Porträt

Bigotterie wie im Bilderbuch

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Das Erstaunlichste ist, dass es nie herauskam. Vor vier Jahren begann der katholische Bischof Fernando Lugo seine politische Karriere, und bald war jedem

Das Erstaunlichste ist, dass es nie herauskam. Vor vier Jahren begann der katholische Bischof Fernando Lugo seine politische Karriere, und bald war jedem klar, dass er als Hoffnungsträger der Armen beste Chancen haben würde, 2008 zum Präsidenten von Paraguay gewählt zu werden und damit die sechzigjährige Herrschaft der Colorados zu brechen. "Er betrügt täglich", giftete damals Präsident Nicanor Duarte, der dann tatsächlich verlor. Was hätte es Lugos Gegnern für ein Vergnügen bereitet, diesen Skandal auszuschlachten: Ein Bischof, der eine 16-Jährige verführt! Der sogar ein Kind mit ihr zeugt!

Man sah Lugo,57, an, dass er nicht gerade ruhige Ostertage verbracht hatte, als er am Montag, durch eine Vaterschaftsklage unter Druck gesetzt, zugab, mit der heute 26 Jahre alten Viviana Carrillo ein Verhältnis gehabt zu haben. Er sei der Vater des zweijährigen Guillermo Armindo, er übernehme alle damit verbundenen Pflichten - und im Übrigen werde er nichts mehr zu diesem Thema sagen. Seine engsten Berater hatten zuvor die aufkeimenden Gerüchte noch als Feind-Propaganda dementiert.

"Alles begann, als ich eines Tages Bettwäsche in sein Zimmer brachte und ihn fragte, ob er noch etwas brauche, da sagte er, er brauche mich" - sogar die einzelnen Formulierungen der Vaterschaftsklage gegen den ehemaligen Bischof stehen in der Zeitung. Überlebt man das politisch?

"Die Methode, die zugleich auch der Inhalt ist, nämlich Aufrichtigkeit", antwortete Lugo vor zwei Jahren - da muss gerade der Sohn geboren worden sein - im Gespräch mit dieser Zeitung auf die Frage, was er, als Geistlicher ohne politische Erfahrung und Hausmacht dem Land anzubieten habe. Sicher ist die Aufrichtigkeit nötig in einem bettelarmen, korrupten Land, in dem sich die Elite die Justiz zum Kumpan gemacht hat. Das Versprechen der Aufrichtigkeit hat Lugo den Sieg gesichert, und nun ist seine persönliche Aufrichtigkeit schwer beschädigt. Dass er sich zu dem Kind bekennt, wird ihm zwar zugutegehalten, und viele Paraguayer denken wohl auch an die katholischen Priester, die sich weitaus übler versündigt haben. Aber dennoch - ein Bischof!

1994 machte der Papst Lugo zum Bischof von San Pedro, einer der ärmsten Ecken im armen Paraguay. Er bekennt sich, kein Wunder, zur Befreiungstheologie, auch wenn die nicht die einzige Grundlage seines Weltbildes sei, wie er sagt. Aus der sozialen Verpflichtung des Christenmenschen leitete er 2005 sein politisches Engagement ab, das er als "höchste Form der Nächstenliebe" bezeichnete. Er trat als Bischof zurück und bat den Vatikan um die Versetzung in den Laienstand, was ihm Papst Benedikt aber erst nach dem Wahlsieg vor einem Jahr gewährte - ein einmaliger Vorfall in der Kirchengeschichte.

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