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Ziel des Anschlags soll die Vereinsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin, Anetta Kahane, gewesen sein (Archivbild).

Bundeswehr

Neuer Vermerk: BKA belastet ehemaligen Bundeswehroffizier Franco A. schwer

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Neue Vermerke des BKA belasten den ehemaligen Bundeswehroffizier Franco A. schwer. Laut BKA wollte der mutmaßliche Täter einen Anschlag in Berlin verüben.

Die Planungen des unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffiziers Franco A. für einen rechtsextremistisch motivierten Anschlag waren weiter fortgeschritten als bislang bekannt. Der Bundesanwaltschaft ist im Besitz handschriftlicher Notizen aus einer Terminmappe des Soldaten, die als Ablaufplan für ein Attentat in Berlin gedeutet werden. Über einen entsprechenden Vermerk des Bundeskriminalamts (BKA) berichtet das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Freitag) exklusiv. Die Justiz will in Kürze über eine Anklage gegen Franco A. entscheiden.

BKA: Franco A. wollte mutmaßlich in Berlin einen Terroranschlag verüben

Laut BKA-Vermerk wollte Franco A. mit einem auf ihn zugelassenen Motorrad vom Typ Suzuki GS 500 EU von seinem Heimatort Offenbach aus nach Berlin fahren, um dort mutmaßlich einen Terroranschlag zu verüben. Die mögliche Tatwaffe, eine Schrotflinte, hätte ein Komplize in die Bundeshauptstadt bringen sollen. Ziel des Anschlags war offenbar die Vereinsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin, Anetta Kahane.

Nach der Tat wäre der Offizier mit dem Moped in seine Kaserne im elsässischen Illkirch bei Straßburg gefahren, um im Anschluss einen möglichen Komplizen in Bayreuth und danach wieder seine Asylunterkunft im bayerischen Erding aufzusuchen. Franco A. führte, wie bereits bekannt, zu diesem Zeitpunkt seit Monaten ein Doppelleben. In Kirchdorf bei Erding bewohnte er offiziell ein Zimmer in einer Asylunterkunft als anerkannter syrischer Flüchtling.

Franco A. wollte sich eine Schrotflinte und eine Filmkamera besorgen

Neben den Aufzeichnungen zu einem Ablaufplan finden sich außerdem Angaben zum Kauf einer Schrotflinte und einer Filmkamera sowie nach Einschätzung des BKA Bemerkungen zum deutschen Sänger Xavier Naidoo. Die Ermittler glauben, Franco A. habe geplant, sein Attentat zu filmen und mit Musik zu unterlegen. Im März dieses Jahres war der ebenfalls rechtsextremistische Attentäter im neuseeländischen Christchurch ähnlich vorgegangen.

Der Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, Timo Reinfrank, sagte dem RND, er hoffe auf lückenlose Ermittlungen. „Dies gilt umso mehr, als zu befürchten steht, dass erhebliche Verquickungen zwischen Rechtsextremisten und Staatsdienern bestehen“, sagte Reinfrank.

Von Jörg Köpke

Bundesanwaltschaft legt Beschwerde im Fall Franco A. ein

Das Oberlandesgericht sah keinen hinreichenden Verdacht, dass der Bundeswehrsoldat tatsächlich Anschläge begehen wollte. Die Bundesanwaltschaft hält an ihrer Anklage fest und legt Beschwerde vor dem Bundesgerichtshof ein.

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