+
Elf Jahre nach der Vertragsunterzeichnung wird das Transportflugzeug ausgeliefert.

A400M Bundeswehr

Bescherung für die Luftwaffe

Vom Pannenprojekt zur Zukunftshoffnung der Bundeswehr: Die A400M gilt als Symbol für die Probleme bei großen Rüstungsprojekten. Jetzt wird das modernste Transportflugzeug der Welt endlich an die Bundeswehr ausgeliefert. Ganz fertig ist es aber immer noch nicht.

Darauf hat die Bundeswehr vier Jahre länger gewartet als ursprünglich geplant: Der erste Airbus A400M mit der Aufschrift "Luftwaffe" ist jetzt in ihrem Besitz.

Ganz ungetrübt ist die Freude über die vorweihnachtliche Bescherung aber nicht. Denn die A400M - auch "Atlas" genannt - ist nicht nur das modernste Transportflugzeug der Welt. Er ist neben der Skandal-Drohne "Euro Hawk" auch das prominenteste Beispiel für Pleiten, Pech und Pannen bei großen Rüstungsprojekten der Bundeswehr.

In den Jahren 2009 und 2010 lieferten sich Airbus und die sieben Auftraggeberstaaten eine beispiellose Schlammschlacht. Es ging um Missmanagement, Sonderwünsche, technische Probleme und jahrelange Verzögerungen. Die Kosten liefen aus dem Ruder.

Unter dem Strich mussten die Abnehmerländer 3,5 Milliarden Euro draufzahlen. Der Kaufvertrag wurde insgesamt 87 Mal geändert, die Stückzahl von 180 auf 170 reduziert. Der größte Airbus-Kunde blieb Deutschland mit 53 statt ursprünglich 60 Exemplaren.

Der damalige Streit wirkt bis heute nach. "So einen Vertrag wie beim A400M unterschreiben wir nie wieder, so viel steht fest", sagte Airbus-Chef Thomas Enders kürzlich in einem "Cicero"-Interview. Trotzdem überwiegt inzwischen auf beiden Seiten die Freude, dass der Flieger nun endlich in Deutschland ankommt. Denn er wird dringend benötigt.

Lasten und Personen kann die Maschine noch nicht absetzen.

Die bisher genutzten "Transall"-Transportmaschinen sind inzwischen bis zu 46 Jahre alt. Obwohl sie grundsätzlich als solide gelten, häufen sich die Pannen. Beim Transport von Waffen-Ausbildern in den Irak blieben zuletzt gleich zwei Maschinen defekt liegen.

Mit der A400M soll jetzt alles besser werden. Die viermotorige Turboprop-Maschine ist deutlich größer und leistungsfähiger als die "Transall". In den Rumpf passt mehr als doppelt so viel Material, auch Hubschrauber und Panzer. Der neue Flieger ist zudem schneller (780 statt 510 Stundenkilometer) und kann weiter fliegen (4450 statt 2750 Kilometer).

Für die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr hat die A400M einen extrem hohen Stellenwert. Transportflugzeuge, die auch jenseits einer befestigten Bahn landen können, sind in der Nato Mangelware. Und die Missionen, in denen sie gebraucht werden, sind zahlreich.

Die Bundeswehr hat ihre "Transall"-Maschinen zuletzt in den Einsatz gegen islamistische Rebellen in den afrikanischen Wüstenstaat Mali geschickt und sie für die Ebola-Luftbrücke in Westafrika zur Verfügung gestellt. In Afghanistan flogen die Oldtimer 13 Jahre lang.

Bei neuen internationalen Missionen ist die Bereitstellen von Transport- oder Sanitätsflugzeugen innenpolitisch leichter zu vermitteln als die Entsendung von Kampftruppen. Auch deshalb freut sich die Bundesregierung auf die A400M.

Aber auch elf Jahre nach der Vertragsunterzeichnung ist das neue Transportflugzeug noch nicht ganz fertig. Das Schutzsystem für gefährliche Einsätze soll erst 2016 eingebaut werden. Lasten und Personen kann die Maschine noch nicht aus der Luft absetzen.

"Des Weiteren existieren temporäre Einschränkungen beim Personaltransport bei längeren Flügen, beim Tiefflug sowie bei Landungen auf unbefestigten Pisten", teilte das Ministerium dem Bundestag kürzlich in einem vertraulichen Papier mit.

Wann die Luftwaffe den ersten Einsatz mit der A400M fliegen wird, ist damit noch offen. Airbus meint, das sei trotz der Mängel sofort möglich. Die Bundeswehr will lieber noch ein paar Monate trainieren. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion