvor hatte eine ganze Reihe von Kabinettsmitgliedern dem Premier nahegelegt, sein Amt aufzugeben. Mehrere Minister gaben zudem ihre Posten ab, auch Dutzende konservative Abgeordnete legten aus Protest gegen Johnson ihre Regierungs- und Fraktionsämter nieder.

Großbritannien: Parteifreunde fallen Boris Johnson in den Rücken

+++ 16.45 Uhr: Boris Johnson verliert seine Magie. Offen fallen Parteifreunde dem Premierminister im Parlament in den Rücken. Gleich von mehreren Tory-Kollegen muss sich der Regierungschef fragen lassen, wann er denn nun endlich zurücktreten werde. „Bye, Boris!“, johlten die Oppositionsbänke, als der 58-Jährige das Unterhaus verließ.

Noch während Johnson sich den Fragen der Abgeordneten stellte, traten am Nachmittag gleich fünf Staatssekretärinnen und Staatssekretäre auf einen Schlag zurück. Damit legten bisher 28 Amtsträger von Johnsons Partei wegen des Verhaltens des Regierungschefs ihre Posten nieder, wie der Sender Sky News berichtete. „Diejenigen, die nicht zurücktreten, wissen, dass sie ihre Posten unter einem neuen Premier verlieren werden“, sagt der Politologe Mark Garnett der Deutschen Presse-Agentur.  

Johnson gibt sich derweil unverdrossen kämpferisch. „Scheiß drauf“, soll Johnson intern auf die Frage nach seinem Rücktritt geantwortet haben, berichtete die Times. Garnett sagte voraus: „Seine Partei wird ihn aus der Downing Street herauszerren müssen.“ Dennoch werden bereits einige Nachfolger diskutiert.

Rücktritte stürzen Johnson in schwere Krise: Premier „am Rande des Abgrunds“ 

Update vom Mittwoch, 06. Juli, 2022, 07.00 Uhr: Der Rücktritt von zwei wichtigen Ministern hat den britischen Premierminister Boris Johnson in die vielleicht größte Krise seiner Amtszeit gestürzt. Aus Protest gegen Johnsons Amtsführung traten Finanzminister Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid am Dienstagabend zurück. Sie zogen damit die Konsequenzen aus einer Reihe von Skandalen innerhalb der Regierung und der konservativen Tory-Partei. Die Opposition forderte umgehend Neuwahlen.

Es sei „klar, dass diese Regierung jetzt zusammenbricht“, erklärte Oppositionsführer Keir Starmer von der Labour-Partei. „Die Tory-Partei ist verdorben und es wird nichts in Ordnung bringen, lediglich einen Mann auszutauschen.“ „Es ist Zeit für Boris zu gehen“, sagte der Tory-Abgeordnete Andrew Bridgen, einer von Johnsons schärfsten Kritikern, dem Sender Sky News. „Er kann das noch ein paar Stunden hinauszögern, wenn er will. Aber ich und ein großer Teil der Partei sind jetzt entschlossen, dass er bis zur Sommerpause weg muss: je früher, desto besser.“

Nach Rücktritt zweier Minister: Kippt jetzt Boris Johnsons Regierung?

Update vom Dienstag, 5. Juli, 20.00 Uhr: Nach der Resignation zweier Minister spricht ein „enger Vertrauter von Boris Johnson“ gegenüber der BBC davon, dass „Morgen um diese Zeit alles vorbei“ sein wird. „Kein Premierminister kann den Rücktritt von zwei hochrangigen Kabinettsmitgliedern so überleben“, wird die Person zitiert.

Labour-Chef Keir Starmer meldete sich ebenfalls zu Wort: „Es ist klar, dass diese Regierung jetzt zusammenbricht“, hieß es in einem Statement des 59-Jährigen. Starmer sagte wekter, die zurückgetretenen Kabinettsmitglieder seien „mitschuldig“ gewesen, da der Premierminister „sein Amt entehrt“ habe.

In einer Erklärung heißt es: „Nach all den Schweinereien, den Skandalen und dem Versagen [...]. Die Minister des Tory-Kabinetts haben die ganze Zeit gewusst, wer dieser Premierminister ist. [...] Sie waren seine Cheerleader während dieser traurigen Geschichte.“

Paukenschlag im britischen Parlament: Zwei Minister treten wegen Boris Johnson zurück

Erstmeldung: London – Im Zuge des Skandals um sexuelle Belästigung durch ein führendes Tory-Fraktionsmitglied sind in Großbritannien zwei Minister zurückgetreten. Finanzminister Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid kündigten am Dienstagabend (5. Juli) ihren Rückzug an und kritisierten Premierminister Boris Johnson scharf. (nak/ktho mit dpa/AFP)

Auch interessant

Kommentare