Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bomben lassen Hoffnungen auf Feuerpause platzen

Moskau setzt Tschetschenien-Krieg erbittert fort / Putin zündet Nebelkerzen / Soldaten sehen Laster voller Toter

Von Florian Hassel (Moskau)

Die Illusion dauerte nur wenige Stunden. Nachdem Russlands amtierender Präsident Wladimir Putin am Freitag zwei von drei kommandierenden Generälen des Tschetschenien-Krieges abgesetzt und eine Bombardierungspause für Grosny befohlen hatte, witterten Optimisten einen Kurswechsel nach drei Monaten verlustreicher Kämpfe. Doch die Angriffe gingen mit unverminderter Härte weiter.

Die halbamtliche Agentur Interfax meldete am Wochenende Bombardierungen der Dörfer Sonij, Tschischkij, Datschu-Borsoj, Chimoj, Dyschnee-Wedeno und Tasenkale durch russische Artillerie. Das offizielle russische Resümee am Sonntag zeigte wieder so heftige Bombardements wie zuletzt: 80 Bombenangriffe binnen 24 Stunden, vor allem in den Bergregionen im Süden Tschetscheniens. Das Dorf Wedeno, einer der wichtigsten Stützpunkte der Tschetschenen, sei nunmehr von der rusischen Armee eingeschlossen.

Auch in Grosny war die angebliche Feuerpause offenbar mehr Wunsch als Wirklichkeit. Im Staropromyslowskij-Bezirk unterstützten Su-24-Kampfhubschraunber russische Truppen mit Bombardements angeblicher Rebellen-Stellungen. Ein Korrespondent in Grosny berichtete, die russische Artillerie beschieße die Industriezonen. Die Straßenkämpfe gingen weiter.

Russische Soldaten sprachen von Lastwagenladungen mit gefallenen Soldaten. Tschetschenische Kommandeure meldeten indessen angebliche Gebietsgewinne in Schali südöstlich von Grosny. In Argun sei eine russische Panzereinheit fast vollständig aufgerieben worden.

Russlands amtierender Präsident Putin hatte Hoffnungen auf einen Kurswechsel bereits in der Nacht zum Samstag gedämpft. Die Feuerpause gelte nur während des orthodoxen Weihnachtsfestes und des Feiertages Eid al-Fitr. Sie sei auch dem Einsatz von chemischen Substanzen durch die Rebellen geschuldet. Putin fügte hinzu: "Das Ziel, Grosny zu befreien, wird erreicht werden."

Die Absetzung der Generäle Wladimir Schamanow und Gennadij Troschew stellte Putin als Routine dar: "Es hat weder eine Absetzung gegeben, noch ist eine geplant. Dies ist eine technische Frage." Der Sender NTW lichtete den Propagandanebel rasch. Schamanow und Troschew hätten bei einer Krisensitzung in Mosdok dem Generalstab die offenbar nach Hunderten zählenden russischen Verluste in den letzten Tagen nicht erklären können. Darauf habe Putin die Absetzung angeordnet. Der ranghohe tschetschenische Vertreter Mowladi Udugow sah in der Absetzung ein Zeichen dafür, dass Putin die russische Bevölkerung auf eine Niederlage im Kaukasus vorbereiten wolle. Möglich sind jedoch auch noch heftigere Angriffe auf Grosny. General Sergej Markow, der neue russische Oberkommandierende im Osten Tschetscheniens, sagte, den Truppen würden nun "kompliziertere Aufgaben" gegeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare