+
Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa (l.) hat die Angewohnheit, die Welt zu umarmen - hier Italiens Premierminister Conte.

Portugal

Bislang vom Schlimmsten verschont

  • schließen

Vergleichsweise wenig Corona-Infizierte meldet Portugal - auch, weil das Land frühzeitig reagiert hat.

Marcelo Rebelo de Sousa ist gesund. Der portugiesische Präsident hat zwei Wochen in Quarantäne verbracht, nachdem in einer Schule, die er kurz zuvor besucht hatte, ein Covid-19-Fall bekannt geworden war. Jetzt hat er sich noch einmal testen lassen, Ergebnis: Er hat das Virus nicht. Das sei schon eine Ironie des Schicksals, sagte der Präsident in einem Interview am Dienstag – womit er auf seine Angewohnheit anspielte, alle Welt zu umarmen. Marcelo ist ein volksnaher Präsident, deswegen nennen ihn in Portugal alle nur beim Vornamen.

Das Glück des Präsidenten ist nach jetzigem Stand der Dinge das Glück des ganzen Landes. Bis Dienstag vermeldete Portugal 345 Tote. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist das etwa ein Zehntel dessen, was das Nachbarland Spanien meldet. Die Kurve der Zahl der positiv Getesteten flacht seit einigen Tagen ab. Trotzdem: „Der Druck darf nicht nachlassen“, sagte Marcelo am Dienstag.

Der Druck auf die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben, ist – im Vergleich zu Spanien – eher mild. Man darf noch mit Kindern auf die Straße gehen oder den nächsten Park besuchen oder sogar eine Runde joggen. Restaurants dürfen öffnen, um ihren Kunden Essen zum Mitnehmen zuzubereiten. Alles Dinge, von denen die Spanier nur träumen können. Für alle Fälle hat die Regierung die Portugiesen daran erinnert, dass Ostern dieses Jahr ausfällt und man sich nicht zum klassischen Familienessen zusammenfinden soll. Ein solcher Hinweis wäre in Spanien überflüssig: Hier weiß jeder, dass außer der eigenen Wohnung das Krankenhaus zurzeit der einzig denkbare Aufenthaltsort ist.

Lazarette für alle Fälle

Der vergleichsweise glimpfliche Verlauf ist ein Glücksfall. Auch in Portugal nahmen die Verantwortlichen die Epidemie in China zunächst nicht ernst. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch Portugal erwische, hielt die Generalsekretärin für Gesundheit, Graça Freitas, Mitte Januar noch für „nicht groß“. Und noch kurz bevor dann doch die ersten Fälle vermeldet wurden, verglich sie Covid-19 mit einer gewöhnlichen Grippe. Inzwischen hat sich das geändert und sie klagt, dass sich etliche Altenheime nicht ausreichend auf die Epidemie vorbereitet hätten.

In Portugal traten die ersten Fälle erst spät, Anfang März, auf. Als zwei Wochen später Spanien und Portugal fast zeitgleich den Notstand ausriefen, stand das spanische Gesundheitssystem schon unter enormem Stress, während das portugiesische mit der Zahl der Erkrankten noch gut zurechtkam. Und bis heute zurechtkommt. Die Krankenhäuser mussten sich am Dienstag um 1180 Covid-19-Patienten kümmern, von denen 271 auf der Intensivstation lagen. Dennoch stehen für alle Fälle in Lissabon und in Porto Notfalllazarette bereit. Kein Grund zur Entspannung, findet Regierungschef António Costa: Der April werde ein „sehr gefährlicher Monat“ sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion