Coronavirus - Ebola-Medikament Remdesivir
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Auf dem Ebola-Medikament Remdesivir ruhen Hoffnungen.

Remdesivir

Berlin gibt sich im Streit um Remdesivir gelassen

  • Tim Szent-Ivanyi
    vonTim Szent-Ivanyi
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  • Christoph Höland
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Trotz des Großeinkaufs der USA rechnet die Bundesregierung nicht mit einem Engpass bei dem Covid-19-Medikament.

Der internationale Konkurrenzkampf um eine ausreichende Versorgung der eigenen Bevölkerung mit einem möglichen Covid-19-Arzneimittel wird zunehmend mit harten Bandagen ausgetragen. Die USA sicherten sich einen Großteil der bis September geplanten Produktionsmenge des erfolgversprechenden Präparats Remdesivir. Nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums wurde mit dem Pharmaunternehmen Gilead Sciences der Kauf von Wirkstoff-Dosen für mehr als 500 000 Behandlungen vereinbart. Das entspreche 100 Prozent der geplanten Produktionsmenge für Juli sowie jeweils 90 Prozent für August und September. Remdesivir gilt als eines der aussichtsreichsten Medikamente bei schweren Covid-19-Symptomen. Das Medikament wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt, zeigte hier aber eine zu geringe Wirkung.

Die Bundesregierung reagierte auf die Nachricht betont gelassen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) berichtete nach Angaben von Teilnehmenden im Gesundheitsausschuss des Bundestags, das Ministerium habe frühzeitig Remdesivir für die Therapie von Corona-Patienten gesichert. Momentan gebe es noch genug Reserven, sagte der Minister. Sie lagerten in einem Bundeswehr-Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen. Der CDU-Politiker sprach von einer Reserve für die Behandlung von „einigen Hundert Patienten“.

Sein Ministerium verwies zudem auf die bevorstehende Zulassung des Präparates in Europa. Erst vergangene Woche hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA eine Zulassung für das Mittel unter Auflagen empfohlen. Die finale Entscheidung durch die EU-Kommission wird noch in dieser Woche erwartet. Mit der Zulassung sei die Verpflichtung verbunden, auch in angemessenem Umfang liefern zu können, sagte ein Sprecher Spahns. Und er fügte hinzu: „Wir gehen davon aus, dass Gilead dieser Verpflichtung auch nachkommt.“

Mit dem Kauf des weltweiten Angebots an Remdesivir reagiert die US-Regierung nicht nur auf die massiv steigende Infektionsraten in den USA, sondern sie unterstreicht gleichermaßen ihre „America first“-Haltung. Schon im März kamen Gerüchte auf, dass Donald Trump versuche, deutsche Wissenschaftler mit hohen finanziellen Zuwendungen nach Amerika zu locken. Zudem soll es Versuche gegeben haben, einen aussichtsreichen Impfstoff des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac in Tübingen exklusiv für die USA zu sichern.

Um mehr Medikamente zu beschaffen, ist Deutschland auf eine Belieferung durch den US-Konzern Gilead angewiesen, da Remdesivir Patentschutz genießt und daher von keinem anderen Hersteller produziert werden darf. Lediglich für die Versorgung von Entwicklungs- und Schwellenländern hat der Konzern Lizenzen an mehrere dort ansässige Generikahersteller vergeben. In den Industrieländern kostet eine Therapie rund 2000 Euro. Gilead hatte vor einigen Jahren für Schlagzeilen und Proteste gesorgt, weil der US-Konzern für eine einzige Tablette seines Hepatitis-C-Mittels Sovaldi 700 Euro verlangte.

Gilead selbst verteidigte sein Vorgehen. Angesichts des signifikanten Anstiegs der Corona-Infektionen in den USA bestehe hier ein dringender Bedarf für die Behandlung von Patienten, die von den jüngsten vermehrten Ausbrüchen betroffen seien, erklärte ein Sprecher. Die meisten EU-Länder und andere Industriestaaten hätten dagegen ihre Krankheitsraten erheblich gesenkt. Gleichwohl habe man mit der US-Regierung vereinbart, dass die bis September nicht zugeteilten Mengen auch für Länder außerhalb der USA bereitgestellt werden können.

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