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Ex-Berater erhebt Vorwürfe

Boris Johnson gegen Lockdown – Ältere sowieso „oberhalb der Lebenserwartung“

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Der Premier wird beschuldigt, sich im vergangenen Herbst auf Kosten älterer Menschen gegen einen Lockdown gestellt zu haben. Johnson habe das Coronavirus „durch das Land spülen“ wollen.

London/Frankfurt – Dominic Cummings, der ehemalige Chefberater von Boris Johnson, erhebt erneut schwere Vorwürfe gegen den Premierminister des Vereinigten Königreichs. Boris Johnson soll sich aufgrund des hohen Alters der Menschen, die am Coronavirus verstarben, geweigert haben, die Corona-Maßnahmen im vergangenen Herbst zu verschärfen. Die Opfer seien „im Wesentlichen alle über 80“, so Johnson laut Dominic Cummings, der In einem Interview mit dem Fernsehsender BBC über Boris Johnson sprach. Johnson habe lieber Covid-19 „durch das Land spülen“ lassen wollen, anstatt die Wirtschaft zu zerstören, sagte Cummings.

Im Herbst 2020 war die zweite Corona-Welle über Großbritannien hereingebrochen und die Corona-Fälle hatten sich vermehrt. Allein am 23. September waren mehr als 6.000 Neuinfektionen im Land gemeldet worden. Doch erst Ende Oktober kündigte Boris Johnson einen vierwöchigen Teil-Lockdown an, der von vielen Expert:innen als zu lasch angesehen wurde. Auch das staatliche Gesundheitssystem NHS (National Health Service) in Großbritannien war mit den steigenden Corona-Fällen zunehmend überfordert, wie die Tagesschau im Oktober berichtete.

Dominic Cummings, der ehemalige Chefberater von Boris Johnson, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Premierminister des Vereinigten Königreichs.

Boris Johnson gegen Corona-Lockdown: Opfer seien sowieso „oberhalb der Lebenserwartung“

Am 13. Oktober 2020, nachdem die Zahl der Covid-Todesfälle auf mehr als 100 pro Tag gestiegen war, forderte der Labour-Chef Sir Keir Starmer einen zwei bis dreiwöchigen Lockdown, um den Infektions-Kreislauf zu durchbrechen. Die Regierung entschied sich jedoch dagegen. Cummings sagte gegenüber der BBC, dass er selbst sowie Sir Patrick Vallance, der leitende wissenschaftliche Berater des Vereinigten Königreichs, und der britische Chefarzt Professor Chris Whitty ab Mitte September 2020 auf strengere Corona-Beschränkungen gedrängt hätten. Doch Johnson habe gesagt, er „glaube dieses ganze Gerede nicht mehr, dass das Gesundheitssystem überlastet ist“, so Cummings. Sir Patrick und Professor Whitty lehnten eine Stellungnahme gegenüber der BBC ab.

Das Alter der meisten an Covid-19 Verstorbenen liege sowieso bereits „oberhalb der Lebenserwartung“, schrieb Premierminister Johnson Cummings zufolge auf WhatsApp. Auch soll er geschrieben haben, dass er über eine Neuausrichtung des Corona-Managements nachdenke, da es im Vereinigten Königreich maximal drei Millionen Menschen gebe, die über 80 Jahre alt seien. „Kaum jemand unter 60 geht ins Krankenhaus… und von denen überleben praktisch alle.“ Dies zeige, dass kein landesweiter Lockdown angestrebt werden sollte, so Johnson. „Die Kosten dieser Einschränkungen, der Schaden, den das bei Jobs, Lebensstandards und psychischer Gesundheit anrichtet, sind groß“, erklärte Johnson, wie die Tagesschau im Oktober berichtete.

Boris Johnson soll sich aufgrund des hohen Alters der Menschen, die an Covid-19 verstarben, geweigert haben, die Corona-Maßnahmen im vergangenen Herbst zu verschärfen, so Dominic Cummings, der ehemalige Berater des Premiers. (Archivbild)

Corona-Pandemie: Downing Street weist Cummings` Vorwürfe gegen Boris Johnson zurück

Sprecher:innen der Downing Street im Londoner Regierungsviertel und offizielle Residenz des Premierministers wiesen die Vorwürfe von Cummings zurück. Der Premierminister habe während der gesamten Corona-Pandemie die „notwendigen Maßnahmen ergriffen, um Leben und Lebensgrundlagen zu schützen, geleitet von den besten wissenschaftlichen Ratschlägen“, teilte ein Sprecher der Downing Street mit. Auch verwiesen die Sprecher:innen auf die frühzeitige Impfkampagne in Großbritannien. Das Land hatte bereits Anfang Dezember 2020 mit den Corona-Impfungen begonnen.

Auch Wirtschaftsminister Paul Scully verteidigte in einer Rede am Dienstag (20.07.2021) die Handlungen des Premierministers im Herbst und fügte hinzu, dass wirtschaftliche Einschränkungen auch Auswirkungen auf die Gesundheit und das Leben der Menschen hätten und „all diese Faktoren berücksichtigt werden müssen“.

Boris JohnsonPremierminister des Vereinigten Königreichs
Geboren:19. Juni 1964 (Alter 57 Jahre), Upper East Side, New York City, New York, Vereinigte Staaten
Partei:Conservative Party

Boris Johnson habe seine persönlichen Treffen mit der Queen trotz der Corona-Gefahr fortführen wollen

Zu Beginn der Pandemie habe Johnson zudem seine wöchentlichen persönlichen Treffen mit Queen Elizabeth II. fortführen wollen, sagte Cummings im Interview. Er selbst habe den Premier warnen müssen, dass die zu diesem Zeitpunkt 94-Jährige im Falle einer Corona-Infektion sterben könne. Einige der Aussagen von Johnson sollen aus einem WhatsApp-Chat stammen. Die entsprechenden Stellen lägen der BBC vor, berichtete die Zeitung Die Welt. Cummings habe Johnson wiederholt daran hindern wollen, die Königin zu besuchen. Dieser habe jedoch gesagt: „Ich werde die Königin sehen … Das mache ich jeden Mittwoch.“ Die Downing Street bestritt den Vorfall und der Buckingham Palace lehnte eine Stellungnahme gegenüber der BBC ab.

Interview mit Dominic Cummings

Das Interview wird am Dienstag (20.07.2021) um 19:00 Uhr BST in Großbritannien (20:00 Uhr deutsche Zeit) auf BBC Two ausgestrahlt und ist auf BBC iPlayer und BBC Sounds verfügbar.

Es war das erste Fernsehinterview, das Cummings während seiner Karriere gab. Nun wird er dafür kritisiert, für einige seiner Behauptungen keine Beweise vorbringen zu können. Laut Cummings könnten jedoch viele seiner Vorwürfe bestätigt werden, wenn es eine öffentliche Untersuchung dazu gebe.

Am Montag (19.07.2021) beendete England alle Corona-Maßnahmen. Clubs und Bars dürfen zum Beispiel nun wieder öffnen. Doch gleichzeitig steigen die Corona-Zahlen wieder an. Kritiker:innen werfen Premierminister Johnson daher erneut eine hochriskante Corona-Strategie vor. (Anna Charlotte Groos)

Rubriklistenbild: © Daniel Leal-Olivas/dpa

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