Aus Sorge vor dem Coronavirus sprach Biden nicht vor seinen Anhängern in der Wahlkampfzentrale.
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Aus Sorge vor dem Coronavirus sprach Biden nicht vor seinen Anhängern in der Wahlkampfzentrale.

US-Demokraten

Joe Biden baut seinen Vorsprung weiter aus

  • vonThomas Spang
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Bei den Vorwahlen der US-Demokraten setzt sich der Kandidat der Mitte in sechs Bundesstaaten klar gegen Bernie Sanders durch.

Die Stimmung in der Wahlkampfzentrale des Kandidaten wirkt gespenstisch, obwohl es etwas zu feiern gab. Joe Biden trat aus Sorge vor einer Verbreitung des Coronavirus nicht vor seine Anhänger, um einen weiteren Wahlsieg zu feiern. Der ehemalige Vizepräsident sprach stattdessen an der Seite seiner Frau Jill kurz nach 23 Uhr im „National Constitution Center“ von Philadelphia vor eine Schar an Journalisten und ein paar Mitarbeitern, die sich mit „Biden“-Schildern hinter ihm aufgestellt hatten.

„In diesem Moment, in dem so viel Angst dieses Land erfasst hat, und wo es so viel Angst rund um die Welt gibt, brauchen wir amerikanische Führung“, sagte der demokratische Präsidentschaftsbewerber, der zu dieser Stunde bereits drei von sechs Bundesstaaten gewonnen hatte. Darunter den wichtigen Wechselwähler-Staat Michigan, den Bernie Sanders vor vier Jahren gegen Hillary Clinton mit einem großen Überraschungssieg für sich verbuchen konnte.

Was dem linken Kandidaten 2016 neuen Rückenwind verlieh, könnte diesmal der Anfang vom Ende seiner Aussichten auf eine Mehrheit an Delegierten für den Wahlparteitag der Demokraten im Juli sein. Nicht weniger als das signalisierte Biden, der nicht mehr wie ein Wettbewerber auftrat, sondern wie einer, der sich die Nominierung bereits gesichert hat und nun versuchen muss, die Anhänger des Verlierers einzubinden. „Ich möchte Bernie Sanders und seinen Anhängern für ihre unerschöpfliche Energie und Leidenschaft danken“, appellierte Biden an den linken Flügel. „Wir teilen ein gemeinsames Ziel und zusammen werden wir Donald Trump schlagen und bringen diese Nation zusammen.“ Analysten sprachen von einer präsidialen Rede Bidens, der gedämpft, aber entschlossen vor die Kameras trat. Vor allem zuversichtlich, dass ihn Sanders im Rennen um die Delegierten nur noch mit Hilfe eines Wunders einholen kann. Bereits früh am Dienstagabend stand fest, dass Biden die Südstaaten Mississippi und Missouri und Michigan gewonnen hat.

Er holte eine überwältigende Mehrheit der afroamerikanischen Wähler, setzte sich mit großem Abstand bei den weißen Wählern in den ländlichen Gebieten und den Vororten und mit kleinerem bei den Nicht-Akademikern durch. Sanders konnte seine Koalition aus jungen Wählern unter 30 Jahren und weit links stehenden Demokraten nicht erweitern. Später in der Nacht konnte Biden Idaho seiner Siegesliste hinzufügen. Allein in dem kleinen Bundesstaat North Dakota sah es nach einem sicheren Sieg für Bernie aus, während es sich abzeichnete, dass er sich mit Biden die Delegierten zum Wahlparteitag im liberalen Bundesstaat Washington an der Westküste sowie in Idaho teilen müsste. In Mississippi drohte Sanders an der 15-Prozent-Hürde zu scheitern. Damit fielen dort alle Delegierten Biden zu.

Für eine Mehrheit beim Parteitag in Milwaukee werden 1991 Stimmen benötigt. Nach Stand der Auszählung liegt Biden mit 846 Delegierten vor Sanders mit 684. Bei den Vorwahlen am kommenden Dienstag in Arizona, Florida, Illinois und Ohio hatte der demokratische Sozialist vor vier Jahren verloren und liegt in den Umfragen auch diesmal zum Teil weit abgeschlagen hinter Joe Biden. Danach steht der Südstaat Georgia auf dem Kalender, in dem „Onkel Joe“ ebenfalls die Nase vorn hat.

Nach Einschätzung von Analysten warten auf beide Kandidaten nun schwierige Entscheidungen. Sanders muss sich überlegen, wie lange er noch weitermachen wolle, während Biden sich etwas einfallen lassen müsse, wie er die Jungen und Linken einbinden kann.

Dass sich das Blatt so zugunsten Bidens wenden würde, hätte vor elf Tagen noch kein ernstzunehmender Wahlstratege für möglich gehalten. Es war allgemein erwartet worden, dass Sanders nach dem „Super Tuesday“ mit mindestens 150 Delegierten in Führung liegen würde. Die Panik vor einem Durchmarsch des linken Sanders führte zu einer Sammlung der Moderaten und Zentristen hinter Biden.

Der Ausstieg des Milliardärs Michael Bloomberg, der nun den Ex-Vizepräsidenten unterstützt, machte den Weg frei für den Siegeszug zum Wahlparteitag.

Vergangenen Sonntag deutete Sanders bereits an, dass er diesmal nicht wie gegen Clinton bis zum bitteren Ende kämpfen werde. Außerdem noch im Rennen ist die 38-jährige Tulsi Gabbard. Die letzte Frau unter den Kandidaten, Kongressabgeordnete aus dem Bundesstaat Hawaii, hat bislang nur zwei Delegiertenstimmen bekommen und gilt als abgeschlagen. (mit elm) 

Nachdem Bernie Sanders aus dem Rennen raus ist, ist der Weg für Joe Biden als Trump-Widersacher frei.

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