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Die New Yorker Zentrale des Investormultis.

Finanzmacht

Blackrock wird immer mächtiger

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Der Fondskonzern, in dem Merz mitmischt, ist nahezu allgegenwärtig

Wer bei Blackrock arbeitet, steht nicht im Licht. Manche taten es vorher, wie der britische Finanzminister George Osborne, der auf der Insel seit 2017 die Interessen des weltgrößten Fondskonzerns vertritt. Doch hat man sich dem „schwarzen Fels“ verschrieben, dimmt man das Geltungsbedürfnis besser herunter. Der Chef tut es schließlich auch: Lawrence Douglas Fink, der am morgigen Freitag 66 Jahre alt wird, pflegt den zurückhaltenden Auftritt. Larry Fink ist der mächtigste Mann der Wall Street. Und er ist umso mächtiger, je weniger er es zeigt.

Dass es Friedrich Merz wieder ins öffentliche Licht zieht, sehen sie bei Blackrock deshalb mit gemischten Gefühlen. Natürlich hätte es Charme, den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden des deutschen Blackrock-Geschäfts in höchsten politischen Positionen zu wissen. Aber einflussreich und bestens vernetzt in Politik und Wirtschaft ist er sowieso – ohne öffentliche Aufmerksamkeit. Sie haben den CDU-Mann in erster Linie als Lobbyisten und Türöffner engagiert, weniger als Aufsichtsrat im Sinne deutscher Aktiengesellschaften. 

Die Profis an der 52. Straße in New York steuern eine Finanzmacht, über die Zahlen nicht einmal die Hälfte erzählen. Knapp 13 000 Mitarbeiter in 30 Ländern, verteilt auf 70 Büros vom kolumbianischen Bogotá über das indische Mumbai bis zum australischen Brisbane – so weit, so normal für einen international agierenden Finanzkonzern. Eindrucksvoller ist die Summe des verwalteten Vermögens: Knapp sieben Billionen Dollar – eine Zahl mit zwölf Nullen – hat Blackrock für seine Kunden weltweit angelegt.

Das Spektrum reicht vom Kleinsparer bis zum Weltkonzern, das Prinzip ist immer das gleiche: Anlegergeld wird in Fonds gesammelt und dann nach einer jeweils festgelegten Strategie investiert. Das können simple indexbasierte Fonds für Kleinsparer sein, sogenannte ETFs – die Blackrock-Tochter iShares ist hier der größte Anbieter weltweit. Das Geld kann auch in Hedgefonds, taiwanische Solaranlagen oder Unternehmen fließen. In Deutschland ist Blackrock an fast allen Dax-Konzernen beteiligt – nicht mit einigen Zehntelprozent, sondern maßgeblich. Meist sind es drei bis fünf Prozent, was oft schon genügt.

Wunderwaffe Aladdin

Im Gegensatz zu anderen Fonds wie Cevian oder Elliott verhält sich Blackrock aber meist unauffällig. Die Amerikaner seien aktiv, aber nicht aktivistisch, heißt es bei einem Dax-Konzern – es ist der Unterschied zwischen leisem und lautem Einfluss. Die Abgesandten kommen zu den üblichen Investorentreffen, und bei Bedarf werden Größen wie Eon-Chef Johannes Teyssen oder Siemens-Chef Joe Kaeser zum Gespräch gebeten.

Lange beruhigte Konzerne und Politik das zivilisierte Auftreten. Doch zunehmend springt die Allgegenwart der Amerikaner ins Auge. Sie sind in bei mehreren Autokonzernen engagiert, bei mehreren Banken, bei verschiedenen Pharmakonzernen. Als Linde und Praxair jüngst zum größten Hersteller von Industriegasen in der Welt fusionierten, war Blackrock auf beiden Seiten engagiert. Das Unternehmen habe überhaupt kein Interesse am Wettbewerb der Unternehmen, befand ein Team um den deutschen Ökonomen Martin Schmalz an der Universität Michigan. Inzwischen untersuchen EU-Kommission und deutsche Monopolkommission die These.

Doch das ist nicht die einzige Gefahr für Freiheit und Wettbewerb. Das mächtigste Blackrock-Werkzeug heißt Aladdin und ist für Investoren tatsächlich eine Wunderlampe. Das riesige Rechnersystem analysiert Daten von Zehntausenden Unternehmen und zieht daraus Schlüsse für Anlagestrategien – für das eigene Haus und für jeden zahlenden Kunden.

Das angehäufte Wissen über die Finanzen der Welt wird im Geschäftsbereich Blackrock Solutions zu Geld gemacht. Ihn haben sogar schon Notenbanken wie die EZB und die US-Fed als Sanierungshelfer in ihrem Finanzsektor beauftragt. Die Investoren beurteilten bisweilen Banken, an denen sie selbst beteiligt waren. Sie arbeiteten an Restrukturierungsprogrammen und Stresstests mit, von denen der Wert des eigenen Aktienpakets abhing. In den Notenbanken verließ man sich darauf, dass es bei Blackrock zwischen beiden Bereichen „chinesische Mauern“ gebe.

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