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Black Metal und krude Nazi-Theorien

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Varg Vikernes 1997 vor Gericht.
Varg Vikernes 1997 vor Gericht. © dpa

Die französische Polizei nimmt ein rechtsextremes Pärchen fest, das sich Waffen zulegt. Der Mann ist ein alter Bekannter: Der Mörder Varg Vikernes war einst der Führer der norwegischen Black-Metal-Szene.

Von Angela Sommersberg

Er nennt sich „der Graf“, lässt sich am liebsten Varg, also Wolf, rufen, heißt eigentlich nur Kristian und empfindet es als Ehre, Rassist genannt zu werden. Außerdem bewundert er Anders Breivik, der vor zwei Jahren 77 Menschen tötete, bloß hätte der statt Norwegern besser Juden töten sollen. Am Dienstag hat die französische Polizei den Norweger Vikernes in seinem Haus in Südfrankreich festgenommen. Vikernes soll ein ähnliches Attentat wie das von Breivik in Frankreich geplant haben.

Angeblich wurde der 40-Jährige bereits länger überwacht, Grund für die Festnahme soll aber gewesen sein, dass Vikernes’ Frau einige Tage zuvor legal vier Waffen gekauft hat. Jetzt wird das Paar auf einer französischen Wache verhört. Bisher aber konnte die Polizei keine konkreten Hinweise auf etwaige Attentatspläne finden. Was die Vikernes mit den Waffen vorhatten, ist unklar. Bleiben Beweissuche und die Verhöre bis Ende der Woche ergebnislos, muss die Polizei das Paar wieder freilassen.

Für Vikernes ist es nicht die erste Knast-Erfahrung. 1993 wurde er zu 21 Jahren Haft verurteilt, weil er einen Freund mit 23 Messerstichen getötet und mehrere Kirchen angezündet hatte. 2009 wurde Vikernes entlassen, da hatte er bereits zwei Kinder mit seiner Frau. Mittlerweile gibt es ein drittes Kind, ein viertes soll unterwegs sein.

Bekennender Nationalist

In den 90ern war Vikernes einer der Führer der norwegischen Black-Metal-Szene. Er ist bekennender Nationalist und hängt einem stark antisemitischen Faschismus an. Obwohl Rassenhass und Gewaltverherrlichung auch während seiner Gefängniszeit kein bisschen abflauten, kam Vikernes danach nicht in eine Art Sicherheitsverwahrung. Dafür sah das Gericht seinerzeit offenbar keinen Anlass.

Seine heute 25-jährige Frau lernte Vikernes noch während der Gefängniszeit kennen. Sie besuchte ihn dort, weil sie ein Fan war. Ein Jahr nach seiner Entlassung, 2010, zog die Familie in ein kleines Dorf in Südfrankreich, isolierte sich aber von der Gemeinde. Dort schrieb Vikernes an Songs und an seinem Blog, in dem er Hitler verherrlicht und die „Neandertaltheorie“ propagiert. Die besagt, die Europäer stammten von den Neandertalern ab, der Rest der Menschheit vom Homo Sapiens. Und deswegen seien die Europäer intelligenter.

In letzter Zeit unterstützte Vikernes auch den rechtsextremen „Front National“, um die Einwanderung von Ausländern nach Frankreich zu stoppen. Parteichefin Marine Le Pen distanzierte sich nun klar von Vikernes. Sie findet, er hätte nie eine Aufenthaltsgenehmigung für Frankreich bekommen dürfen.

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