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England

Corona in Großbritannien: Boris Johnson verkündet Ende aller Einschränkungen

In England soll nach 16 Monaten das Leben nach der Corona-Pandemie beginnen. Premier Johnson will das Momentum nutzen, die Wirtschaft ist begeistert.

London - Die Pläne des britischen Premierministers Boris Johnson, alle Corona-Maßnahmen in England zu beenden, macht Experten skeptisch. So sagte etwa der Virologe Devi Sridhar dem Sender Sky News., dass das Land sich damit in unbekanntes Territorium begebe: „Dies ist ein massives Experiment, und die Welt wird genau beobachten, was passiert, wenn eine neue, dominante Variante auftritt.“

England: Corona-Maßnahmen werden aufgehoben

Boris Johnson hatte am Montag (05.06.2021) angekündigt, vom 19. Juli an in England alle Corona-Maßnahmen aufzuheben. Damit fallen Abstandsregeln und Maskenpflicht weg, Nachtclubs und Discos dürfen wieder öffnen, Pubs können Gäste auch an der Bar bedienen. Für Kinos, Stadien, Theater und Veranstaltungen gilt keine Platzbeschränkung mehr. Voraussetzung ist, dass eine Überprüfung der Pandemie-Daten am 12. Juli keinen Grund für neue Verzögerungen liefert. Die Regierung in London will zudem bald bekannt geben, ob voll geimpfte Einreisende aus Ländern auf einer „gelben Liste“ sich weiterhin nach Ankunft für zehn Tage in häusliche Quarantäne begeben müssen.

Gewerkschaften und Wissenschaftler:innen kritisierten vor allem, dass die Maskenpflicht aufgehoben werden soll. Ein Verband, der Angehörige von Corona-Opfern vertritt, warf Johnson zudem vor, er handle, als sei die Pandemie besiegt. Oppositionsführer Keir Starmer von der Labour-Partei nannte Johnsons Pläne „rücksichtslos“.

Boris Johnson will Corona-Impfung in Großbritannien vorantreiben

Wirtschaftsvertreter:innen zeigen sich hingegen erleichtert. Die Gastronomie- und Tourismusindustrie werde die Ankündigung feiern, sagte die Chefin des Branchenverbands UK Hospitality, Kate Nicholls. Der Kneipenverband British Beer and Pub Association wies darauf hin, dass endlich mehr als 2000 Pubs öffnen könnten, die wegen strenger Abstandsregeln derzeit immer noch geschlossen haben. Für die Veranstaltungsbranche sagte der Chef des Branchenverbands Night Time Industries Association, Michael Kill, der Schritt sei längst überfällig. Der Industrieverband CBI mahnte, Unternehmen müssten die Sicherheit ihrer Angestellten weiterhin an erste Stelle setzen.

Premier Johnson betonte, dass das Impfprogramm geholfen habe, die Verbindung zwischen Neuinfektionen und Todesfällen deutlich zu schwächen. Bis zum 19. Juli sollen alle Erwachsenen in Großbritannien eine erste Corona-Impfung angeboten bekommen, zwei Drittel sollen dann die für den vollen Schutz als notwendig erachteten zwei Dosen erhalten haben. Um das Tempo anzutreiben, soll die Zeit zwischen den beiden Spritzen für unter 40-Jährige von zwölf auf acht Wochen gesenkt werden.

Corona-Inzidenz in Großbritannien: 229,9

Die Corona-Infektionszahlen steigen in Großbritannien seit Wochen wieder stark an, am Montag meldeten die Behörden 27.334 neue Fälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Neuinfektionen pro 100 000 Menschen binnen einer Woche, wurde zuletzt mit 229,9 angegeben (Stand: 30. Juni). Grund dafür ist die hochansteckende Delta-Variante, die in Großbritannien inzwischen fast alle Fälle ausmacht.

Gesundheitspolitik ist im Vereinigten Königreich Sache der Regionalregierungen. Boris Johnson ist für den größten Landesteil England verantwortlich, der keine eigene Regierung hat. Schottland, Wales und Nordirland entscheiden hingegen selbst über ihre Corona-Maßnahmen. (ktho/dpa)

Rubriklistenbild: © Daniel Leal-Olivas /dpa

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