Bombenhagel auf Grosny

Schicksal eines gefangenen russischen Generals unklarTschetschenischen Rebellen ist es erstmals seit Beginn der russischen Offensive gelungen, einen russischen General zu fangen. Sein Schicksal ist ungewiss.

MOSKAU, 20. Januar. Die Tschetschenen haben auf ihrer Internetseite (www.kavkaz.org) gemeldet, sie hätten in Grosny bereits am Mittwoch General Michail Malofejew und einen Oberst der russischen Truppen gefangen genommen. Der General sei aus Grosny herausgebracht worden und werde verhört. Militärs im Moskauer Verteidigungsministerium sagten, General Malofejew von der 58. Armee sei im Westen Grosnys in die Hände der Rebellen gefallen. Malofejew ist seither verschollen, Berichte, wonach er getötet wurde, wurden bislang nicht bestätigt.

Die russische Armee und die tschetschenischen Rebellen liefern sich beim Kampf um Grosny indessen weiter verlustreiche Gefechte. Auch in der Argun-Schlucht in Südtschetschenien wird erbittert gekämpft. Die Tschetschenen gaben an, allein in Grosny seien seit Montag 45 Rebellen getötet und 60 verletzt worden. Moskauer Militärs sagten der Agentur Interfax, in den letzten 24 Stunden seien 23 eigene Soldaten gefallen und 53 verletzt worden. Erfahrungsgemäß geben beide Seiten nur einen Bruchteil ihrer tatsächlichen Verluste an. Moskaus Luftwaffe flog im gleichen Zeitraum 200 Bombenangriffe auf Grosny und andere Ziele - die intensivste Bombardierung seit Beginn des Krieges vor fast vier Monaten. Der Fernsehsender NTW meldete, die Russen hätten in Grosny "Schlüsselstellungen erobert" - darunter eine über den Fluss Sunschij führende Brücke, die beide Hälften Grosnys verbindet und nach tschetschenischen Angaben die wichtigste Nachschublinie der Rebellen ist.

Generell kommen die russischen Einheiten seit Beginn ihres Sturmangriffs am Sonntag nur langsam voran. "Die Rebellen sind extrem gut vorbereitet", gab ein russischer Offizier zu. "Bei unserem Vorstoß mussten wir bereits drei Verteidigungslinien durchbrechen. Je näher wir dem Zentrum kommen, desto stärker wird die Verteidigung." Die Rebellen kämpfen aus befestigten Stellungen und in mobilen Trupps von 25 bis 30 Mann. Sie verfügen über schwere Maschinengewehre, Panzerfäuste und viele Scharfschützen.

Einer der engsten Mitarbeiter des tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow dementierte russische Meldungen, nach denen tschetschenische Kommandeure in Moskau über ihre Aufgabe verhandelten. Alle Kommandeure "kämpfen zur Zeit in Grosny oder in den Bergen", sagte Verwaltungschef Apti Batalow. Schon im ersten Tschetschenienkrieg 1994-96 hätten die Russen "täglich behauptet, dass sie mit tschetschenischen Kommandeuren verhandeln". Prinzipiell sei Maschadow nach wie vor bereit, nach Einstellung der Kämpfe mit Moskau zu verhandeln. Der russische Außenminister Igor Iwanow lehnt Verhandlungen bislang allerdings kategorisch ab.

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