Venezuela

Das Schicksal des Billy Six

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Rechter deutscher Journalist seit Herbst in Caracas inhaftiert.

Wenn es um Venezuela geht, verzichtet Bundesaußenminister Heiko Maas auf alle diplomatische Zurückhaltung: Dort würden Demokratie und Rechtsstaatlichkeit mit Füßen getreten. Dennoch muss Deutschland beim Umgang mit Caracas eines im Blick behalten: Seit Herbst 2018 sitzt der deutsche Journalist Billy Six dort im Gefängnis. Ihm drohen unter anderem wegen „Spionage“ 28 Jahre Haft.

Der Reporter berichtete für die rechtskonservativen Medien „Junge Freiheit“ und „Deutschland Magazin“ über die Folgen der Wirtschaftskrise in Venezuela. Six’ Bruder sagt, Billy sei ein „gesellschaftskritischer Mensch“. Mit Rechtsextremen habe er „nichts zu tun“. In einer Reportage auf der Homepage des „Deutschland Magazin“ zeigt sich aber eine kritische Haltung des Reporters zum Thema Migration. Unter der Überschrift „Exodus aus Venezuela – die nächste Völkerwanderung!“ berichtet Six über die Flucht Hunderttausender aus Venezuela und weist extra darauf hin, dass es bisher visafreien Reiseverkehr mit der EU gebe.

Der 32-Jährige war am 17. November 2018 vom venezolanischen Geheimdienst festgenommen worden und sitzt seitdem im berüchtigten Gefängnis „El Helicoide“ in Caracas ein. Nach Einschätzung von Human Rights Watch und Amnesty International verstoßen die Haftbedingungen in „El Helicoide“ gegen internationales Recht.

Six’ Eltern zufolge werden ihrem Sohn auch Rebellion und das Eindringen in Sicherheitszonen vorgeworfen: Er habe bei Paraden zum Unabhängigkeitstag am 5. Juli 2017 und 2018 Fotos gemacht, Staatspräsident Nicolás Maduro im Wahlkampf 2018 innerhalb einer Sicherheitszone fotografiert und sich mit der kolumbianischen Farc-Guerilla getroffen. Die Eltern schreiben in einem offenen Brief: „Wir haben den Eindruck, an unserem Sohn soll ein Exempel durchgeführt werden, um weitere Berichterstattungen zu unterbinden“.

Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen nennt das Verfahren eine Farce. Geschäftsführer Christian Mihr kritisierte, Six werde entgegen venezolanischem Recht seit Beginn der Ermittlungen verwehrt, von einem Verteidiger seiner Wahl vertreten zu werden. Zudem habe Six als Zivilist nichts vor einem Militärgericht zu suchen.

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