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Boris Johnson (hier im Jahr 2014) teilt schon mal ganz gerne aus.

Portrait

Boris Johnson: Der „König der Welt“ ist der neue starke Mann in Großbritannien

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Der klare Favorit auf die Nachfolge von Theresa May hat gewonnen. Boris Johnson ist ein bunter Hund wie Donald Trump.

Seit drei Jahren geht in Großbritannien alles drunter und drüber. Grund ist der unsägliche Brexit, der auf der Insel zum Tohuwabohu geführt hat. Auch in der Downing Street Nummer 10 ist Chaos angesagt. Im Juli 2016 trat David Cameron nach dem missglückten Referendum von seinem Amt als Premierminister zurück, drei Jahre später muss nun auch Theresa May ihren Hut nehmen. Die Amtsübergabe an ihren Nachfolger erfolgt am 24. Juli.

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Und wer ist ihr Nachfolger? Einer, der ganz entscheidend zum Erfolg der „Vote Leave“-Kampagne beigetragen hat, Boris Johnson, der größte Showman der britischen Politik.

Boris Johnson sorgt überall für Aufregung

Der frühere Außenminister ist in der Tat ein ganz besonderer Charakter, eine Art bunter Hund, der gerne schon mal Donald Trump verglichen wird. Ziemlich erstaunlich für einen Politiker der Tories, die ja sonst eher als hausbacken und langweilig gelten. 

Davon ist Johnson weit entfernt. Wenn er nicht gerade im Zuge der Böhmermann-Erdogan-Affäre mit seinem Elaborat einen Satire-Wettbewerb gewinnt, unter den Augen des begeisterten Publikums baumelnd an einer Seilrutsche hängt oder einen Japaner beim Rugby niederwalzt, bläst er die schönsten Wahlversprechen in den Äther: „Wähle die Tories und Deine Frau bekommt größere Brüste und Deine Chancen auf einen BMW M3 steigen."

Alexander Boris de Pfeffel Johnson hatte schon immer große Ziele. Als Kind wollte er nämlich nichts weniger als der „König der Welt“ werden - sagt zumindest Johnsons Schwester Rachel. Ganz so hoch hinaus wird sein Weg wohl nicht führen, doch Premierminister ist ja auch schon etwas. Und wer die Eliteschule Eton sowie die Universität Oxford besucht hat, darf sich erfahrungsgemäß die besten Chancen auf das Amt ausrechnen. Hilfreich ist vielleicht auch, dass er in Oxford Mitglied des berüchtigten Bullingdon Clubs war - eine geradezu legendäre Tischgesellschaft, die für ihr Rowdytum und ihre Trinkgelage bekannt ist. Und als Premierminister muss man ja seine Ellbogen einzusetzen wissen (und wahrscheinlich auch trinkfest sein).

Boris Johnson macht sich über die EU lustig 

Boris Johnson wollte schon immer hoch hinaus.

Von 1989 bis 1994 als Brüsseler Korrespondent für den „Telegraph“ tätig, machte sich Johnson dort häufig über die EU lustig. Die hatte er wohl schon damals nicht so besonders gern. In seiner Brüsseler Zeit trennte er sich auch von seiner ersten Ehefrau Allegra Mostyn-Owen und heiratete Marina Wheeler, mit der er vier gemeinsame Kinder hat. 2018 ging aber auch diese Ehe in die Brüche - was wohl auch ein wenig mit Carrie Symonds zu tun hat. Die 30-jährige Kommunikationschefin der Konservativen ist nämlich die neue Frau an Johnsons Seite und bringt den 55-Jährigen offenbar mächtig auf Trab.  Dank Symonds dürfte Johnsons Popularität weiter steigen.

Boris Johnson ist ein Möchtegern-Churchill

Der ehemalige Bürgermeister von London (2008 bis 2016) unternimmt auch immer wieder Ausflüge in den Journalismus. So arbeitete er nach seinem Studium bei der altehrwürdigen „Times“, wurde aber nach nur einem Jahr wieder gefeuert - weil er Zitate gefälscht hatte. Das tat seiner Karriere aber keinen Abbruch. 1987 heuerte er beim „Daily Telegraph“ an, deren Mitherausgeber er von 1994 bis 1999 war. Anschließend wechselte er zum konservativen Wochenblatt „The Spectator“, das er bis 2005 als Herausgeber leitete. Inzwischen schreibt er immer mal wieder eine - mehr oder weniger merkwürdige - Kolumne für den „Daily Telegraph“.

Ob er aber als Journalist was taugt? Sein Buch über Winston Churchill gilt ja allgemein als schöner Reinfall. Der bekannte britische Historiker Richard J. Evans („Das Dritte Reich“, 2004 bis 2009) schrieb jedenfalls einen hübschen Verriss, den jeder Johnson-Fan ab und an mal durchlesen sollte. 

Aber was lehrt uns „Der Churchill-Faktor“? Dass Johnson ein Möchtegern-Churchill ist. Und dass er unbedingt in die Downing Street will. Sollte das geschehen, dürfte es auch weiterhin in Großbritannien drunter und drüber gehen – und wahrscheinlich nicht nur dort.

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