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Wie könnte Schule besser werden? Diese und vergleichbare Fragen will der Bürgerrat beantworten. Frank Rumpenhorst/dpa
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Wie könnte Schule besser werden? Diese und vergleichbare Fragen will der Bürgerrat beantworten. Frank Rumpenhorst/dpa

Bürgerrat

Bildung im Blick von außen

  • Franziska Schubert
    vonFranziska Schubert
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Ein Bürgerrat sucht nach neuen Ideen fürs Lernen: 500 Menschen beraten online und entwickeln bürgernahe Lösungen für die Politik.

Die Schule prägt das ganze Leben“, sagt die 26-jährige Sabrina Brzoska, Social-Media-Managerin aus Wiesbaden. Sie war überrascht, als sie den Brief mit der Einladung zum Bürgerrat Bildung und Lernen erhielt. Zusammen mit anderen zufällig ausgewählten Menschen möchte sie auf einer Onlinekonferenz nun „hautnahe Vorschläge aus dem Alltag“ für alle erarbeiten, die gerade studieren, zur Schule gehen und eine Aus- oder Weiterbildung machen. Auch wenn das deutsche Bildungssystem im Vergleich zu anderen Ländern gut dastehe, „ist es längst nicht auf dem aktuellen Stand. Wir haben die Möglichkeiten, aber vieles dauert zu lange. Lehrkräfte werden zu wenig gehört und haben kaum Mitsprachemöglichkeiten“, kritisiert Sabrina Brzoska.

Chancengleichheit und vor allem Digitalisierung, die technische Ausstattung und Wartung sind für sie wichtige Themen. „An meinem Gymnasium an der Mosel wurde mir nicht vermittelt, wie ich digital arbeite“, sagt sie. Das sei aber unerlässlich, da es im Beruf vielfach vorausgesetzt werde. Dass ihr Onlinemarketing Spaß macht, stellte sich in der Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau heraus, nachdem sie das Studium der Wirtschaftswissenschaften abgebrochen hatte: „Das war einfach nicht meins.“

„Gleiche Chancen für alle Kinder“

Aktuell macht sie neben dem Job ein Fernstudium Onlinemarketing. „Bei der Prüfung zur Webdesignerin merkte ich erst mit 24 Jahren, dass ich das Zeug zur Fachinformatikerin hätte, aber andere aus der Branche haben mir zehn Jahre Erfahrung voraus.“

Auf den Blick von außen freut sich die Berufsschullehrerin Gundel Lehnhardt (56). Vom Bürgerrat erhofft sie sich Ideen, „wie wir es ändern, damit alle in der Schule die gleichen Chancen bekommen“. Aus ihrer Sicht sollte die Politik stärker auf die Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger eingehen.

Das Projekt

Der „Bürgerrat Bildung und Lernen“ startet an diesem Samstag und Sonntag mit einer Onlinekonferenz. 500 zufällig ausgeloste Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter auch 150 Jugendliche ab 16 Jahren, erarbeiten in einem mehrstufigen Prozess Empfehlungen. Für die jüngere Altersgruppe von neun bis 16 Jahren sind im Juni ergänzend Werkstätten geplant.

Die Auswahl erfolgte anhand von wissenschaftlich fundierten Zufallsstichproben aus Telefonnummern sowie zufälligen Registerauszügen von Einwohnermeldeämtern. Dabei spielten Wohnort, Geschlecht, Alter und Bildung eine Rolle, um möglichst verschiedene Sichtweisen einzubinden.
„Im Bildungssystem insgesamt sind Versäumnisse über Jahrzehnte hinweg zu konstatieren, von Innovations- und Veränderungsresistenz, von Ideen- und Mutlosigkeit, Neues zu wagen“, sagt Initiator Karl-Heinz Imhäuser, Vorstand der gemeinnützigen Montag-Stiftung Denkwerkstatt, die das auf drei Jahre angelegte Projekt initiiert hat.

Im Herbst will der Bürgerrat erste Ergebnisse an verantwortliche Stellen in Bund, Ländern und Kommunen übermitteln. Bürgerräte sind ein Instrument, um Bevölkerung und Politik näher zusammenzubringen. isk

Mehr Informationen im Netz unter www.buergerrat-bildung-lernen.de

Die Lehrerin war beim Vorbereitungsworkshop im März dabei, der sich auf die Schwerpunkte Chancengleichheit, Ressourcen und Ausstattung, Digitalisierung, Lehrkräfte und Erziehende, Demokratieförderung, individuelles, ganzheitliches Lernen sowie die Stärkung der Lernenden durch Zusammenarbeit der Bildungsakteur:innen verständigt hatte. Gundel Lehnhardt ist selbst Quereinsteigerin, nach 21 Jahren Berufstätigkeit in einem medizinischem Labor unterrichtet sie nun an einer Berufsschule in Gießen „Ärztliche Abrechnung und Laborkunde“.

„Für die höheren Jahrgänge ist Digitalisierung eine Chance, wenn die Jugendlichen sich selbst organisieren und motivierem können.“ Die Grundschulkinder im Homeschooling hätten ihr dagegen leid getan. In der Pandemie hat sie für ihre Klasse Filme gedreht, den Stoff angepasst und sogar Arbeitsblätter an verschiedenen Treffpunkten verteilt, wenn jemand keinen Drucker daheim hatte.

„Besser als teure Berater“

Auch Dennis Friedrich freut sich über die Einladung: „Für mich ist es selbstverständlich, beim Bürgerrat mitzumachen, weil ich politisch aktiv bin. Der Bürgerrat ist eine gute Sache. Als Ausdruck des Bürgerwillens kann er Grundlage für politische Entscheidungen sein. Das ist eine bessere Option als teure Berater.“ Der 25-Jährige ist seit diesem Jahr Stadtverordneter der CDU in Wiesbaden. Er sei schon gespannt, welche Forderungen das Jugendforum stellen wird, bei dem er mitmacht.

„Die Pandemie hat gezeigt, dass es in der Bildungspolitik einen großen Nachholbedarf etwa bei der Digitalisierung gibt. Viele sind unzufrieden.“ Persönlich erhofft er sich, dass Ausbildungen als Bildungsweg stärker gefördert und akzeptiert werden. Dennis Friedrich hat zunächst selbst eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Deutschen Bahn gemacht, neben seinem Job dort studiert er berufsbegleitend derzeit Betriebswirtschaftslehre.

„Lernende gezielter fördern“

„Es muss nicht jeder studieren“, betont Friedrich. „Es ist nicht schlimm, wenn jemand auf die Realschule geht. Schließlich kann das Abitur auch noch später nachgeholt werden.“ In seiner Zeit am Gymnasium habe er oft erlebt, dass jemand durchgeschleust worden sei. Friedrich plädiert daher für das dreigliedrige Schulsystem, „weil Lernende dort gezielter gefördert werden können“. Auch bei der Inklusion sieht er Handlungsbedarf, wenn in schwierigen Fällen die Integration an Regelschulen nicht gelinge.

Sabrina Brzoska.
Gundel Lehnhardt.
Dennis Friedrich.

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