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„Putins Bluthund“: Kadyrow will sich anscheinend zurückziehen

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Von: Lukas Zigo

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Der von Putin unterstützte tschetschenische Staatschef Ramasan Kadyrow sagt, er wolle einen „unbestimmten und langen“ Urlaub antreten.

Grosny – In seiner 15-jährigen Amtszeit herrscht Ramasan Kadyrow in seinem Land mit eiserner Hand und von Wladimir Putins Gnaden. In einem am Samstagmorgen (03.09.2022) veröffentlichten Video kündigte er nun an, einen „unbestimmten und langen“ Urlaub anzutreten. Seine Zeit sei gekommen, sagte Kadyrow, „bevor sie mich herausschmeißen“. Laut der Medienseite Nexta TV sagte Kadyrow: „Wir haben ein Sprichwort unter Kaukasiern, Tschetschenen. Egal, wie respektiert und lang erwartet ein Gast ist, wenn er pünktlich geht, dann ist es noch angenehmer.“

Der russische Staatschef Wladimir Putin (l) und Ramasan Kadyrow.
Der russische Staatschef Wladimir Putin (l) und Ramasan Kadyrow. © Imago

Kadyrow erbte die Macht in Tschetschenien von seinem Vater. Dieser hatte sich im Tschetschenienkrieg von der tschetschenischen Armee losgesagt und Russland angeschlossen. Als Dank erhielt er, und nun sein Sohn, die Macht über das Land. Kadyrow ist bekannt dafür, eine Privatarmee von Söldnern, Kadyrowzy (zu Deutsch: „Kadyrows Anhänger“) genannt, zu beschäftigen. Diese Söldner sind als besonders brutal bekannt.

Kadyrows Soldaten kämpfen seit 2014 für Russland in der Ostukraine

Ramasan Kadyrows Söldnereinheiten tauchten schon 2014 in der Ostukraine auf. Das Tschetschenenoberhaupt dementierte dies stets. Auch der Kommandant der Einheiten sagte, sie seien freiwillig vor Ort - und nicht in Kadyrows Auftrag. Zu Beginn der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 propagierte Kadyrow diesen auf seinen viel beachteten Social-Media-Kanälen.

Erst im August teilte Kadyrow mit, neue Truppen mit „Freiwilligen“ auf den Weg geschickt zu haben. Menschen in den besetzen Regionen der Ukraine berichten von besonders brutalem Vorgehen der tschetschenischen Soldaten.

„Überwältigende Beweise“ Kadyrow werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen

Innerhalb Tschetschenien regiert Kadyrow mit Härte. Dem autoritären Führer werden immer wieder Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Das letztjährige Wahlergebnis betrug 99,6 Prozent für Kadyrow. Auch die tschetschenische Bevölkerung muss ihren Führer fürchten, denn regelmäßig verschwinden Kritiker des Regimes.

Besonders konsequent geht Kadyrow gegen Mitglieder der LGBTQ+-Community in Tschetschenien vor. Wer immer im Verdacht steht, zu dieser zu gehören, oder ein verdächtiges Familienmitglied hat, wird von der Polizei verfolgt, inhaftiert und sogar getötet. Dafür gebe es „überwältigende Beweise“, so die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) im Jahr 2018.

Kadyrow wollte schon einmal zurücktreten – Putin ließ dies nicht zu

Bereits im Jahr 2017 sprach Kadyrow davon, zurückzutreten. „Es gab einmal eine Zeit, in der Kämpfer wie ich gebraucht wurden, um Dinge in Ordnung zu bringen. Jetzt haben wir Ordnung und Wohlstand – und die Zeit für Veränderungen in der tschetschenischen Republik ist gekommen“, sagte Kadyrow im November 2017 in einem Gespräch mit dem staatlichen Kanal Rossiya 1.

Damals überzeugte Putin Kadyrow, wohl gegen dessen Wunsch, weiterhin das Land zu regieren. Hintergrund könnte Kadyrows Loyalität gegenüber Putin und dem Kreml sein, die für ihn die einzige Machtlegitimation darstellen. Putin erwidert diese Treue, indem er schweigt, wenn die internationale Gemeinschaft von ihm verlangt, für Kadyrows Verbrechen Rechenschaft abzulegen. Somit bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich zu einem Rücktritt Kadyrows kommt. (Lukas Zigo)

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