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Blairs Trümmerhaufen

Die Würfel sind gefallen. Die Briten ziehen an der Seite Amerikas in den Krieg. Nach der Regierung und dem Kabinett in London hat auch das Parlament der

Von Peter Nonnenmacher

Die Würfel sind gefallen. Die Briten ziehen an der Seite Amerikas in den Krieg. Nach der Regierung und dem Kabinett in London hat auch das Parlament der Invasion in Irak zugestimmt. Ein Drittel der Abgeordneten, auch der Gefolgsleute Tony Blairs, stemmte sich gegen den Krieg. Aber ihr Aufstand blieb vergebens. Eine große Koalition aus Konservativen und kriegswilligen Labour-Leuten verschaffte Blair eine Mehrheit. So eindringlich die Warnungen der Kriegsgegner in der Hohen Kammer widerhallten, so sehr wurden sie übertönt von den leidenschaftlichen Appellen des Premiers. Blair erkämpfte sich den politischen Sieg, und nur ein Kabinettsmitglied, der prinzipientreue Ex-Außenminister Robin Cook, ging der Regierung in der Schlacht verloren.

Nun werden, wie es im Königreich Tradition ist, die Politiker die Reihen schließen hinter Großbritanniens Truppen. Nach der Entscheidung des Parlaments wollen auch die Kriegsgegner ihrem Militär nicht "in den Rücken fallen". Schon zeichnet sich ein leichter Umschwung in der öffentlichen Meinung ab. Weniger Briten als zuvor sind gegen einen Waffengang ohne UN-Mandat, mehr Briten bekunden Respekt für ihren Regierungschef. Die Anti-Krieg-Bewegung sieht, trotz sporadischer Demonstrationen, ihre Basis bröckeln.

Blair ließ sich in seiner Haltung, seiner Argumentation nicht beirren. Seine Geradlinigkeit beeindruckte selbst seine Gegner. Seine Risikobereitschaft bewog ihn dazu, sich dem Parlament zu stellen, es ohne verfassungsmäßige Not zur Beschlussfassung über einen Krieg einzuberufen. Blairs Ernsthaftigkeit, sein Blick auf kommende Bedrohungen durch Terrorismus und verbrecherische Regimes, hat seine Landsleuten erreicht. Niemand zweifelt diese Ernsthaftigkeit wirklich an.

Doch seine politischen Fehleinschätzungen haben Blair an den Rand des Abgrunds geführt, an dem er nun zu Beginn dieses Kriegs steht. Er knüpfte sein Schicksal an das von George W. Bush. Die Vorstellung, Washingtons Willen beeinflussen zu können, erwies sich letztlich mit der amerikanischen Zeitvorgabe zum Kriegsbeginn als illusorisch. Dass Bush sich nicht einbinden lassen und den Willen der UN schlicht ignorieren würde, vermochte der Brite nicht frühzeitig zu sehen. Inzwischen steht ein Drittel der britischen Armee an der Seite US-amerikanischer Soldaten am Golf. Jetzt kann sich Blair nicht mehr aus der tragischen Verbindung stehlen: Die Umstände dieses Dilemmas hat er, immerhin, selbst geschaffen.

Geradezu beschämend nimmt sich vor diesem Hintergrund die üble Weise aus, in der Blair und seine Minister, um die eigene Isolation zu vertuschen, seit Tagen auf die Franzosen als den angeblich Schuldigen für die gegenwärtige Krise eindreschen. Gewiss, Jacques Chirac mag in den vergangenen Wochen nicht klug taktiert haben. Aber zum Krieg drängten letztlich andere. Die Ernsthaftigkeit der anderen Seite, der Franzosen, der Deutschen, der Russen, mochten die Briten nicht zu ermessen. Dass weite Teile Europas (und der Welt) gegen das Diktat aus Washington aufbegehren würden, statt den Diktierenden zwei oder drei gefällige Formulierungen einzuflüstern, konnte sich die britische Diplomatie mit ihren hartnäckigen anti-europäischen Ressentiments schlicht nicht vorstellen.

Eine Menge Scherben hat diese Kurzsichtigkeit, hat die bedingungslose britische Gefolgschaft für Bush so produziert. Leicht wird es Blair nicht fallen, auf diesem politischen Trümmerfeld aufzuräumen, wenn erst einmal die Schäden in Basra und Bagdad zu sehen sein werden. Dass der Premier seinen Ruf als guter Europäer beschädigt und seiner eigenen Sache auf der Insel schwer geschadet hat, ist schon jetzt überaus deutlich. Offenkundig hofft Blair nun, mit einem erfolgreichen Krieg Boden wettzumachen. Danach, glaubt er, werde man gemeinschaftlichen europäischen Aktionen und den Vereinten Nationen wieder auf die Beine helfen müssen. Seinen verschmähten Partnern wird es obliegen, Europas abtrünnig gewordenen Sohn wieder in der "Familie" aufzunehmen. Die Mühe sollte sich lohnen: Anders als Washington hat London die UN keineswegs abgeschrieben.

Dossier: Krieg gegen Irak?

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