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Blinder Syrer erhält nun doch Asyl

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Von: Patrick Guyton

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27-Jähriger darf nach Kirchenasyl in Deutschland bleiben

Nach mehr als drei Jahren Angst vor Abschiebung steht nun fest: Mheddin Saho, der blinde syrische Flüchtling, der in Niederbayern lebt, darf bleiben, er hat unbefristetes Asyl erhalten. „Jetzt bin ich endlich in Sicherheit“, sagt der 28-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. „Meine Existenz ist nicht mehr bedroht.“

Der positive Bescheid kam schon Anfang März, doch darauf wollte sich der Anglistik-Student an der Münchner Maximilians-Universität nicht verlassen. In der Vergangenheit ist er in Deutschland einer Abschiebung knapp entgangen, hatte vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) einen negativen Bescheid erhalten und eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Regensburg verloren.

Nun hat Mheddin Saho für kommende Woche einen Termin, um sich seinen Flüchtlingsausweis abzuholen. Zudem hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) seinen Unterstützerinnen und Unterstützern an der Uni mitgeteilt, dass das deutsche Asylverfahren mit einem „positiven Ergebnis abgeschlossen“ sei. „Eine Überstellung nach Spanien droht dem Betroffenen daher nicht mehr.“

Einreise über Spanien

Das Bamf hatte argumentiert, dass Saho über Spanien nach Deutschland eingereist sei. Deshalb müsse er nach Spanien zurückkehren und dort Asyl beantragen. Nach seiner Ankunft in Rottenburg an der Laaber lebte er bei Gisela und Gerhard Zierer, die für ihn zu Ersatzeltern geworden sind. Saho nahm an der Uni einen Masterstudiengang Englisch auf. Im Laufe der Zeit erhielt er viel Unterstützung, sein Fall wurde bundesweit bekannt, sah man doch die Abschiebung eines gut integrierten blinden syrischen Flüchtlings nach Spanien als unzumutbare Härte an.

Letztlich hat ihm das Kirchenasyl zum nun sicheren Aufenthaltsstatus verholfen: Nachdem das Verwaltungsgericht negativ geurteilt hatte, stand erneut die Abschiebung im Raum. Deshalb begab er sich im August vergangenen Jahres für sechs Monate in einen der Öffentlichkeit unbekannten kirchlichen Raum. Die Behörden waren darüber informiert, schritten aber nicht ein. Nach einem halben Jahr Aufenthalts in Deutschland haben ausreisepflichtige Geflohene schließlich das Recht auf ein nationales Asylverfahren. So konnte die Abschiebung nach Spanien verhindert werden.

Mheddin Saho bemüht sich nun um einen Nebenjob. „Ich möchte mein Brot selbst verdienen“, sagt er. An dem Master-Titel arbeitet er weiter: Da er mit seinem Ausweis nun reisen darf, plant er einen Studienaufenthalt in Irland oder auf Malta.

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