+
Der britische Premierminister Tony Blair (links) und US-Präsident George W. Bush sind sich einig, dass es zwingende Gründe für ihren Krieg gegen Irak gegeben habe. In Washington verteidigten sie gemeinsam ihr Vorgehen.

Blair und Bush rechtfertigen sich

Britischer Premier lobt vor dem US-Kongress den Irak-KriegUS-Präsident George W. Bush und Großbritanniens Premierminister Tony Blair haben ihr Vorgehen gegen Irak erneut verteidigt. Am Ende werde die Geschichte die Entscheidung rechtfertigen, gegen Bagdad Krieg geführt zu haben, sagte Blair in einer Rede vor dem US-Kongress. Mehr dazu im Dossier Irak nach dem Krieg

WASHINGTON, 18. Juli (dpa/ap/rtr). Der Irak-Krieg sei auch dann gerechtfertigt gewesen, wenn die USA und Großbritannien die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen falsch eingeschätzt haben sollten, sagte Tony Blair am Donnerstag (Ortszeit) in einer leidenschaftlichen Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses in Washington. "Wenn wir uns geirrt haben, dann haben wir zumindest eine Bedrohung beseitigt, die für unmenschliches Morden und Leid verantwortlich gewesen ist." Blair zeigte sich überzeugt davon, dass "die Geschichte dies vergeben wird". Der Brite sowie US-Präsident Bush sehen sich derzeit heftigen Vorwürfen ausgesetzt, sie hätten vor dem Irak-Krieg die Bedrohung durch Bagdad übertrieben.

"Wenn unsere Kritiker aber Unrecht haben, wenn wir Recht behalten sollten - wie ich es mit jeder Faser inbrünstig glaube -, wenn wir nicht gehandelt hätten, dann hätten wir im Angesicht dieser Bedrohung gezögert", sagte Blair. Dies hätte die Geschichte nicht verziehen. "Geben Sie Europa nicht auf", rief Blair den US-Parlamentariern zu. Die Europäer mahnte Blair, den Anti-Amerikanismus zu bekämpfen. An die USA appellierte er, Überzeugung zur Grundlage der Partnerschaft zu machen, kein Herumkommandieren.

"Die Regierung von Saddam Hussein war eine schwerwiegende und wachsende Bedrohung", hob US-Präsident Bush bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Blair in der US-Hauptstadt hervor. "Angesichts der Historie von Terror und Gewalt, die sich mit der Person Saddams verknüpft, wäre es ein schrecklicher Fehler gewesen, auf Saddams Zurechnungsfähigkeit oder Zurückhaltung zu setzen." Der US-Präsident sagte, britische und US-Geheimdienste hätten vor Kriegsbeginn "klare und zwingende" Gründe vorgelegt, dass Saddam eine Gefahr für Sicherheit und Frieden gewesen sei. Bush erneuerte seinen Vorwurf, das Regime in Bagdad habe biologische und chemische Massenvernichtungswaffen besessen. Er sei überzeugt, so Bush, dass Saddam versucht habe, sein Atomwaffenprogramm wieder aufzulegen.

Mit der Existenz von Massenvernichtungswaffen hatten Washington und London den Krieg gegen Irak Anfang des Jahres begründet. Bislang sind allerdings weder die Waffen im Land gefunden worden noch Beweise aufgetaucht, dass diese Waffen tatsächlich existiert haben.

Blair betonte erneut, dass er an den umstrittenen Geheimdienst-Erkenntnissen über Irak festhalte. "Wir sind von der Richtigkeit dieser Erkenntnisse überzeugt", sagte Blair. Dabei geht es unter anderem um den Vorwurf, Irak habe in Niger Uran für ein Atomwaffenprogramm kaufen wollen. Das Weiße Haus hat inzwischen eingestanden, dass es für die Behauptung keine einwandfreie Grundlage gibt.

Dossier: Irak nach dem Krieg

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion