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Booster: Israels Kinder warten

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Von: Maria Sterkl

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Auch der neun Jahre alte Yoav lässt sich zu Wochenbeginn in Tel Aviv immunisieren.
Auch der neun Jahre alte Yoav lässt sich zu Wochenbeginn in Tel Aviv immunisieren. © AFP

Beim Impfweltmeister trauen viele Eltern der Immunisierung nicht. Die Regierung setzt alle Hebel in Bewegung, um die unter Zwölfjährigen vor der vierten Welle zu schützen.

Ein Hase, ein Löwe, eine Giraffe lachen vom Sticker auf Yishais T-Shirt. „Auch ich bin geimpft!“, steht in Regenbogenfarben darauf. Ob die Comictiere lachen oder ihre Augen vor Schreck aufreißen, lässt sich nicht erkennen: Alle drei tragen Mund-Nasen-Schutz. Der elfjährige Yishai spricht jedenfalls aus frisch gewonnener Erfahrung, wenn er seine neunjährige Schwester auf die Spitze vorbereitet: „Ist gar nicht schlimm und es dauert nur ganz kurz.“

Äußerst kurz war auch die Wartezeit auf die Impfung, erzählt Yishais Mutter Anna. Wer am allerersten Tag der israelischen Impfkampagne für Fünf- bis Elfjährige einen Termin reservieren wollte, erlebte weder Serverabstürze noch Warteschlangen, die es zu Beginn der Erwachsenenkampagne gegeben hatte.

Dieser erste Tag zeigte vielmehr, dass die Impfdosen warten und die Eltern zu Hause bleiben. In ganz Jerusalem mit seiner knappen Million an Menschen waren am Dienstag nur ein paar Hundert Kinder zur Impfung angemeldet. In ganz Israel waren es 25 000 – rund 2,5 Prozent aller mit Anspruch auf die Impfung.

Israel gilt als weltweiter Vorreiter beim Impfen. Seit Ende Juli wird schon geboostert. Alle Israelis über zwölf, deren zweite Impfung länger als fünf Monate zurückliegt, können sich die dritte Spritze verabreichen lassen, 80 Prozent haben das bereits getan. Nach den USA ist Israel nun das zweite Land, das Kinder ab fünf zur Impfung aufruft. Sie erhalten nur ein Drittel der Erwachsenendosis.

Der Immunologe Anthony Fauci, medizinischer Chefberater des US-Präsidenten, lobte Israel am Dienstag: Es habe bewiesen, dass sich mit schnellem Boostern auch die aggressive Delta-Variante bezwingen lasse, sagte Fauci. „Die Israelis haben Glück“, freute sich Fauci.

Dieses Glück wird aber nicht allen zuteil. Derzeit geben sich laut Umfragen rund 50 Prozent der Eltern impfskeptisch, ihre Kinder erhalten also vorerst keine Immunisierung. Viele halten das Impfen schlicht für unnötig, da Kinder ohnehin meist einen leichten Krankheitsverlauf hätten. Seit Wochen läuft das Gesundheitsministerium Sturm gegen diese Behauptung. Auf Plakaten, online und in zig Interviews zur besten Sendezeit nehmen sich die höchsten Beamt:innen alle Zeit, um live alle Fragen besorgter Eltern zu beantworten.

Es naht eine Grippewelle

Und sie sagen immer wieder das Gleiche: Nein, es sei ein Irrtum, dass Kinder nicht schwer erkrankten. Ja, die Kinderimpfung schütze auch Erwachsene: Erstens, weil sie dann selbst weniger Viren ausgesetzt seien, und zweitens, weil die Krankenhäuser in der Folge mehr Spielraum hätten, um sich anderen Leiden zu widmen. Das sei nun, da die Temperaturen auch in Israel unter 15 Grad sinken, besonders wichtig, sagt der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Nachman Ash: Er rechnet nun mit einer Grippewelle, die alles bisher Gekannte übertreffe.

Die Verantwortlichen im Gesundheitsministerium sind überzeugt, dass die Skepsis vieler Eltern nur temporär ist: Je mehr Wissen, desto weniger Angst, ist der Leitsatz. Und so ging dann auch Israels medizinische Zulassungsbehörde live auf Facebook und Youtube auf Fragen und Kommentare von Eltern ein. Von aggressiven Impfgegner:innen wurde das Angebot, ihrer Aggression online freien Lauf zu lassen, nur zu gern genutzt, weshalb die Folgesitzung der Behörde wieder offline stattfand.

Jüngste Daten zeigen, dass die vierte Welle für Kinder schwerer wird als die zuvor: Von jenen 224 000, die bis dato an Covid erkrankten, steckte sich die Hälfte an Delta an.

Seit wenigen Tagen gibt es einen neuen Grund, möglichst viele Kinder zu impfen: Der R-Koeffizient hat wieder die kritische Marke von 1 überschritten – das bedeutet, dass die Epidemie wieder an Schwung aufnimmt. Premierminister Naftali Bennett spricht sogar von einer „Miniwelle unter Kindern“: Über zwei Drittel der neuen Infektionen betreffen unter 18-Jährige.

Der Premier ließ daher seinen neunjährigen Sohn David am Dienstag von Kamerateams zum Piks begleiten. „David wurde soeben geimpft“, verkündete Bennett danach per Presseaussendung. „Das schützt nicht nur Kinder und Eltern, sondern den gesamten Staat Israel.“

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