Bischöfe zu Respekt aufgefordert

Glück neuer Präsident der Laienkatholiken

Von Harald Biskup

Bonn. Er ist kein Unbekannter im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dem er seit mehr als 20 Jahren angehört. Und doch präsentierte sich Alois Glück, der mit 169 von 189 Stimmen gewählte neue Präsident des Laiengremiums, gestern bei der Herbstvollversammlung in Bonn von einer überraschenden Seite. In seiner Bewerbungsrede sagte er den Bischöfen zwar "vertrauensvolle und fruchtbare Zusammenarbeit" zu, betonte aber zugleich der die Eigenständigkeit des ZdK. In Zukunft werde es darauf ankommen, "wie wir Meinungsverschiedenheiten in unserer Kirche austragen" meinte der 69-jährige CSU-Politiker.

Es komme darauf an, "ob das Ringen um die Wahrheit und um den richtigen Weg vom Geist der Liebe, vom Respekt vor dem anderen und seiner Gewissensfreiheit" bestimmt werde oder vom "Geist der Unversöhnlichkeit, der Ausgrenzung und des Anspruchs, dass nur die eigene Position die allein katholische ist." Damit spielte Glück auf den Streit zwischen Zentralkomitee und Bischofskonferenz um die Besetzung des Präsidentenpostens an. Im Frühjahr hatten die Oberhirten den designierten Nachfolger von Hans Joachim Meyer, den hessischen Kulturstaatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann, durchfallen lassen und einen Eklat heraufbeschworen. Nach den ZdK-Statuten kann ein Kandidat nur zum Präsidenten gewählt werden, wenn die Bischöfe mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit ihre Zustimmung erteilen. Meyer, der nach zwölfeinhalb Jahren an der ZdK-Spitze ausscheidet, betonte gestern erneut, dass es sich um einen Konflikt mit einem Teil der Bischöfe handele.

Der neue Präsident sprach sich für eine "Kultur des Dialogs und auch der Kontroverse" aus. Sein Ziel sei es, "Vielfalt und Einheit im der Kirche zu verbinden". Er sehe in der katholischen Kirche "zu viel Ängstlichkeit gegenüber der modernen Welt und zu viel Abwehr".

Zu Vizepräsidenten wählte die Vollversammlung Christoph Brass (Diözese Speyer), die Düsseldorfer SPD-Politikerin Karin Kortmann, Claudia Lücking-Michel, Generalsekretärin des Cusanus-Werks zur Begabtenförderung, und Alois Wolf (Caritasverband Erfurt). Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) verfehlte knapp den Einzug ins Präsidium. Auch Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, scheiterte. Seite 10

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