Kabinett-Klassentreffen

Ein bisschen Streit bei Tisch

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Auf Einladung von Altkanzler Schröder haben sich Ministerinnen und Minister des ersten rot-grünen Kabinetts getroffen.

Am Montagabend war Gerhard Schröder nochmal Kabinettschef. 20 Jahre nach dem Beginn der rot-grünen Bundesregierung hatte der Altkanzler seine Minister eingeladen und zwar in das Berliner Restaurant „Altes Zollhaus“. Viel ist nicht bekannt über das Treffen. Ein bisschen aber schon.

Man weiß beispielsweise, was es zu essen gab. Vorneweg Kartoffelsuppe und danach Ente, sagt ein Teilnehmer. Rotwein stand bestimmt auf dem Tisch, an dem zwei Ex-Minister fehlten. Der einstige Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine war als Abtrünniger nicht eingeladen. Er hatte 1999 das Ministeramt und den SPD-Vorsitz hingeschmissen. Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, als zuweilen ruppig bekannt, fehlte ebenfalls. „Das Bedauern“ darüber, so verlautet aus der Runde, habe sich „bei allen Beteiligten in Grenzen gehalten.“

Ansonsten war’s laut Augenzeugen „ein buntes Durcheinander“ in „netter Stimmung“, mit im Laufe des Abends wechselnden Besetzungen an mehreren Tischen. Besagte Augenzeugen sprechen alles in allem von einem schönen Wiedersehen mit Geplauder – ein Wiedersehen freilich, bei dem es „auch immer so Dispute“ gegeben habe.

Eine kleinere Debatte galt wohl der SPD, die 1998 doppelt so stark war wie heute, während die Grünen ihr Gewicht im Vergleich zu damals verdreifacht haben. Ein größere entwickelte sich im Zusammenhang mit den Beziehungen Deutschlands zu den USA einerseits und Russland andererseits. 

Schröder soll dabei die Frage aufgeworfen haben, ob man die Bande zu Wladimir Putin nicht enger knüpfen müsse in Zeiten, in denen Donald Trump in Washington das Sagen habe. Manche aus der Runde hätten ihm zugestimmt, andere widersprochen. Anderer Meinung als der Altkanzler war nicht zuletzt sein Alt-Vizekanzler, der Grüne Joschka Fischer. Der hat Schröders Moskauer Freund nie viel abgewinnen können. Ein nur mittelbar Beteiligter berichtet, Schröder und Fischer hätten sich regelrecht gestritten.

Vereint war die versammelte Runde im Stolz auf ihre damalige Arbeit. „Da wurde in sieben Jahren mehr bewegt als von anderen Regierungen in zwölf“, sagt eine Ex-Ministerin. Ein Ex-Minister sagt: „Das kann sich schon sehen lassen, wenn man es mit der Arbeit nachfolgender Regierungen vergleicht.“ An Selbstbewusstsein hat es Rot-Grün nie gemangelt. 

Ein bisschen wurde auch gefrotzelt. Auf die Frage, ob er sich nun alt fühle, antwortete ein Ex, alle hätten sich alt gefühlt, „außer Otto“. Alt-Bundesinnenminister Otto Schily zählt 86 Jahre. 

Der ehemalige Kabinettschef hat dem Vernehmen nach Gefallen an dem geselligen Beisammensein gefunden. „Das können wir doch mal wieder machen, oder?“, soll Schröder gesagt haben. Aus dem Kabinett widersprach niemand.

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