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NSU 2.0: Jan Böhmermann auch Opfer der illegalen Datenabrufe von Polizei-Computern

Polizeiskandale und „NSU 2.0“

„NSU 2.0“-Drohbriefe: Böhmermann-Daten von Polizei-Computer illegal abgerufen

  • Pitt v. Bebenburg
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Jan Böhmermann ist im Zuge der „NSU 2.0“-Drohbriefaffäre jetzt auch von illegalen Abfragen von Polizeicomputern betroffen. Seine Adresse wurde in Berlin abgerufen.

Der Skandal über illegale Abfragen von Polizeicomputern im Zusammenhang mit rechtsextremen Drohmails weitet sich nach Informationen der Frankfurter Rundschau immer mehr aus. Persönliche Daten des Fernsehmoderators Jan Böhmermann sind von einem Polizeirechner abgerufen worden – vor einem Drohschreiben von „NSU 2.0“. 

Die Berliner Polizei stellte am Freitag klar, dass die Abfrage vom Juli 2019 und nicht vom Juli 2020 stammte. Nach FR-Informationen verschickte „NSU 2.0“ im August 2020 eine Drohmail, die Böhmermanns Namen und eine Anschrift nennt, die ihm zugeordnet wird. 

Persönliche Daten von Jan Böhmermann wurden von Polizei-Computer abgerufen

Die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) hatte am Donnerstag im Innenausschuss des Hessischen Landtags mitgeteilt, dass persönliche Daten Böhmermanns von einem Polizeirechner in Berlin abgerufen worden seien. Der Vorgang sei Teil der Ermittlungen im Zusammenhang mit den rechtsextremen Drohschreiben, die mit „NSU 2.0“ unterschrieben sind. Auf die Frage, ob die Daten in einem Drohschreiben gegen Jan Böhmermann aufgetaucht seien, machte die hessische Ministerin keine Angaben. 

Der Frankfurter Rundschau liegt jedoch das Drohschreiben von „NSU 2.0“ vor, in dem Daten von Böhmermann verwendet werden. Es wurde am 1. August per Mail versandt – also wenige Tage nach der Abfrage. Das Schreiben ging nicht an Böhmermann, sondern an andere Adressaten. 

Vor Böhmermann waren bereits unter anderem Kabarettistin Idil Baydar und Linken-Politikerin Janine Wissler betroffen

Bisher war bekannt geworden, dass persönliche Daten der hessischen Linken-Fraktionschefin Janine Wissler, der Kabarettistin Idil Baydar, der Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz und der Journalistin Hengameh Yaghoobifarah illegal von Polizeirechnern in Frankfurt, Wiesbaden, Hamburg und Berlin abgefragt worden waren. Alle vier Frauen hatten anschließend rechtsextreme, rassistische und sexistische Drohschreiben von „NSU 2.0“ erhalten, in denen die Daten verwendet wurden. (Von Pitt von Bebenburg)

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