Bewaffneter Konflikt um Bergkarabach

Bergkarabach nach dem Waffenstillstand: Wer sich jetzt zurückzieht, setzt sein Haus in Brand

  • Matthis Pechtold
    vonMatthis Pechtold
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Nachdem Armenien und Aserbaidschan einen Waffenstillstand beschlossen haben, verlassen weitere Menschen die verlorenen Gebiete in Bergkarabach. Armenier:innen zünden dabei ihre eigenen Häuser an.

  • Der bewaffnete Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach scheint vorerst beendet.
  • Mit dem am vergangenen Dienstag (10.11.2020) geschlossenen Abkommen fallen Teile von Bergkarabach an Aserbaidschan*.
  • Bevor aserbaidschanische Truppen einrücken, zünden Bewohner:innen vor ihrem Rückzug Richtung Armenien ihre ehemaligen Häuser an.

Charektar/Bergkarabach - Im Dorf Charektar in Bergkarabach haben dutzende abrückende Bewohner:innen am Wochenende (14. & 15. 11.) ihre Häuser in Flammen gesetzt, bevor die Gebiete von aserbaidschanischen Truppen erobert worden sind. Nachdem am Dienstag (10.11.2020) unter der Leitung Russlands ein Abkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan geschlossen worden ist, verlassen viele Bewohner:innen Teile der umkämpften Region im Westen Aserbaidschans in Richtung Armenien. Das Abkommen gilt als Durchbruch im Ende September neu entflammten Konflikt um Bergkarabach. Mit ihm fallen Gebiete, welche die armenische Armee als Sicherheitszone um Bergkarabach herum seit Jahrzehnten hält, an Aserbaidschan.

Häuser brennen – Ansätze einer Taktik der „verbrannten Erde“ in Bergkarabach

Wie die „Tagesschau“ berichtet hätten vor dem Wiederaufflammen des Konfliktes Ende September 2020 145.000 Menschen in Bergkarabach gelebt. Rund 100.000 hätten Gebiete bereits in den vergangenen Wochen verlassen. Mit dem Abkommen sind nun knapp 2000 russische Soldaten in Bergkarabach stationiert worden, sie sollen den Waffenstillstand kontrollieren, der mit dem Abkommen beschlossen worden ist.

Ein Bewohner setzt sein Haus im Dorf Charektar in Bergkarabach in Flammen

Gegenüber dem „Spiegel“ sagte ein Bewohner im Dorf Charektar, der ebenfalls sein Haus in Brand steckte, er wolle dieses nicht den Aserbaidschaner:innen überlassen. Insgesamt drei Bezirke fallen mit dem Abkommen an Aserbaidschan, bis zum 1. Dezember sollen alle geräumt worden sein.

Abkommen über Zukunft von Bergkarabach: Viel Widerstand aufseiten der Armenier:innen

Die mit dem Abkommen besiegelten Gebietsverluste Armeniens in und um Bergkarabach erregen im Land großen Widerstand. In der armenischen Hauptstadt Eriwan kam es bereits am Tag der Unterzeichnung des Abkommens zu gewaltsamen Aufständen, hunderte Demonstrat:innen stürmten das Parlamentsgebäude, einige verprügelten den Paralamentspräsident. Der Regierungschef Armeniens schrieb auf Facebook, das Abkommen, sei für ihn persönlich und für das armenische Volk schmerzhaft.

Bergkarabach: Bereits seit Jahrzehnten ein Zankapfel für Armenien und Aserbaidschan

Die Gegend im Westen Aserbaidschans erklärte mit dem Ende der Sowjetunion 1991 einseitig seine Unabhängigkeit von Aserbaidschan, die proklamierte Republik wurde international jedoch nie anerkannt. Ein im folgenden Jahr begonnener Krieg forderte rund 30.000 Tote, er wurde 1994 mit einem Waffenstillstand beendet. Die meisten der dort lebenden Menschen sind Armenier:innen, woraus sich zum Teil die Affiliation mit Armenien erklärt. Aserbaidschan kann derweil auf die Türkei als Verbündeten zählen. (Matthis Pechtold)

Rubriklistenbild: © Alexander Nemenov/AFP

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