Ein Mann mit Aluhut nimmt an der Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen teil.
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Ein Mann mit Aluhut nimmt an der Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen teil.

Berliner Demo

Seltsame Deutsche

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  • Martin Dahms
    Martin Dahms
  • Katrin Pribyl
  • Thomas Spang

Wie das Ausland auf die Berliner Demo blickt.

Spanien: Die Spanier kennen die Deutschen weniger gut, als sie denken, und sind überzeugt, dass alle Deutschen kleine Angela Merkels sind. Manche sind besser informiert. Die einflussreiche Netzzeitung „El Confidencial“ berichtete schon Anfang Mai über „Konspiranoide, Antikapitalisten und Neonazis – die unwahrscheinliche deutsche Covid-Allianz“, die bereits damals regelmäßig in Berlin gegen die Anti-Corona-Politik der Bundesregierung demonstrierte.

Über die Großdemonstration vom Samstag berichteten jetzt fast alle spanischen Medien. Die Madrider Tageszeitung „El Mundo“ spricht vom „Marsch der Leugner“, die Sportzeitung „As“ titelt mit „Unverantwortlichkeit in Berlin“. „El País“ ist die einzige Zeitung, deren Berlin-Korrespondent mit Demonstranten sprach, zum Beispiel mit einem „Herrn Schmidt“, der klagt: „Die Regierung hat uns wie Tiere behandelt.“

Auch in Spanien gibt es ähnlich Denkende, aber nicht so viele – die Spanier neigen eher wenig zu esoterischem Gedankengut, außerdem war der Schrecken der Pandemie in Spanien viel gegenwärtiger als in Deutschland. Mitte Juli versammelten sich ein paar Dutzend Kritiker der Corona-Politik unangemeldet in Madrid, wurden aber sofort zerstreut.

Spaniens berühmtester Corona-Skeptiker, der Popsänger Miguel Bosé, lebt weit weg in Mexiko und schaltet sich nur hin und wieder per Twitter in die Debatte über „die große Lüge der Regierungen“ ein. Bemerkenswert: Seine Mutter, der italienische Filmstar Lucía Bosé, ist am 23. März nach einer Coronavirus-Infektion gestorben.

Großbritannien: Wie andere Länder blickte in den vergangenen Monaten auch Großbritannien neidisch auf Deutschland, es stellte eine internationale Referenzgröße dar. Nur viele Deutsche, so schien es, sahen und sehen das anders. Das sorgte insbesondere während des Lockdowns für Verwunderung, als die Briten monatelang angewiesen waren, Zuhause zu bleiben – auch dann noch, als in Deutschland schon längst wieder fleißig die Gartencenter leergeräumt wurden, die Menschen zur Arbeit oder zum Arzt gingen und Freunde sich im Biergarten vergnügten.

Die Einschränkungen in der Bundesrepublik wirkten im Vergleich nicht nur harmlos und kurz, sie waren bislang auch erfolgreicher.

Nicht selten war in der Öffentlichkeit der Wunsch nach einer als stark gepriesenen Führungsfigur wie Kanzlerin Angela Merkel zu vernehmen. Zwar mag es auch auf der Insel von einigen Bevölkerungsteilen Kritik an Maskenpflicht und sonstigen Maßnahmen geben. Doch das Land erscheint zu traumatisiert und geprägt von diesen vergangenen Monaten, als dass diese Stimmen allzu laut erklingen. Von einer Art von Normalität, wie sie in Deutschland vorherrscht, ist man im Königreich noch weit entfernt.

USA: In den meisten US-Medien wird die Demonstration gegen die Corona-Regeln in Berlin eher wie eine Kuriosität behandelt. Selbst der konservative Sender Fox News betont den „weitgehend erfolgreichen“ Umgang mit der Pandemie und „die im Vergleich zu anderen Ländern niedrigere Rate an Todesfällen“.

Die „Washington Post“ erinnert daran, dass Deutschland „in den frühen Tagen der Pandemie eine der aktivsten Protestbewegungen gegen die Corona-Maßnahmen hatte, obwohl die Restriktionen im Vergleich zu anderen Staaten in Europa viel geringer waren“. In Berlin machten die Reporter eine „eklektische Ansammlung aus Anhängern von Verschwörungstheorien, Rechtsaußen, Linksaußen und anderen“ aus, die sagten, sie sorgten sich um die Wirtschaft und „Einschränkung fundamentaler Rechte“.

Der Sender CNN hebt hervor, dass „so gut wie niemand eine Maske trug“ und die Polizei deswegen entschieden durchgriff. „Genau so macht man das“, kommentiert Caryn Blackwell aus Washington die Auflösung der Veranstaltung. Die Lehrerin hat Bilder aus Berlin im Fernsehen gesehen und wünschte sich, dass die Behörden auch in den USA härter durchgriffen. Stattdessen werde es vielerorts geduldet, dass sich die Leute nicht an die Schutzmaßnahmen hielten. „Sie sehen das Ergebnis.“

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