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Eine Bierflasche mit der Aufschrift „Deutsches Reichsbräu“. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt wegen eines mutmaßlich von Neonazis produzierten und verkauften Bieres.

Rechtsradikale

Bier mit Nazi-Symbolik: Staatsschutz ermittelt - ist aber wohl machtlos

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In einem Getränkemarkt im Burgenland wird Bier mit Etiketten voller Nazi-Symbolik zum Verkauf angeboten. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

Die Polizei ermittelt wegen verkaufter Bierflaschen mit Nazi-Symbolik aus einem Getränkemarkt im Burgenlandkreis. Der Verdacht laute auf Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Die Polizei sei durch zwei Anzeigen Anfang der Woche auf das Bier aufmerksam geworden. Die Ermittlungen hat der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz übernommen.

Der Kasten Bier für 18,88 Euro

Der Fall aus dem Getränkemarkt in Bad Bibra schlug am Freitag auch in den sozialen Netzwerken Wellen. Fotos zeigten mehrere Kästen des „Deutschen Reichsbräus“ in dem Getränkemarkt, das zum Preis von 18,88 Euro angeboten wurde. Die Zahl „18“ ist ein Szenecode für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, die Initialen Adolf Hitlers. Die 88 steht in der Szene für „Heil Hitler“.

Das Gasthaus „Goldener Löwe - Kloster Veßrea“ hatte zuvor auf Facebook angekündigt, dass man nun „mit einem neuen Knaller in das Jahr 2020“ starten wolle. Weiter hieß es dort: „Es wird Zeit, den Gutmenschen-Brauereien das Wasser abzugraben. Wir werden natürlich nicht verraten welche Brauerei für uns tätig ist, jeder kennt die aktuelle politische Verfolgung in der BRD.“

Rechtsextremist kündigt den Verkauf bereits Anfang Januar an

Der Kasten des Gebräus sollte wohl ursprünglich für „14,XX €“ angeboten werden. 14 ist in der Neonaziszene der Code für „14 words". Der amerikanische Rechtsextremist David Eden, der 2007 verstorben ist, gilt als Erfinder der „14 words“. „We must secure the existence of our people and a future for our white children.“ In der deutschen Übersetzung lautet der Satz sinngemäß: „Wir müssen die Existenz unseres Volkes und eine Zukunft für unsere weißen Kinder sichern.“ Diese 14 Wörter sind heute für Neonazis rund um den Globus zum vereinigenden Slogan geworden.

Auf Twitter, wo Bilder der Bierkästen bereits am gestrigen Donnerstag im Umlauf waren, teilte die Polizei Sachsen mit, man habe den Vorfall „bereits an die für Thüringen zuständigen Kollegen weitergeleitet“.

Der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), der extra den Laden aufgesucht hatte, teilte am Freitag ein Bild von den Kästen und dem Bier auf Facebook und empörte sich. Seinen Angaben zufolge war das Bier am Donnerstag nicht mehr erhältlich. Der vom Thüringer Verfassungsschutz als Rechtsextremist geführte Tommy Frenck hatte den Verkaufsstart des Bieres bereits Anfang Januar auf seiner Internetseite angekündigt. 

Das Bier st bereits ausverkauft

Ulrich habe am Donnerstag von dem Angebot in dem betreffenden Getränkemarkt erfahren, sagte Landrat Ulrich am Freitag. Noch am selben Abend sei er selbst dort hingefahren. Ein Schild habe darauf verwiesen, dass die Kästen ausverkauft seien und im Februar nachgeliefert würden. „Viel schlimmer als die Tatsache, dass dieses Bier jemand verkauft, ist, dass es so viele kaufen.“ Eine unbekannte neue Biermarke für einen eher hohen Preis kaufe niemand, wenn er damit keine Botschaft senden wolle.

Ulrich zufolge waren die rund 80 georderten Kästen binnen weniger Tage ausverkauft. „Es ist ein verheerendes Signal, dass so viele keine Berührungsängste haben und ihr Geld gern einem Neonazi in den Rachen werfen.“ Gerade in den Tagen, an denen an den 75. Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz erinnert werde, sei die Aktion an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten.

Getränkevertrieb distanziert sich

Der Betrieb, unter dessen Namen „Getränke Quelle“ der Markt in Bad Bibra bisher firmierte, zog sofort Konsequenzen. Er habe am Freitagmorgen von dem Bier erfahren und direkt die Zusammenarbeit mit dem Ladeneigentümer beendet, sagte der Geschäftsführer des Getränkegroßhandels WVG, Thomas Scharf. „Wir distanzieren uns natürlich entschieden von dieser Sache.“

Der Verkäufer des Bieres betrieb demnach ein eigenständiges Geschäft, nutzte dafür aber die WVG-Marke „Getränke Quelle“. Der Eigentümer habe die Hoheit über sein Sortiment. Am Montag sollen die Schilder der Marke vom Markt entfernt werden.

Hinter dem „Reichsbräu“ steckt Tommy Frenck, den der Thüringer Verfassungsschutz als Rechtsextremisten in seinem aktuellen Bericht führt. Auf die Idee mit dem eigenen Bier habe ihn der Thüringer Innenminister Georg Maier (SPD) gebracht, schreibt der Rechtsextremist auf seiner Internetseite. Im nahe Kloster Veßra gelegenen Themar gibt es jedes Jahr ein Neonazi-Festival. 2019 setzte die Polizei strenge Alkoholregeln durch, konfiszierte unter anderem 16 Fässer Bier. Eine Tankstelle in der Nähe des Festivalgeländes, in der sich die Besucher in den vergangenen Jahren mit Bier versorgt hatten, mietete die Polizei als Einsatzquartier an.

Strafrechlich ist der Aufduck nicht relevant

Während die sachsen-anhaltische Polizei noch prüft, ob das mit Neonazi-Symbolik aufgeladene Verkaufsangebot in Bad Bibra strafrechtlich relevant ist, sind die Thüringer mit der Prüfung der neuen Biermarke schon weiter. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurde das Etikett im Landeskriminalamt überprüft - von Spezialisten, die sich mit Symbolen der rechtsextremen Szene auskennen. „Es ist strafrechtlich kein relevanter Aufdruck - auch, wenn er vielleicht diesen Anschein erweckt.“ (skr/dpa)

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