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Federmäppchen auf einem Tisch in einem Klassenzimmer.
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Ist unser Bildungssystem veraltet?

Neue Lernsysteme

Bildungsaktivist Christoph Schmitt: „Entlasst die Schulen in die Freiheit!“

Laut Bildungsaktivist Christoph Schmitt hängt das deutsche Bildungssystem noch in der Steinzeit fest. Er fordert neue Ansätze, die an die Realität einer digitalisierten Arbeitswelt anschließen

Beinahe die gesamte Kanzlerschaft von Angela Merkel habe ich in der Schweiz gelebt. Erst im Februar 2020 kam ich nach Deutschland zurück. Vom Ausland aus hat man natürlich einen anderen Blick. Ich bezeichne das Bildungssystem von Deutschland und anderen westlichen Ländern oft als Pädagogistan. Die Bildung ist das einzige System in unserer Gesellschaft, das nach wie vor einen Freibrief hat. Unser Bildungssystem hängt in der Steinzeit fest – was die Technik betrifft, aber auch das Menschenbild. Dieses Bild ist sehr autoritär und hierarchisch und nicht mehr anschlussfähig an eine Kultur der Digitalität.

Unsere Wirtschaft ist völlig durchdigitalisiert. Menschen können heute noch nicht wissen, wie sie einmal arbeiten werden. Für die Bildung heißt das: Ich muss nicht nur andere Fächer oder Inhalte vermitteln, ich muss den ganzen Lehr- und Lernprozess radikal anders konstruieren. Die Fähigkeiten, die Jugendliche und Erwachsene brauchen, um kulturell, ökonomisch oder politisch zu partizipieren, werden in unserem Bildungssystem nicht gelehrt. Notwendig wäre zum Beispiel die Entwicklung von Kollaborationskompetenz, von kritischem Denken. Unsere jungen Menschen müssen das Gefühl entwickeln können: Es macht Sinn, dass ich da bin. Irgendetwas kann ich, mit dem ich mitgestalten kann.

Zur Person

Christoph Schmitt ist Bildungsaktivist, Coach, Ethiker und Blogger.

Die berufliche Bildung ist dabei doppelt herausgefordert: Erstens ist sie besonders nahe an den Arbeitsmärkten und kann sich bezüglich der Entwicklung digitaler Kompetenz noch weniger herausreden als die anderen. Zweitens kann sie diese Nähe auch als Chance für ihre eigene Ausbildungsqualität nutzen, weil sie aus erster Hand erfährt, welche Fähigkeiten gefragt sind.

Von den Grünen dürfen wir wahrscheinlich nicht viel erwarten. Ich vermute, dass sie sich zunächst anderen – aus ihrer Sicht dringenderen – Problemen widmen werden, sollten sie eine Regierung anführen. Aber ich als Bildungsfuzzi sage natürlich: Mittelfristig kriegen wir das mit einer neuen Gesellschaft, einer neuen Ökonomie und einem neuen Verhältnis zu unseren Lebensgrundlagen ja nur hin, wenn wir anders Schule machen.

Die Serie

Zur Bundestagswahl am 26. September will die FR denjenigen Gehör verschaffen, die sich auch jenseits der Parteien engagieren: für neue Formen des Wirtschaftens, die den Planeten nicht zerstören. Für wohnliche Städte, gesunde Ernährung, umweltfreundliche Mobilität. Für mehr politische Teilhabe und Gleichberechtigung.

Diese Menschen haben den Mut , auch das zu wählen, was nicht zur Wahl steht. Oft sind es nachdenklich-leise Töne, die von den Mächtigen in Politik und Wirtschaft arrogant ignoriert und von rechtspopulistischen Lautsprechern übertönt werden.Die FR-Serie „Wir können auch anders“ soll ein Verstärker für diese inspirierenden Stimmen sein.

Auch Sie, die Leserinnen und Leser, können sich an unserer Serie beteiligen. Was wäre das erste, das die nächste Bundesregierung tun sollte? Schreiben Sie Ihre Antwort in einem bis drei Sätzen auf und schicken Sie sie an bundestagswahl21@fr.de Eine Auswahl veröffentlichen wir im Rahmen der Serie.

In der nächsten Folge geht es um Feminismus. Sie erscheint am Freitag, 3. September.

Zuletzt erschienen: eine Folge der Serie zu Rüstungspolitik am Freitag, 27. August.

Alle Teile zum Nachlesen unter fr.de/Bundestagswahl

Mein Vorschlag lautet, erstens: Holt die Menschen zusammen, um die es geht. Eltern, Schüler, Lehrer. Lasst sie zusammen an den Zukunftsprojekten arbeiten. Zweitens: Dezentralisiert Bildung radikal. Entlasst die Schulen, die Berufs- und Hochschulen radikal in die Freiheit. So dass jede Gemeinde und Stadt ihre eigene, selbstverantwortete Bildung hat. Auf diese Weise können wir der Kultur der Digitalität viel besser gerecht werden.

Es gibt schon heute sehr gut funktionierende Ansätze – zwar alle außerhalb des öffentlichen Bildungssystems - aber sie existieren. Unsere Bildungssysteme en erkennen: Scheiße, wir müssen raus aus unseren bequemen Sesseln und Bildung neu erfinden. Und zwar auf der ganzen Lebensachse. Auch die Menschen müssen realisieren, dass sie mit Staatsexamen, Referendariat, Bachelor und Master alleine nicht mehr zukunftsfähig sind. Wir glauben immer noch an ein System von Schüler und Lehrer, Wissensvermittlung, Frontalunterricht – das loszulassen, ist die Herausforderung, vor der wir stehen.

Aufgezeichnet von Steffen Herrmann

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