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Das Programm der „Black Panther Party“ wurde vor 55 Jahren verfasst – und ist immer noch aktuell

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Von: Valerie Eiseler

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Flagge zeigen: Mitglieder der Black Panther marschieren im Juli 1968 durch New York.
Flagge zeigen: Mitglieder der Black Panther marschieren im Juli 1968 durch New York in den USA. © dpa

Im Oktober 1966 gründen junge Schwarze die „Black Panther Party“ in den USA. 55 Jahre später liest sich ihr Programm – leider – in weiten Teilen wie ein aktuelles Dokument.

Frankfurt – „Ein Panther greift nicht an. Wenn er angegriffen wird, weicht er zunächst zurück. Aber wenn der Angreifer nicht aufhört, schlägt er zurück.“ Mit diesen Worten erklärt Huey P. Newton den Namen der „Black Panther Party“ in einem Fernsehinterview. Gemeinsam mit Bobby Seale gründet er im Oktober 1966 in Oakland im Bundesstaat der USA Kalifornien die Organisation, die damals noch den Beinamen „for Self-Defense“ – „für Selbstverteidigung“ – trägt.

Weder Newton noch Seale legen es darauf an, eine nationale Bewegung zu schaffen. Vielmehr geht es darum, sich als Gruppe gegen die extreme Polizeigewalt gegen Schwarze US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner zu stellen. In diesem Sinne beginnen die Black Panthers, gemäß dem damals in Kalifornien geltenden Recht, mit unverdeckten Waffen ausgerüstet zu patrouillieren und die Polizei bei Verhaftungen zu überwachen. Sie funktionieren gewissermaßen als bewaffnete Nachbarschaftswache in den Schwarzen Vierteln.

„Black Panther Party“ in den USA: Inspiration durch Malcom X und Mao Tse-tung

Politisch sind die Black Panthers vor allem von den Reden des Schwarzen Aktivisten Malcolm X beeinflusst. Aber auch die kommunistischen Lehren von Mao Tse-tung sowie Frantz Fanons antikolonialistisches Buch „Die Verdammten dieser Erde“ werden häufig als ideologische Inspirationen zitiert. Die Ausrichtung der Gruppe ist ein marxistischer, antiimperialistischer Schwarzer Nationalismus. Demnach sind Schwarze US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner im Kapitalismus nie wirklich frei.

Deutlich wird diese Ideologie auch in dem Zehn-Punkte-Programm, mit dem sich die Panthers schon früh auf Forderungen einigen, für die auch heute noch von der „Black Lives Matter“ Bewegung gekämpft wird, wie etwa soziale Absicherung, ein Recht auf Wohnen und Gesundheit. Das offene Konzept der Partei ermöglicht es jeder und jedem beizutreten. Doch damit wächst die Organisation schnell in unkontrollierbare Ausmaße und folgt schon bald, trotz der sozialistisch geprägten Grundlage, keiner einzelnen Ideologie mehr.

Kampf des FBI gegen die „Black Panther Party“ in den USA: „Größte Bedrohung für die Sicherheit“

Bis heute bezeichnen viele ehemalige Mitglieder vor allem das soziale Engagement der Organisation als ihre größte Errungenschaft – wie das Programm zur Versorgung von Schulkindern mit einem kostenlosen Frühstück, das sie 1969 initiieren. Dadurch werden die Panthers in einer Zeit der politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen zu Ikonen der US-amerikanischen Linken – und zu Staatsfeinden. Die Polizei ist schonungslos; zwischen 1967 und 1970 werden rund 40 Panther-Mitglieder getötet und viele schwer verletzt. FBI-Chef J. Edgar Hoover nennt die Partei „die größte Bedrohung für die innere Sicherheit des Landes.“ Er gibt die Anweisung, sie zu überwachen, zu unterwandern und zu zermürben. Und dies zeigt Wirkung.

Die Zerschlagung der Führungsspitze, die Spitzel, die Misstrauen und Verrat in die Gruppe tragen, und politische Repression zerreiben die Partei. Es kommt zur Spaltung, ein militärischer Arm bildet sich, 1982 ist die „Black Panther Party“ am Ende. Doch ihr Motiv „Ohne soziale Gleichheit kein sozialer Friede“ hat nichts an Bedeutung verloren. (Valerie Eiseler)

Das Vermächtnis der „Black Panther Party“ zeigt sich auch in der paramilitärischen Gruppe „Black Lives Matter 757“ in den USA, die sich seit 2016 Rechtsextremisten entgegenstellt.

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