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Demonstrationen

„Völkermord“: Menschen in Brasilien prangern Corona-Politik von Präsident Bolsonaro an

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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In vielen Metropolen in Brasilien gehen Menschen auf die Straße, um gegen die Pandemie-Politik von Jair Bolsonaro zu protestieren.

Rio de Janeiro – In Brasilien haben am Samstag (29.05.2021) Zehntausende Kritiker:innen gegen die Politik des rechtsradikalen Staatschefs Jair Bolsonaro demonstriert. Nach Angaben der brasilianischen Tageszeitung Jornal do Brasil erreichten die Proteste knapp 200 Städte, darunter auch 27 Großstädte wie Rio de Janeiro, São Paulo, Salvador da Bahia sowie die Hauptstadt Brasília. Das lauteste Thema bei den Protesten war der laxe Umgang Bolsonaros mit dem Corona-Virus, an und mit dem in Brasilien laut offiziellen Angaben bereits 461.000 Menschen gestorben sind. Damit zählt Brasilien zu einem der am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Ländern der Welt.

Dennoch säht der ultrarechte Präsident Bolsonaro nach wie vor Zweifel an der Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht sowie an der Wirksamkeit der Impfstoffe. Die Impfkampagne unter seiner Regierung läuft – unter anderem wegen Lieferengpässen – nur sehr schleppend voran. Auch gegen die von Bolsonaro verharmloste und geförderte Zerstörung des Amazonas-Regenwalds sowie Reformen in der Finanzierung von öffentlichen Schulen machten sich die Protestierenden stark.

Demonstriende passieren in der Hauptstadt Brasília eine gigantische aufblasbare Bolsonaro-Figur.

Protestierende in Brasilien nennen die Corona-Politik unter Bolsonaro „Völkermord“

Allein in Rio de Janeiro folgten nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP rund 10.000 Menschen dem Aufruf linksgerichteter Organisationen wie Studierendenbewegungen, gegen den Präsidenten auf die Straße zu gehen. Sie werfen Bolsonaro vor, seit seiner Machtübernahme im Januar 2019 Rassismus und Gewalt in der Gesellschaft Brasiliens zu provozieren. Seinen Umgang mit der Corona-Pandemie bezeichneten viele der Protestierenden in Rufen und Plakaten als „Völkermord“.

NameJair Messias Bolsonaro
Geboren am21. März 1955 in Glicério, São Paulo
ParteiAliança pelo Brasil (Allianz für Brasilien – APB)
Präsident seit1. Januar 2019
Vorherige PositionenKarriere als Soldat (Fallschirmjäger)
Abgeordneter im Stadtrat von Rio de Janeiro
danach im brasilianischen Kongress

Bolsonaro wird von seinen Gegnern außerdem beschuldigt, durch Verharmlosung der Pandemie die rasante Ausbreitung des Coronavirus im größten Land Lateinamerikas befördert zu haben. Er hatte die von dem Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 als „kleine Grippe“ bezeichnet und Maßnahmen brasilianischer Bundesstaaten und Kommunen zur Eindämmung des Virus wegen ihrer Auswirkungen auf die Wirtschaft kritisiert.

Anti-Bolsonaro-Demonstrationen in Brasilien: Polizei greift mit Tränengas an

Die Kundgebung in Brasília war sogar die größte seit Beginn der Pandemie. Viele der Demonstrierenden hielten sich an die Masken- und Abstandsgebote, auf die die Organisator:innen hingewiesen hatten. Die Demonstranten marschierten zum Nationalkongress, wo ein Senatsausschuss derzeit Bolsonaros Umgang mit der Corona-Krise untersucht. Unter anderem forderten die Demonstranten eine Amtsenthebung des ultrarechten Staatschefs.

Ein Demonstrant in Rio de Janeiro hält ein Schild mit der Aufschrift: „Ich bin hier für meinen Großvater und 459.171 weitere Leben“.

In Recife, der Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaats Pernambuco, löste die Polizei eine friedliche Kundgebung mit Tränengas und Gummigeschossen auf. Ein Grund für ihr Einschreiten wurde nicht genannt. Der Gouverneur von Pernambuco, Paulo Câmara, ordnete Ermittlungen gegen die beteiligten Beamten an.

Proteste gegen Bolsonaro in Brasilien: „Auf der Straße, um Leben zu verteidigen“

In Brasiliens Wirtschaftsmetropole São Paulo fanden sich nach heftigem Regen erst am Nachmittag zehntausende Menschen auf der berühmten Pracht- und Finanzstraße Avenida Paulista ein. „Niemand möchte mitten in einer Pandemie auf die Straße gehen. Bolsonaro lässt uns aber keine andere Wahl“, sagte der Chef der Bewegung der obdachlosen Arbeiter (MTST), Guilherme Boulos. „Wir sind auf der Straße, um Leben zu verteidigen.“ Dies könne nicht bis zur Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr warten.

Auf unzähligen Plakaten bei Protesten in ganz Brasilien wird Bolsonaros Corona-Politik als „Völkermord“ bezeichnet.

In Brasilien finden seit Monaten Proteste gegen den Präsidenten statt, die im Laufe der Zeit an Zulauf gewonnen haben. Bolsonaros Popularität ist stark geschrumpft. Laut einer Umfrage des Instituts Datafolha liegt sie bei nur noch 24 Prozent. Für eine Amtsenthebung sprechen sich inzwischen 49 Prozent der Brasilianer aus, 46 Prozent lehnen dies ab.

An den vergangenen beiden Wochenenden hatte es auch Demonstrationen zur Unterstützung des Präsidenten gegeben - zu diesen Versammlungen hatte allerdings Bolsonaro selbst aufgerufen. (Sandra Kathe mit AFP)

Rubriklistenbild: © Evaristo Sa/AFP

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