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Berlusconi: Seine Anwälte wollten ihn erst als „Motivator“ in einer Behinderteneinrichtung unterbringen.
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Berlusconi: Seine Anwälte wollten ihn erst als „Motivator“ in einer Behinderteneinrichtung unterbringen.

Silvio Berlusconi

Berlusconi muss ins Altersheim

  • Regina Kerner
    VonRegina Kerner
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Ein Mailänder Gericht verpflichtet den Ex-Premier und Steuerhinterzieher zur Sozialarbeit in einem Altersheim. Einmal pro Woche muss Berlusconi dort erscheinen - das bringt im in der Presse bereits viel Häme ein.

Nun kann Silvio Berlusconi also künftig Bewohner eines Altenheims mit seinen Witzen und Liedern erheitern, die er so gern zum Besten gibt und für die er berüchtigt ist. Das Mailänder Gericht teilte am Dienstag mit, dass der wegen Steuerbetrugs verurteilte 77-jährige Milliardär, Ex-Premier und Oppositionsführer seine einjährige Haftstrafe in Form von Sozialarbeit ableisten muss. Einsatzort ist das Seniorenheim „Fondazione Sacra Famiglia“ in Cesano Boscone nahe Mailand. Einmal pro Woche mindestens vier Stunden soll er dort erscheinen.

Berlusconi kann mehr als zufrieden sein über die milde Strafe. Die Alternative wäre Freiheitsentzug im Hausarrest gewesen, der ihm kaum politischen Spielraum gelassen hätte. Nun aber ist sicher, dass der Forza-Italia-Führer Europa-Wahlkampf machen kann. Jeweils von Dienstag bis Donnerstag darf er auf Antrag sogar in der Hauptstadt in seinem Büro arbeiten. Bei guter Führung könnten ihm weitere drei Monate der Strafe erlassen werden.

Anfang August 2013 war Berlusconi für schuldig befunden worden, mit seinem Konzern Mediaset Steuern hinterzogen zu haben. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, drei davon wurden aufgrund einer Amnestie-Regel sofort gestrichen. Die Art der Vollstreckung legte erst nach acht Monaten das vierköpfige Gremium aus zwei Richtern, einer Kriminologin und einer Strafrechtsexpertin fest. Für italienische Verhältnisse war das recht zügig, sonst dauert es mindestens eineinhalb Jahre. Eine Gefängnisstrafe war wegen Berlusconis hohem Alter ausgeschlossen.

Windeln und Katheter statt Bunga-Parties

Gutachter hatten dem Gericht ein Altenheim für das Rehabilitierungsprogramm vorgeschlagen. Berlusconis Anwälte wollten ihn als „Motivator“ in einer Behinderteneinrichtung unterbringen. Ein Einsatz mit Jugendlichen kam nicht infrage, weil Berlusconi im Ruby-Prozess erstinstanzlich wegen Sex mit einer Minderjährigen verurteilt ist.

Häme ist dem 77-Jährigen sicher, der sich so gern mit jungen Frauen umgibt und mit einer 29-Jährigen verlobt ist. „Stellt euch Silvio vor, wie er sich mit Windeln und Kathetern beschäftigt“, schrieb die Turiner Zeitung „La Stampa“, „Ein Alter unter Alten – er, der ein Lifting hatte, sich Haare verpflanzen ließ, der mit Schminke Falten kaschiert und den körperlichen Verfall auf jede Weise hinausgezögert hat.“

Das Hauptinteresse Berlusconis ist, dass er weiter politisch aktiv sein kann. Seine rechtspopulistische Forza Italia ist völlig auf ihn ausgerichtet, intern zerstritten und steckt im Umfragetief. Als verurteilter Krimineller ist er zwar von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen und darf nicht kandidieren, doch als Oppositionschef hat er nach wie vor eine Machtposition.

Berlusconi, der sich stets als Justizopfer darstellt, hatte Staatspräsident Giorgio Napolitano noch kürzlich um „politischen Schutz“ und indirekt um einen Gnadenerlass gebeten. Napolitano lehnte ab. Zwischenzeitlich drohte Berlusconi, seinen Pakt mit Premier Matteo Renzi für eine gemeinsame Wahlrechts- und Verfassungsreform aufzukündigen. Doch am Montag fand ein zweistündiges Gespräch zwischen beiden statt, in dem der Wille zur weiteren Zusammenarbeit bekräftigt wurde.

Wann der Sozialdienst für den ehemaligen Regierungschef beginnt, ist noch nicht bekannt. Der Staatsanwalt am Mailänder Gericht hat aber schon öffentlich betont, er sei nur auf Probe. Wenn Berlusconi, der sich stets als Justizopfer darstellt, weiter in gewohnter Manier die Richter beschimpfe, könne ihm doch noch Hausarrest auferlegt werden.

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