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Bernd Posselt (CSU) ist Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Europäisches Parlament 

Bernd Posselt: „Die EU ist in ihrem Inneren bedroht“

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Der Ex-Abgeordnete Bernd Posselt warnt vor Extremismus im Europäischen Parlament. 

Bernd Posselt saß 20 Jahre lang im EU-Parlament. Vor fünf Jahren flog er raus, machte aber weiter seine Arbeit in Straßburg, als wäre nichts geschehen. Jetzt bewirbt sich der 62-jährige CSU-Politiker bei der Europawahl 2019 wieder um ein Mandat.

Herr Posselt, Sie sitzen seit 2014 nicht mehr im Europaparlament, waren aber seither als Gast bei jeder Sitzung. 
Nicht als Gast, sondern als ehemaliger Abgeordneter. Das ist ein spezieller Status. Ich habe einen Hausausweis und teile mir mit anderen Ex-Abgeordneten ein Büro. Stimmrecht habe ich allerdings nicht.

Aber Sie verpassen keine Sitzung im Parlament? 
Ich war seit 1979 bei jeder Straßburger Plenarwoche des Europaparlaments dabei – zuerst als Assistent des großen Europäers Otto von Habsburg, dann als Journalist, dann 20 Jahre als Abgeordneter und schließlich fünf Jahre lang als Ex-Abgeordneter.

Warum machen Sie das? Was fasziniert Sie so sehr an Europa?  
Das hängt mit meiner Herkunft zusammen. Meine Mutter stammt aus der Steiermark und hat Wurzeln in Slowenien. Mein Vater stammte aus Böhmen, er war Sudetendeutscher. Meine Eltern haben mich antinationalistisch erzogen. Obwohl unsere Familie vertrieben wurde, habe ich niemals auch nur ein einziges böses Wort gegen die Tschechen oder die Jugoslawen, wie es damals noch hieß, gehört. Ich habe aber viele scharfe Worte gegen den Nationalismus, auch den deutschen, gehört. Meine Eltern haben gesagt: Der Nationalismus hat unsere Familien entwurzelt. Ihr Kinder habt die Aufgabe, gegen den Nationalismus zu kämpfen und für die europäische Einigung einzutreten. Damals habe ich Feuer gefangen. Und seither reise ich durch Europa und versuche, zur Völkerverständigung beizutragen.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Europas in den vergangenen fünf Jahren? 
Die EU ist in ihrem Inneren bedroht von Kräften, die verharmlosend Populisten genannt werden. Populisten sind Leute, die dumm daherschwätzen, aber nichts leisten. Ich nenne diese Leute lieber Extremisten, die nicht über den nationalen Tellerrand hinausblicken können. Und auch von außen ist die EU bedroht: durch die America-First-Politik des Herrn Trump, durch Putin, der im 21. Jahrhundert europäische Länder überfällt, durch China, das mit seinem Seidenstraßenprojekt nach Dominanz strebt. Ich finde, dass es die Pflicht eines jeden Europäers ist, sich für die europäische Einigung zu engagieren.

Was machen Sie, wenn Sie nicht gewählt werden? 
Ich werde weiterhin für Europa arbeiten. Ich will die Demokratisierung Europas durch ein starkes Parlament vorantreiben. Ich will, dass dieses Parlament eines Tages eine richtige europäische Regierung wählt.

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