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Wohnblocks unter heftigem Beschuss: Putin setzt „Höllenwaffe“ im Ukraine-Krieg ein

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Von: Tobias Utz

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In der Ostukraine toben schwere Kämpfe. Russland greift nun offenbar zu drastischen Mitteln.

Bachmut – Die ukrainische Armee verteidigt Bachmut, eine Stadt im Oblast Donezk mit vor dem Krieg 74.000 Einwohnern, bereits seit Monaten. Ähnlich wie bei den Städten Sjewjerodonezk und Lyssytschansk setzt das Militär dabei auf eine „Zermürbungstaktik“, wie Experten des Thinktanks „Institute for the Study of War“ kürzlich analysierten. Gemeint ist ein Stellungskrieg, der schwere Verluste mit sich bringt. Sowohl die russische als auch die ukrainische Armee mussten diese bereits verzeichnen.

Russland braucht Erfolgsmeldungen im Ukraine-Krieg

Für Russlands Präsident Wladimir Putin ist Bachmut ein Symbol. Die Eroberung der ostukrainischen Stadt wäre ein Erfolgserlebnis, nachdem zahlreiche Ziele im Ukraine-Krieg bereits scheiterten. Sowohl der mehrfache Versuch, den Donbass unter Kontrolle zu bekommen als auch der Sturm auf die Hauptstadt Kiew schlugen fehl.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist Putin offenbar vieles recht, unter anderem der Einsatz sogenannter Vakuumbomben. Videoaufnahmen des in Europa sanktionierten TV-Senders RT (früher Russia Today) sollen Mehrfachraketenwerfer, die Aerosolbomben auf Bachmut abfeuern, zeigen. Die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet die Bilder ebenfalls.

Russland im Ukraine-Krieg
„TOS-1“-Raketenwerfer im Einsatz bei einer russischen Militärübung. (Archivfoto) © imago stock & people / Imago Images

Bereits im Frühjahr gab es Berichte, wonach Russland derartige Vakuumbomben in der Stadt Ochtyrka im Oblast Sumy eingesetzt habe. Bestätigt sind diese bislang nicht. Linda Thomas-Greenfield, US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, erklärte damals in der UN-Versammlung: „Wir haben Videos gesehen, in denen russische Streitkräfte außergewöhnlich tödliche Waffen in die Ukraine bringen, die auf dem Schlachtfeld nichts zu suchen haben.“ Demnach seien Vakuumbomben durch die Genfer Konvention verboten, was den Einsatz zu einem anklagbaren Kriegsverbrechen mache.

Vakuumbomben im Ukraine-Krieg: Experten berichten von verheerender Wirkung

„Der Einsatz in besiedeltem Gebiet ist [...] ein Kriegsverbrechen, da diese Waffen eine Flächenwirkung entfalten“, erklärte damals Frank Sauer, Politikwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr in München, der Deutschen Welle. Eingangs erwähnte Videoaufnahmen von RT zeigen unter anderem, wie die Geschosse in Hochhaussiedlungen einschlagen. Zwar gilt die Stadt Bachmut seit mehreren Wochen als geräumt, da zahlreiche Zivilisten die Region verlassen haben. Dennoch dürfte ein solcher Angriff kaum Überlebende zurücklassen. Vakuumbomben entfalten eine enorme Wucht, da sie fast vollständig aus Brennstoff bestehen. In Kombination mit Sauerstoff der Luft tritt nach einer Druckwelle eine Vakuumwirkung auf. Dadurch wird der Umluft jeglicher Sauerstoff entzogen, da der Brennstoff selbst kein Oxidationsmittel enthält, wie es im Bericht der Deutschen Welle heißt.

Die NGO „Human Rights Watch“ spricht in diesem Kontext ebenfalls von einer verheerenden Wirkung der Vakuumbomben: „Diejenigen in der Nähe des Zündpunktes werden vernichtet. Befindet man sich weiter weg, werden wahrscheinlich viele innere und damit unsichtbare Verletzungen verursacht, darunter geplatzte Trommelfelle, schwere Gehirnerschütterungen, geplatzte Lungen und andere innere Organe und möglicherweise Blindheit“, heißt es in einer Analyse.

Insbesondere Raketenwerfer des Typs „TOS-1“ können die Vakuumbomben abfeuern. Russische Raketenangriffe mit diesem Modell im Oblast Donezk richteten bereits im Juni Zerstörung an. Laut Informationen des britischen Verteidigungsministeriums kamen die Raketenwerfer definitiv zum Einsatz, die erwähnten Videoaufnahmen legen nahe, dass auch bei der Bombardierung von Bachmut „TOS-1-Raketenwerfer“ benutzt wurden. In diversen Medienberichten werden diese als „Putins Höllenwaffe“ beschrieben. Unter anderem der Einsatz in Tschetschenien soll für diesen Namen gesorgt haben, die CIA warnte bereits im Sommer davor. (tu)

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