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Die US-Botschaft in Khartum, Sudan. Die US-Regierung hat vom afrikanischen Staat die Zusicherung erhalten, er werde die UN-Sanktionen gegen Nordkorea einhalten.

Afrika

So beschafft sich Nordkorea illegal Devisen

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Nordkoreanische Diplomaten sind in Afrika in den Schmuggel von Elfenbein und Nashorn verwickelt. Hinter den Geschäften steckt offenbar das Regime.

Auf den ersten Blick sieht es wie ein Triumph der Weltmacht aus. Die US-Regierung hat vom afrikanischen Schurkenstaat Sudan die Zusicherung erhalten, er werde die UN-Sanktionen gegen Nordkorea einhalten und keine Waffen mehr von dem asiatischen Schurkenstaat beziehen. Zum Dank dafür hob Washington Ende vergangener Woche seine seit zwei Jahrzehnten bestehenden Wirtschaftssanktionen gegen den Sudan auf.

Um das Regime von Kim Jong-un zu isolieren, ist die Supermacht offenbar zu weitgehenden Zugeständnissen bereit. Doch ob die Rechnung aufgeht und Nordkorea seinen Rückhalt in Afrika tatsächlich verliert, ist längst nicht ausgemacht. Denn genauso gut könnten die guten Beziehungen zwischen den „Bruderstaaten“ heimlich fortgeführt werden.

Wie das geht, zeigte vergangenes Jahr Ägypten. US-Agenten hatten beobachtet, wie der unter kambodschanischer Flagge fahrende Frachter „Jie Shun“ Nordkorea verließ und Kurs auf den Suezkanal nahm. Der benachrichtigte ägyptische Zoll nahm das Schiff genauer unter die Lupe und fand unter Hunderten von dicken Planen und einer dünnen Schicht Eisenerz verborgen Holzkisten – gefüllt mit mehr als 30 000 Panzerabwehrraketen.

Nach wochenlangen Recherchen kam heraus, dass der Besteller der illegalen Fracht niemand geringeres als die ägyptischen Streitkräfte selbst waren, die sich so billig Munition aus dem asiatischen Pariastaat besorgen wollten. Der Vorfall ist nur ein Beispiel für die waffenstarrenden Beziehungen zwischen Afrika und Nordkorea: Unter anderem sollen auch Eritrea, Angola, die Demokratische Republik Kongo und Uganda Kriegsgerät von dort beziehen oder bezogen haben.

Derzeit werden nicht weniger als elf afrikanische Staaten von den Vereinigten Nationen wegen möglicher Verstöße gegen bereits 2006 verhängte Sanktionen gegen Nordkorea unter die Lupe genommen. Pjöngjang suche in „zunehmendem Ausmaß und mit immer raffinierteren Methoden“ den Boykott zu brechen, klagte eine Expertengruppe der UN jüngst in ihrem Bericht.

Die freundschaftlichen Boykottbrüche reichen weit zurück. Während des Kalten Krieges unterstützte Nordkorea zahlreiche Befreiungsbewegungen vor allem im südlichen Afrika. Regierungen in Simbabwe, Angola, Namibia und Mosambik fühlen sich noch heute den asiatischen Brüdern verpflichtet. Und wenn es galt, dem schließlich erfolgreichen Kampf gegen die Kolonialherrscher ein Denkmal zu setzen, wurde stets die nordkoreanische Monumentenschmiede „Mansudae Overseas Projects“ bemüht: Ganz ähnliche Figuren strecken heute in Windhuk, Maputo und Dakar ihre stolzgeschwellten und in Bronze gegossenen Heldenbrüste gen Himmel. Vergangenes Jahr kamen auch die realsozialistischen Heldenprodukte von Mansudae auf die UN-Boykottliste.

Nicht weniger begehrt waren Nordkoreaner als Militärausbilder. Simbabwes Robert Mugabe setzte sie Anfang der 80er Jahre zum Schliff seiner 5. Brigade ein, die schließlich auszog, um mehr als 20 000 Angehörige der Minderheit der Ndebele zu meucheln. Vor allem aber fungiert der fernöstliche Freund als preiswerter Waffen- und Munitionslieferant. Außer dem Sudan bezogen auch Eritrea, Angola, Mosambik, Tansania sowie der Kongo regelmäßig Kriegsgerät.

Namibia ließ sich sogar eine ganze Munitionsfabrik bauen; insgesamt soll Windhuk in den vergangenen 15 Jahren Aufträge im Wert von 100 Millionen US-Dollar nach Nordkorea vergeben haben. Mit dem Vorwurf des Verstoßes gegen UN-Sanktionen konfrontiert, erklärten sich die Namibier inzwischen zur Einhaltung des Wirtschaftsboykotts bereit – wenngleich die „warmen Beziehungen“ zu Pjöngjang bestehen bleiben sollten – was immer das heißen mag.

Je mehr die offiziellen Deals behindert würden, desto mehr würden sie in den Untergrund verlegt, ist Julian Rademeyer überzeugt. Der südafrikanische Journalist weiß, wovon er redet: Er ging den Verwicklungen Pjöngjangs ins illegale Geschäftemachen, vor allem den Handel mit verbotenen Tierprodukten wie Elfenbein und dem Horn von Rhinozerossen, in den vergangenen Jahren intensiv nach. In seinem jetzt für die „Globale Initiative gegen transnationales organisiertes Verbrechen“ in Genf verfassten Bericht weist Rademeyer die Verwicklung zahlreicher Nordkoreaner in schmutzige Geschäfte nach, die in Afrika nur selten geahndet würden.

Im Mittelpunkt der kriminellen Netzwerke stehen offenbar mies bezahlte nordkoreanische Diplomaten, von denen erwartet werde, dass sie für sich selbst und die Heimat egal wie Devisen besorgen. Sowohl in Simbabwe wie in Südafrika wurden bereits mehrere Gesandte aus Pjöngjang verhaftet, die anschließend allerdings immer wieder freigelassen wurden. In den vergangenen 30 Jahren wurde die Verwicklung von Nordkoreanern in Schmuggel von Elfenbein und Nashorn nicht weniger als 18 Mal aktenkundig, schreibt Rademeyer: Schätzungen zufolge soll Pjöngjang jährlich bis zu einer Milliarde Dollar illegal einnehmen.

Mit welch kärglichem Budget Nordkoreas Gesandte auskommen müssen, macht eine Episode aus Sambia deutlich: Dort soll die Botschaftsbelegschaft einst Angeln gegangen sein, um für den offiziellen Empfang zum nordkoreanischen Nationalfeiertag etwas Essbares zu ergattern.

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