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Jemen-Krieg

„Humanitäre und strategische Katastrophe“: Joe Biden will Krieg im Jemen diplomatisch beenden

  • Martin Gehlen
    vonMartin Gehlen
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Das Ringen um die politische Nachkriegsordnung im geschundenen Jemen ist eröffnet. Die Huti-Rebellen setzen dabei einen verrottenden Supertanker als Faustpfand ein.

  • Seit Jahren wütet im Jemen ein Krieg.
  • Joe Biden drängt auf eine diplomatische Lösung des Konflikts.
  • Neben dem Leid im Jemen droht im Roten Meer eine Umweltkatastrophe.

Sanaa – Erstmals seit Jahren gibt es für Jemens geschundene Bevölkerung etwas Hoffnung. „Das ist ein Schritt zurück ins Leben, ein großer Schritt hin zu echtem Frieden zwischen allen Konfliktparteien“, bejubelte die Menschenrechtlerin Radhya Al-Mutawakel die erste außenpolitische Grundsatzrede von US-Präsident Joe Biden. Eine „humanitäre und strategische Katastrophe“ habe der Krieg im Jemen verursacht, erklärte Biden und kündigte eine diplomatische Offensive an, um das Blutvergießen zu beenden. Auch werde Saudi-Arabien keine Waffen und logistische Unterstützung mehr erhalten für seine Attacken auf das Nachbarland – 22 500 solche Angriffe hat die „Yemen Data Base“ seit 2015 dokumentiert.

Gleichzeitig sagte Biden Saudi-Arabien aber weitere Unterstützung zu bei der Verteidigung gegen Raketen und Drohnen irantreuer Milizen. Zu denen zählen auch die Hutis, die wichtige Teile Jemens besetzt haben – darunter die Hauptstadt Sanaa. Donald Trump hatte die Rebellen kurz vor Amtsende zur Terrororganisation erklärt, nachdem diese ein Massaker angerichtet hatten.

Bei Angriffen Saudi-Arabiens auf Rebellengebiete – hier Jemens Hauptstadt Sanaa im November – sterben häufig auch Zivilpersonen.

Krieg im Jemen: Joe Biden will Konflikt „diplomatisch lösen“

Biden ernannte nun Tim Lenderking zum neuen Jemen-Beauftragten der USA. Der Golfregion-Spezialist soll „mit dem UN-Sondergesandten und allen Konfliktparteien eine diplomatische Lösung herbeiführen“ und die humanitäre Hilfe verbessern.

Doch das Ringen um eine politische Nachkriegsordnung im Jemen dürfte langwierig und zäh werden. Warlords beider Seiten verdienen gut an den Kämpfen – auch stehen sich bei den Verhandlungen die Erzfeinde Saudi-Arabien und Iran indirekt gegenüber. „Der wirkliche Beweis für Frieden im Jemen ist ein Ende der Aggressionen und die Aufhebung der Blockade“, twitterte Huti-Sprecher Mohamed Abdel Salam.

Neue US-Außenpolitik

In einer Grundsatzrede zur Außenpolitik kündigte der neue US-Präsident Joe Biden einen harten Kurs gegenüber China und Russland an. Sein Land solle wieder mehr führen und zu traditionellen Bündnissen zurückkehren – aus Deutschland sollen vorerst doch keine Truppen abgezogen werden.

Auch in der Flüchtlingspolitik grenzte sich Biden von der „America First“-Politik seines Vorgängers Donald Trump ab und erfüllt damit ein Wahlversprechen: Die Obergrenze für die jährliche Flüchtlingsaufnahme soll von 15 000 auf 125 000 angehoben werden. Trump hatte die Obergrenze abgesenkt. afp

Offenbar als Faustpfand wollen seine Mitkämpfer den Supertanker „Safer“ nutzen, der seit Jahren mit 1,1 Millionen Barrel Rohöl im Bauch vor Jemens Westküste verrottet. Bis zu Beginn des Krieges 2015 diente er als Verladeplattform für Öl aus der Provinz Marib. Seitdem ist der Koloss, der acht Kilometer vor dem Hafen Ras Isa ankert, sich selbst überlassen. Im Mai 2020 drang erstmals Wasser ein; das Leck konnten örtliche Taucher notdürftig abdichten. Sollte die rostige Stahlhülle zerbrechen, käme es zu einer Umweltkatastrophe im Roten Meer.

Krieg im Jemen: Huti-Rebellen setzen Supertanker als Faustpfand ein

Seit Jahren ringen die Vereinten Nationen mit den Hutis, um das Schiff wenigstens inspizieren zu können. Im November 2020 gaben die Rebellen schließlich nach, um „eine Umweltkatastrophe zu verhindern“, wie ihr Führungskader Mohammed Ali al-Houthi twitterte. Eigentlich sollte das Expertenteam im Januar an Bord gehen dürfen, dann wurde März als frühester Termin genannt. Seit einigen Tagen steht auch dieser Zeitplan auf der Kippe. Zur Begründung erklärten die Hutis, sie wollten ihre Zusage generell überdenken. Dem widersprach zwar Huti-Ölminister Ahmed Abdullah Dares und versicherte, es gebe keinen Stopp, und alles laufe nach Plan. Die Hardliner in der Rebellenführung jedoch wollen offenbar ein mögliches Umweltfiasko als Drohkulisse einsetzen, um die US-Einstufung als Terrororganisation rückgängig zu machen und Saudi-Arabien zu Konzessionen zu zwingen.

Denn käme es zu einem Öl-Inferno im Roten Meer, wäre auch die Küste Saudi-Arabiens betroffen mit ihren Mangrovenwäldern, Korallenriffen und ihrem Artenreichtum. Das Königreich will auf seinen an Jemen grenzenden Farasan-Inseln Luxusressorts bauen. Auch könnte die Rohölmasse dort Meerentsalzungsanlagen lahmlegen.

Krieg im Jemen: Umweltkatastrophe im Roten Meer – Vereinte Nationen frustriert

Jedes weitere Pokern der Hutis auf Zeit spielt also mit dem ökologischen Schicksal der Region. Entsprechend frustriert reagierten die Verantwortlichen bei den UN. Eindringlich warb die Direktorin des UN-Umweltprogramms, Inger Anderson, im Weltsicherheitsrat um Unterstützung. „Die Vereinten Nationen haben die Kapazität, zu intervenieren und das Problem zu lösen“, sagte sie. „Wenn wir jetzt rasch handeln, lässt sich dieses Desaster komplett vermeiden.“

Rubriklistenbild: © AFP

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