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Im Eichstätter Bischofshaus kam Hanke zu spät auf die Idee, die Vermögensverwaltung neu zu ordnen.

Kirchenskandal

"Der Bischof hat doppelt versagt"

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Ein Münsteraner Kirchenrechtler macht Gregor Maria Hanke mitverantwortlich für den Finanzskandal im Bistum Eichstätt.

Gegen einen kriminellen Umgang mit anvertrautem Besitz ist niemand gefeit. Weshalb das Bistum Eichstätt, von Ex-Finanzberatern um 50 Millionen Euro geprellt, Mitleid heischend die Lesart verbreitet: „Wir sind Opfer und nicht Täter.“

Das allerdings sieht der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller ganz anders. Die Bistumsverantwortlichen, allen voran Bischof Gregor Maria Hanke, hätten es den Betrügern „brutal leicht gemacht“. Seit Jahren habe es in Eichstätt an einer wirksamen Finanzaufsicht mit unabhängigem Controlling gefehlt. Die Strafanzeige des Bischofs gegen zwei frühere Mitarbeiter vom Juli 2017 attestierte seinem ehemaligen leitenden Bau- und Finanzdirektor als oberstem kirchlichem Aufseher zu dessen Entlastung, er sei „in Wirtschaftsfragen unerfahren“ gewesen.
Das aber ist laut Schüller, Professor an der Uni Münster, ein klarer Verstoß gegen das Kirchenrecht, das vom Bischof verlangt, Experten mit der Verwaltung des Kirchenvermögens zu betrauen. „Der Bischof hat somit doppelt versagt. Er hat die falschen Leute eingesetzt und ein verfilztes System ermöglicht“, sagte Schüller der Frankfurter Rundschau.

Anfang der Woche machte das Bistum öffentlich, dass ein Ex-Vermögensverwalter zwischen 2014 und 2016 mehr als 30 zumeist ungesicherte Darlehen für Immobilienprojekte in den US-Bundesstaaten Texas und Florida vergeben und damit einen Schaden von bis zu 60 Millionen Dollar verursacht hat. Der Diözese wurden Zinserträge von sieben bis zehn Prozent in Aussicht gestellt. Der Vermögensberater sowie der mit ihm kooperierende Investor sitzen inzwischen wegen Untreue- und Korruptionsverdacht in Untersuchungshaft. Sie sollen ihre hochriskanten Geschäfte mit erheblicher krimineller Energie verschleiert und insbesondere den damaligen Finanzdirektor getäuscht haben, um dessen Unterschrift für ihre US-Transaktionen zu erhalten. Unklar ist, ob sie das Bistum vorsätzlich und zum eigenen Vorteil schädigen wollten. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt. 

Der vom Bistum beauftragte Anwalt Ulrich Wastl sagte, der Umfang der Darlehen entspreche einem Sechstel der Finanzanlagen des Bistums, sei aber nicht gleichbedeutend mit dem Gesamtvermögen. Wastl und Generalvikar Isidor Vollnhals, der Verwaltungschef des Bistums, beteuerten, dass der entstandene Schaden die Stellen und Löhne von Mitarbeitern nicht gefährde. Geld aus der Kirchensteuer, mit dem die laufenden Ausgaben bestritten werden, sei von dem Skandal nicht betroffen.

In der Selbstdarstellung des Bistums war es eine „Transparenzoffensive“ Bischof Hankes aus dem Jahr 2015, die das Bistum überhaupt erst auf die Spur der zwielichtigen Geschäfte gebracht habe. Wirtschaftsprüfer seien bei ihren Vorbereitungen zur Vorlage einer Bilanz nach Handelsgesetzbuch auf allerlei Ungereimtheiten gestoßen. Generalvikar Vollnhals zufolge sei das Vertrauen der kirchlichen Verantwortlichen „schwerwiegend enttäuscht worden“.

Der Kirchenrechtler Schüller wies dies als Ablenkungsmanöver zurück. In anderen Bistümern seien längst „vorbildlich funktionierende Kontrollgremien und -mechanismen“ etabliert. Die Maßnahmen, die Hanke inzwischen zur Neuordnung der Vermögensverwaltung ergriffen habe, zeigten den bisherigen Schlendrian ohne effizientes Controlling. Schüller sprach von einem nachlässigen Umgang mit Geld, das eigentlich den Gläubigen gehöre. Der Bischof sei immer nur der Treuhänder kirchlichen Vermögens. Dessen sorgsame Verwaltung gehöre zu den Kernaufgaben der Bischöfe. 2016 habe Papst Franziskus klargestellt, dass Bischöfe für Führungsfehler – in geistlicher wie finanzieller Hinsicht – haftbar seien. Das könne bis zum Verlust des Amtes führen.

Doch zeige der „Präzedenzfall“ des früheren Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, den dessen Diözese für einen Millionenschaden beim Umbau der Bischofsresidenz in Regress nehmen wollte, dass die römische Kurie am Ende doch schützend die Hand über den Bischof gehalten habe. Umso wichtiger sei es, so Schüller, die Aufklärung des Skandals jetzt in die Hand eines externen, wirklich unabhängigen Gremiums zu legen, das dann auch die Haftungsfrage deutlich benennen müsse.

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