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Herzlicher Empfang: Bundeskanzlerin Angela Merkel in Japan mit Ministerpräsident Abe.

Merkel in Japan

Zeichen der besonderen Zuneigung in Krisenzeiten

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Bei ihrem Besuch in Japan betonen Kanzlerin Merkel und Ministerpräsident Abe ihre harmonische Partnerschaft. 

Bei der Planung von Besuchen in Fernost wird es im Kanzleramt gelegentlich kompliziert. Reist Angela Merkel nach China, wird das kritisch in Japan verfolgt – und umgekehrt genauso.

Also muss einem Besuch in dem einen Land in der Regel bald auch einer im anderen folgen. Und das nach Möglichkeit nicht auf derselben Reise, denn auch das haben die konkurrierenden Nachbarn nicht gern. 

Gastgeber des kommenden G20-Gipfels 

Bei ihrem insgesamt fünften Besuch in Japan geht es Angela Merkel dieses Mal also auch um Befindlichkeiten. Doch sie nimmt das in Kauf. Japan ist ein verlässlicher internationaler Partner, man kooperiert, die Unternehmen investieren im jeweils anderen Land.

Zudem ist Japan Gastgeber des kommenden G20-Gipfels in Osaka im Juni. Und schon da dürfte es bald wieder schwierig werden. Es ist mühsamer geworden, mit den vielen unberechenbaren Partnern noch gemeinsame Interessen definieren zu können – umso mehr weiß Merkel Japan an ihrer Seite zu schätzen. 

Merkel sagt Abe Unterstützung zu 

Am Sonntagabend ist Kanzlerin Angela Merkel aus Berlin abgeflogen, bis Dienstagabend ist sie unterwegs.

Am Montagnachmittag traf sie in Tokio mit Premierminister Shinzo Abe zusammen, die beiden sparten nicht an Ausdrücken der Zuneigung. „Lieber Shinzo“, betonte Merkel die Nähe zum Gastgeber und sagte ihrem Partner Unterstützung in vielen wichtigen Punkten zu, wie etwa der Korea-Frage. 

Merkel hat „den Frühling mit nach Japan gebracht“

Abe wiederum wurde in Anwesenheit der Kanzlerin geradezu poetisch: Merkel habe „den Frühling mit nach Japan gebracht“. Eigentlich sei es zu dieser Jahreszeit sehr kalt in Tokio, doch die 18 Grad müssten etwas mit der Kanzlerin zu tun haben. Das Verhältnis sei zudem „auf eine neue Ebene“ gehoben worden.

Man staunt einen Moment, wie herzlich diese beiden Regierungschefs zweier so weit auseinander liegender Länder aufeinander zugehen, aber die Antwort liegt in den vielen Krisen, die beide mit ihren sonstigen Partnern zu bewältigen haben. Japan fürchtet den steigenden Einfluss des Konkurrenten China in der Region, das sich kaum noch versteckt wirtschaftlich und politisch ausbreitet und, wie im Südchinesischen Meer zu beobachten, dabei auch nicht vor Konflikten zurückschreckt.

Dazu der ungelöste Korea-Konflikt, bei dem es an einem Tag nach Entspannung und am nächsten nach Eskalation aussehen kann. Zudem Russland, das mit eigenen Interessen agiert und ebenfalls für Japan nie ein enger Partner war. 

Einigkeit in globalen Fragen 

Es passt zu Deutschland, das mit einer Krise im transatlantischen Verhältnis ebenso zu kämpfen hat wie mit Krisen innerhalb Europas. Die G7- und G20-Gipfel bringen Japan und Deutschland immer wieder an einen Verhandlungstisch – und gerade bei den großen globalen Fragen wie der Klima- und Handelspolitik sind sich Japan und Deutschland tatsächlich noch immer so einig wie bereits vor Jahren.

Es ist ein bedeutender Wert in dieser Zeit. Man lebe „in einer Zeit, in der multilaterale Abkommen in einem schweren Fahrwasser sind“, sagte Angela Merkel am Amtssitz von Shinzo Abe bei der Pressekonferenz. Um den Besuch mit möglichst viel greifbaren Ergebnissen zu ergänzen, ist Merkel mit einer Wirtschaftsdelegation angereist. Siemens-Chef Joe Kaeser saß mit im Regierungsflieger, auch BDI-Chef Dieter Kempf.

Gerade bei der Entwicklung von Strategien zur Datensicherheit und bei Forschung zur künstlichen Intelligenz wollen beide Länder vorankommen. Man agiert als Partner und als Konkurrent zugleich. 

Treffen mit Kaiser Akihito 

Am Dienstag wird Merkel mit dem amtierenden Kaiser Akihito zusammentreffen, aber auch mit dessen Sohn und Nachfolger, dem Kronprinzen Naruhito. Es wird das letzte Zusammentreffen mit Merkel für Akihito während seiner Amtszeit sein, eine große Ehre für ihn, wie es vor der Reise aus japanischen Diplomatenkreisen zu hören war.

Für Angela Merkel gilt das ganz genauso. Doch für sie zählt bei dieser Reise auch das Zeichen: Vor dem G20-Gipfel in Osaka im Juni wollen sich die Partner zusammen tun, die ähnliche Interessen vertreten. Dafür nimmt die Kanzlerin gerne die lange Reise über einen ganzen Kontinent auf sich.

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