Fans werben in Los Angeles für Bernie Sanders. Seine Pappmarionette hinten ist natürlich ein Ulk – aber ein nett gemeinter.
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Fans werben in Los Angeles für Bernie Sanders. Seine Pappmarionette hinten ist natürlich ein Ulk – aber ein nett gemeinter.

US-Demokraten

Das Bewerberfeld wird kleiner

  • Karl Doemens
    vonKarl Doemens
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Mit seinem Rückzug mischt Buttigieg vor dem Super Tuesday das Feld der US-Demokraten auf.

Am Ende flossen Tränen und trotzige Sprechchöre wurden angestimmt. „2024! 2024!“, skandierten die Anhänger von Pete Buttigieg in der Hoffnung auf ein Wiedersehen bei der nächsten Wahl. Der ehemalige Bürgermeister von South Bend hatte zuvor in seiner Heimatstadt einen Traum beerdigt – den von einem radikalen Generationswechsel und dem ersten offen schwulen Präsidenten. „Unsere Kampagne hat bewiesen, dass Amerika hungrig nach einer neuen Politik ist“, sagte Buttigieg: „Aber heute ist der Moment der Wahrheit. Ich werde nicht länger im Rennen sein.“

Mit seinem Schritt beendet der 38-Jährige eine der bemerkenswertesten politischen Kampagnen: Noch vor einem Jahr hatte außerhalb des US-Bundesstaates Indiana kaum ein Amerikaner von dem eloquenten Harvard-Absolventen und Afghanistan-Veteran gehört. Dann kletterte er in Umfragen bis auf elf Prozent, gewann mit dynamischen Auftritten in Hemdsärmeln und leidenschaftlichen Appellen zur Versöhnung die Vorwahlen in Iowa und ging in New Hampshire als Zweiter vom Platz. Doch in Nevada und South Carolina stürzte er ab. Offensichtlich konnte er bei Latinos und Schwarzen nicht punkten. Die Auguren gaben ihm kaum noch Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur. Daraus zog er am Sonntagabend die persönliche Konsequenz.

Pete Buttigieg, 38, ist bei seinem Abschied den Tränen nahe. Seine Fans hoffen auf ein Comeback. 

Politisch bedeutet der Rückzug eines der Top-Bewerbers eine dramatische Wende im Kandidatenrennen der Demokraten. Buttigieg hat das Feld nämlich kurz vor dem Mammut-Wahltag am heutigen Dienstag geräumt, bei dem in 14 Bundesstaaten abgestimmt wird. An diesem „Super Tuesday“ werden rund ein Drittel der 3979 Delegiertenplätze für den Parteikonvent im Juli vergeben. Und je nach Ausgang könnte schon eine Vorentscheidung über den Trump-Herausforderer fallen. Bislang gab das Kandidatenfeld ein unübersichtliches Bild ab. Die Demokraten zerfallen in einen linkes Lager, dessen wichtigster Repräsentant der Senator Bernie Sanders ist, und ein moderates Feld. Das wird in allen Umfragen von einer rechnerischen Mehrheit der Wähler unterstützt. Weil die Stimmen der moderaten Unterstützer aber auf mehrere Kandidaten entfallen, hat der 78-jährige Sanders mit gerade einmal 30 Prozent Unterstützung gleichwohl die besten Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur.

Diese Zersplitterung wird durch Buttigiegs Rückzug kurz vor dem Super Tuesday nun deutlich reduziert. Zwar sind immer noch sechs Bewerber im Rennen, aber nach dem Erdrutschsieg von Ex-Vizepräsident Joe Biden in South Carolina konzentriert sich das öffentliche Interesse auf Sanders und Biden.

Sanders hat mit 46,5 Millionen Dollar im Februar eine Rekordsumme an Spenden eingenommen. Der bereits totgesagte Biden erhält derzeit die Unterstützung zahlreicher prominenter Parteifreunde und legt in den Umfragen zu. Trotzdem steht ihm am Dienstag ein Schicksalstag bevor: In den bevölkerungsreichen Bundesstaaten Kalifornien und Texas, die alleine mehr als 600 Delegiertenplätze zu vergeben haben, liegt Sanders vorn.

Biden muss dringend eine Reihe anderer Bundesstaaten gewinnen, um nicht unaufholbar abgeschlagen hinter Sanders zu liegen. Ob ihm das gelingt, hängt nicht zuletzt von dem Multi-Milliardär Mike Bloomberg ab, der mit unbegrenzten finanziellen Mitteln eine politische One-man-Show abzieht und ebenfalls Stimmen an sich bindet. Zwar hat Buttigieg seinen Anhängern bislang keine Empfehlung für einen anderen Kandidaten gegeben. Beobachter erwarten aber, dass der Rückzug des pragmatischen Politikers eher Biden als Sanders nutzen wird. „Wir können Donald Trump nur schlagen, indem wir Menschen zusammenbringen, nicht durch Ideologie!“, so Buttigieg in seiner Abschiedsrede. Es klang wie eine deutliche Absage an Sanders, dessen Anhänger ihn als „Wallstreet-Pete“ verhöhnt hatten.

Die Anhänger im Saal aber forderte Buttigieg auf: „Lasst uns zusammen weitermachen!“ Er ist vier Jahrzehnte jünger als die verbliebenen männlichen Bewerber. Wie ein endgültiger Abschied von der politischen Bühne klangen seine Worte nicht.

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