Bernie Sanders, 79 Jahre alt, hat noch viel vor, etwa: Arbeitsminister werden.
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Bernie Sanders, 79 Jahre alt, hat noch viel vor, etwa: Arbeitsminister werden.

US-Wahl

Arbeitsminister unter Joe Biden? Bernie Sanders will die USA verändern

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Bernie Sanders baut auf die Kraft und Reformbereitschaft der Zivilgesellschaft in den USA.

  • Joe Biden hat die US-Wahl 2020 gewonnen - beim Sieg mitgeholfen hat die Plattform „Our Revolution“ von Bernie Sanders.
  • Bernie Sanders ist die weltweit bekannteste Brücke zwischen den hohen Sphären der Macht und den „Graswurzeln“ einer bewegten Basis.
  • News zur US-Wahl 2020: Alle Neuigkeiten und Hintergrundinformationen zu den Wahlen in den USA

Washington - Es klingt ein bisschen nach Dorfpolitik, ist es aber nicht: Quer durch die USA waren Bürgerinnen und Bürger am Dienstag (17.11.2020) zu Demonstrationen aufgerufen. Motto: „Verteidigt das Postamt!“

US-Wahl 2020: Bernie Sanders sorgt mit dem Projekt „Our Revolution“ für viel Bewgeung

Spätestens seit dem Wahlkampf ist der „US Postal Service“ zu einem wichtigen Bezugspunkt des Widerstands gegen Donald Trump geworden, der ja unermüdlich gegen das Briefwählen agitiert hatte. Das finanziell ausgeblutete Staatsunternehmen steht aber auch stellvertretend für den Kampf um die öffentliche Daseinsvorsorge. Und schon deshalb werden viele Menschen mitdemonstriert haben, die sich der Bewegung „Our Revolution“ zugehörig fühlen. Auch sie agitiert intensiv für Erhalt und Ausbau der guten alten Post.

Das Projekt „Our Revolution“, heute nach eigenen Angaben in 600 lokalen Gruppen organisiert, verdankt seine Existenz einem Mann, der auf den ersten Blick gar nicht dem Bild eines Graswurzelaktivisten entspricht: Bernie Sanders, von 1991 bis 2007 Mitglied des US-Repräsentantenhauses, seither Senator. Eher Elite also. Wegen seines Einsatzes für den Klimaschutz hat ein Forschungsteam aus Sanders’ Heimatstaat Vermont sogar eine Spinne nach ihm benannt: Spinathus berniesandersi. Aber Bernie Sanders ist auch noch etwas anderes: die weltweit bekannteste Brücke zwischen den hohen Sphären der Macht und den „Graswurzeln“ einer bewegten Basis.

Bernie Sanders gab bei der US-Wahl 2020 das Rennen gegen Joe Biden auf

Zweimal ist der inzwischen 79-Jährige im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei gescheitert: 2016 verlor er gegen Hillary Clinton, in diesem Jahr gab er das Rennen gegen Joe Biden auf. Schon nach der Niederlage vor vier Jahren besann sich Sanders auf eine Weisheit, die in der Spitzenpolitik gelegentlich verloren zu gehen droht: Wer etwas verändern will, sollte auf Kraft und Reformbereitschaft in der Zivilgesellschaft bauen.

Der Senator begann, seinen Unterstützerinnen und Unterstützern eine Plattform zu bieten: „Our Revolution“. Mitmachen kann, wer sich auf die wichtigsten Ziele verpflichtet, darunter ein allgemeines Recht auf Krankenversicherung, ein Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde, ein „Green New Deal“ – und die Aktion „Rettet das Postamt“.

US-Wahl 2020: Bernie Sanders will gerne Arbeitsminister unter Joe Biden werden

Die Mitgliederzahl gibt „Our Revolution“ nur ungenau mit „Hunderttausende“ an, aber allein 650.000 Menschen sollen bei der Kampagne vor dem 3. November mitgemacht haben, bei der progressive Kandidatinnen und Kandidaten auf allen Ebenen unterstützt wurden.

Es hat bei „Our Revolution“ auch schon jede Menge Streit gegeben, etwa über die Organisationsform oder über eine Aktivistin mit Sympathien für Donald Trump. Aber im Prinzip scheint die Verknüpfung zwischen Basis und parlamentarischer Arbeit einigermaßen zu funktionieren.

Nun hat Bernie Sanders signalisiert, dass er gern Arbeitsminister wäre. Dann würde sich schon zeigen, ob die Brücke zur Basis auch aus der Regierung heraus trägt. (Stephan Hebel)

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