Dominic Raab , 46, halten einige seiner Kollegen als Übergangspremier für ungeeignet.
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Dominic Raab , 46, halten einige seiner Kollegen als Übergangspremier für ungeeignet.

Dominic Raab

Johnson-Vertreter Dominic Raab: Der Richtige für den Übergang?

  • Sebastian Borger
    vonSebastian Borger
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Dominic Raab könnte Großbritanniens Übergangs-Premier in der Corona-Krise werden. Aber er ist hoch umstritten. Ein Porträt.

  • Dominic Raab könnte Großbritannien während der Corona-Krise führen
  • Der Konservative Raab ist umstritten
  • Auch unter den Torries hat Dominic Raab wenige Befürworter

London - Der erste Auftritt bestätigte die Zweifler. Stockend und fahrig gab Dominic Raab am Montagabend der BBC ein erstes Statement in seiner neuen Funktion als amtierender Premierminister. Amtsinhaber Boris Johnson sei auf der Intensivstation des Londoner St.-Thomas-Krankenhauses in besten Händen, beteuerte der britische Außenminister, dem als „Erster Staatsminister“ automatisch dieVertretung des Covid-19-Patienten zugefallen war. Im Übrigen verfüge die Regierung über ein „unglaublich starkes Teamgefühl“.

Dominic Raab hatte schon vor der Corona-Krise einen Namen

Letzteres war nachweislich unwahr: Seit Tagen sind die Londoner Gazetten voll von Artikeln über das Hauen und Stechen im Kabinett und in der konservativen Fraktion, wo sich die Tory-Schwergewichte gegenseitig bloßstellen und Vorwürfe machen. Gemeinsam ist ihnen nur eines: Raab halten sie als Übergangspremier für ungeeignet. Tatsächlich ist der Anwalt in seiner insgesamt gut einjährigen Kabinettszugehörigkeit nicht nennenswert aufgefallen. Im Foreign Office haftet ihm der wenig schmeichelhafte Spitzname „Dim Dom“, doofer Dominic, an. Und so hielt das politische London am Dienstag den Atem an und sandte Stoßgebete für Johnsons Genesung gen Himmel.

Dominic Raab: In der eigenen Partei nicht viele Fans

Raab war im Foreign Office an der Strafverfolgung von Kriegsverbrechern beteiligt, ehe er in die Politik ging und 2010 für einen Wahlkreis im Londoner Speckgürtel ins Unterhaus einzog. Wie viele andere Mitglieder des an unerfahrenen Ministern reichen Kabinetts verdankt Raab seinen Aufstieg dem Brexit. Der langjährige EU-Feind hatte unter dem früheren Premier David Cameron (2010–2016) erste Gehversuche in der Regierung machen dürfen. Camerons Nachfolgerin Theresa May (2016–2019) machte ihn erst zum Staatssekretär und berief ihn im Sommer 2018 als Brexit-Minister ins Kabinett. Den Posten bekleidete Raab lediglich vier Monate, aus Protest gegen Mays Kompromisskurs trat er zurück.

Dass sein Fanclub in der konservativen Fraktion wenig Mitglieder zählte, erwies sich im Rennen um Mays Nachfolge: Bereits in der zweiten Runde der Fraktionsabstimmungen schied Raab aus. Dass er fortan loyal zu Johnson hielt, belohnte dieser mit der Ernennung zum De-facto-Vizepremier.

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