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Einer von zu vielen: ein Junge auf der griechischen Insel Lesbos.

Flüchtlinge

Berlin holt 50 Kinder

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Minderjährige sollen aus griechischen Lagern gerettet werden.

Deutschland wird – voraussichtlich in der kommenden Woche – 50 unbegleitete Flüchtlingskinder aus griechischen Lagern aufnehmen. Entsprechende Berichte bestätigte am Mittwoch der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Steve Alter, in der Bundespressekonferenz. „Wir können jetzt den ersten Beitrag leisten“, sagte er nach einer entsprechenden Entscheidung des Bundeskabinetts. „Dabei wird es nicht bleiben.“ Denn die Zustände in den Lagern seien „auf Dauer nicht tragbar“.

Zehn der 27 EU-Staaten hatten sich bereit erklärt, 1000 bis 1500 Flüchtlingskinder aus den griechischen Lagern auf andere EU-Staaten zu verteilen. Daraufhin verständigte sich der Koalitionsausschuss mit Spitzenvertretern von CDU, CSU und SPD im März, einen Teil zu übernehmen. Vonseiten des Auswärtigen Amtes verlautete jetzt, es würden 300 bis 500 sein. Die aktuelle Zahl 50 ergibt sich nach Angaben des Bundesinnenministeriums aus der Tatsache, dass zu mehr betroffenen Kindern keine Dossiers vorlägen. Damit ist die genaue Feststellung der Identität der Kinder gemeint – verbunden mit einem Test auf das Coronavirus, der nicht älter als drei Tage sein soll. Die Kinder sollen zunächst nach Niedersachsen gebracht und dort Corona-bedingt in Quarantäne untergebracht werden. Anschließend werden sie auf die 16 Bundesländer verteilt.

Pro Asyl: „Camps räumen“

Innenministeriumssprecher Alter sagte: „Wir hätten uns gewünscht, dass es zügiger vorangeht.“ Und er betonte, dass neben Deutschland und Luxemburg nun weitere EU-Länder mit ihren Ankündigungen zur Flüchtlingsaufnahme ernst machen müssten. „Das ist kein deutscher Alleingang.“ Nach Luxemburg sollen in einem ersten Schritt zwölf Kinder gebracht werden. Weitere Staaten, die ursprünglich ebenfalls Hilfe zugesagt hatten, machen den Zeitpunkt der Aufnahme davon abhängig, dass sie die Corona-Pandemie in den Griff bekommen.

Auf den griechischen Inseln leben 40 000 Flüchtlinge mittlerweile seit Jahren unter teils erbärmlichen Bedingungen. Davon sind etwa 14 000 Kinder. Die 50 nun nach Deutschland kommenden Flüchtlingskinder entsprächen damit einem Anteil von 0,3 Prozent. Die Opposition im Bundestag äußerte deutliche Kritik. „Dass die Bundesregierung selbst in dieser schweren Krise nur eine Handvoll Kinder in Sicherheit bringen will, erschüttert mich“, schrieb die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, bei Twitter. Über 100 Städte und Gemeinden seien längst bereit, mehr Menschen aufzunehmen. „Die Bundesregierung muss endlich ihrer humanitären Verantwortung gerecht werden.“ Nach Ansicht von Pro Asyl sollten die Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln komplett geräumt werden, um eine unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. „Es ist völlig abwegig, hierzulande die Seuche einzudämmen und dann wissentlich deren Ausbreitung an anderen Orten in der EU zuzulassen“, meint der Geschäftsführer der Flüchtlingsrechteorganisation, Günter Burkhardt.

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