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Ein irakischer Polizist bewacht am Samstag die Explosionsstätte einer Bombe in Samarra. Bei dem Anschlag starben vier Zivilisten.

Blutige Anschläge im sunnitischen Dreieck

Sechs US-Soldaten und vier Iraker getötet / Rücktritt von Waffeninspekteur Kay setzt US-Regierung unter Druck

Bagdad · 25. Januar · dpa/ap/rtr · Bei einem Anschlag auf den Verwaltungssitz der Stadt Samarra starben am Samstag vier Iraker, teilte US-Militärsprecher General Mark Kimmitt in Bagdad mit. Die Bombe habe eine US-Patrouille knapp verfehlt. Auf einer Autobahn nördlich von Falludscha starben am Samstag zwei US-Soldaten, als unter ihrem Fahrzeug ein Sprengsatz explodierte. In El Chalidija starben am Samstag drei US-Soldaten als ein Selbstmordattentäter in einen US-Kontrollpunkt raste. Ebenfalls am Samstag griffen in Bedschi Aufständische mit einer Panzerfaust einen US-Schützenpanzer an. Dessen Fahrer erlag laut US-Militärkommando am Sonntag seinen Verletzungen.

Alle Angriffe ereigneten sich im so genannten sunnitischen Dreieck, dem Gebiet westlich und nördlich der Hauptstadt Bagdad, in dem der Widerstand gegen die US-Besatzung besonders stark ist. Militärsprecherin Josslyn Aberle erklärte, am Sonntag seien im sunnitischen Dreieck fast 50 Verdächtige festgenommen worden, davon allein 46 bei einer Razzia in Bakuba. Den meisten werde illegaler Waffenbesitz vorgeworfen, dreien die Beteiligung an gegen die Besatzungstruppen gerichteten Aktivitäten.

Kurdische Studenten und Dozenten demonstrierten am Wochenende in Suleimanijah für einen föderalistischen Staat. An der Kundgebung nahmen nach Angaben der Veranstalter rund 7000 Menschen teil. Der provisorische irakische Regierungsrat will vor der Verabschiedung einer Verfassung im kommenden Jahr keine Entscheidung über den Status der Kurdenregion im Norden des Landes fällen, sagte der Sprecher des Rates, Hamid el Kafai, am Sonntag in Bagdad.

Der als Chef der US-Waffeninspekteure Iraq Survey Group zurückgetretene David Kay vermutet Bestandteile eines irakischen Programms für Massenvernichtungswaffen in Syrien. Kay sagte demSunday Telegraph, er habe Beweise, dass Material kurz vor dem Krieg nach Syrien geschafft worden sei. Um was es sich gehandelt habe und was damit geschehen sei, müsse noch geklärt werden. Kay hatte bei seinem Rücktritt am Freitag gesagt, er vermute keine großen Bestände chemischer oder biologischer Waffen in Irak. Die Internationale Atomenergieorganisation IAEO zeigte sich davon nicht überrascht: "Wir haben bereits vor dem Krieg gesagt, dass es keine Hinweise darauf gibt", sagte IAEO-Chef Mohammed el Baradei.

US-Außenminister Colin Powell stellte am Wochenende erstmals öffentlich das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen in Frage. Allerdings gebe es Geheimdienstmaterial mit Beweisen, dass sich Saddam Hussein solche Waffen habe verschaffen wollen, sagte Powell nach russischen Medienberichten vom Sonntag bei einem Besuch in Georgien.

Der US-Demokrat John Edwards forderte am Wochenende, eine unabhängige Kommission solle prüfen, ob die Regierung von George W. Bush den Kongress in der Waffenfrage vor dem Krieg in die Irre geführt habe. Die Regierung Bush hatte als Hauptgrund für den Krieg gegen Irak angeführt, das Land besitze Massenvernichtungswaffen und bedrohe die USA.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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