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Bezahlbarer Wohnraum ist für viele Berliner ein Problem. 

Wohnungsmangel

Berlin kauft 6000 Wohnungen von Immobilienkonzern zurück

Um den Wohnungsmarkt in der Hauptstadt zu entlasten, investiert Berlin 920 Millionen Euro in einen Immobilienkauf. 

Das Land Berlin will den Wohnungsmangel in der Hauptstadt mit dem "größten Re-Kommunalisierungsankauf in der Geschichte" bekämpfen: Für fast eine Milliarde Euro kauft das Land knapp 6000 Wohnungen zurück, wie die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag am Donnerstag mitteilte. Sie schloss demnach eine bindende Vereinbarung mit dem in Luxemburg ansässigen Eigentümer Ado Properties. Die oppositionelle AfD sprach von „Geldverschwendung“.

Die Übernahme der Immobilien soll zum 1. Dezember erfolgen, nach Angaben von Ado Properties steht sie zudem noch unter dem Vorbehalt fusionskontrollrechtlicher Freigaben. Es handelt sich um zwei zusammenhängende Quartiere mit insgesamt 23 Immobilienobjekten in den Bezirken Spandau und Reinickendorf. Sie wurden in den 1960er bis 1990er Jahren im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus errichtet.

Bezahlbare Wohnungen für 10.000 Mieter  

Einige der Immobilien und Außenanlagen seien bei der Übernahme 2015 „in keinem zeitgemäßen Zustand“ gewesen, erklärte Ado Properties. Sie seien daraufhin „mit erheblichem zeitlichen und finanziellen Aufwand instandgesetzt“ worden. Ado Properties ist nach eigenen Angaben auf Berliner Wohnimmobilien fokussiert und hält die Hauptstadt für "einen der größten und dynamischsten Märkte für Wohnimmobilien in Europa".

„Mit dem Kauf vergrößern wir unseren Wohnungsbestand auf rund 68.000 Wohnungen und sichern so bezahlbaren Wohnraum für mehr als 10.000 weitere Berliner Mieterinnen und Mieter“, erklärte Gewobag-Vorstandsmitglied Markus Terboven. Der Kaufpreis für die 5894 Wohneinheiten und 70 Gewerbeeinheiten beträgt demnach 920 Millionen Euro und soll ohne weitere Zuschüsse des Landes erfolgen. Der Kauf sei für die Gewobag „wirtschaftlich gut darstellbar“, betonte Terboven.

Mieter sollen Sicherheit bekommen 

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) sprach von einem guten Tag für Mieter in Berlin. „Mit dem Erwerb von knapp 6000 Wohneinheiten schließen wir heute den größten Re-Kommunalisierungsankauf in der Geschichte Berlins ab“, erklärte sie. Die Fehler der Vergangenheit, nämlich der Verkauf der Bestände, könnten zwar nicht rückgängig gemacht werden. Allerdings könne den Mietern die Sicherheit zurückgeben werden, die sie durch die zwischenzeitliche Privatisierung verloren hätten.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, der Kauf diene dem Ziel, „die Mieten in Berlin stabil zu halten“. Die Investition der Gewobag sei für das Land ein Gewinn. „Gleichzeitig werden wir weiter neue Wohnungen bauen und den Mietendeckel rechtssicher machen“, kündigte Müller an. „Unsere Strategie 'Bauen, Kaufen, Deckeln' zeigt Wirkung.“

Rückkauf teurere als ehemaliger Verkausfserlös  

Erst im Juli hatte die Gewobag 670 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee im Osten der Stadt gekauft. In der früheren DDR-Prachtstraße hatte es in den Monaten zuvor heftige Proteste gegeben, weil eigentlich der Konzern Deutsche Wohnen die Wohnungen übernehmen wollte. Die Mieter fürchteten dadurch vor allem steigende Preise sowie eine Verdrängung.

Der AfD-Politiker Harald Laatsch kritisierte, dass 920 Millionen Euro ausgegeben und „keine einzige neue Wohnung geschaffen“ worden sei. Angesichts des deutlich höheren Rückkaufpreises im Vergleich zur damaligen Privatisierung der Wohnungen sprach er von „vorsätzlicher Geldverschwendung“. Nötig sei es, Wohnungen zu bauen statt zu verstaatlichen. (dpa) 

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