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Bergkarabach

Krieg in Bergkarabach: Noch ein weiteres Land mischt im Kaukasus mit

  • VonThomas Roser
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Serbien gibt sich im Krieg um Bergkarabach neutral, liefert aber gleichzeitig Waffen für sowohl Armenien als auch Aserbaidschan.

  • In der Region Bergkarabach im Südkaukasus eskaliert der Konflikt.
  • Armenien und Aserbaidschan kämpfen um die Region.
  • Serbien spielt beim Krieg um Bergkarabach eine wichtige Rolle als Waffenlieferant.

Serbiens allgewaltiger Präsident widerspricht sich selbst. „Es gibt dort keine serbischen Waffen, nichts aus serbischer Produktion“, dementierte Aleksandar Vucic in dieser Woche Berichte, dass auch Granaten und Raketen aus serbischen Waffenschmieden im wieder aufgeflammten Krieg um Bergkarabach zum Einsatz kommen: „Wir wollen Frieden. Das sind zwei befreundete Nationen.“

Krieg um Bergkarabach: Serbien liefert Waffen an Aserbaidschan und Armenien

Mitte August hatte Vucic auf die aserbaidschanische Kritik an serbischen Waffenlieferungen an Armenien noch eine ganz andere Botschaft verkündet. Serbien habe an Aserbaidschan „zehnmal mehr Waffen“ als an Armenien verkauft, versicherte er damals. Wenn Serbien eine Rüstungsindustrie wolle, müsse sie deren Produkte auch „an jemanden verkaufen“, auch wenn man damit „immer irgendjemand“ vor den Kopf stoße: „Mich interessieren nur unsere Fabriken und unsere Rüstungsindustrie.“

Zwar sind Aserbaidschan und Serbien seit 2013 durch ein Abkommen der „strategischen Partnerschaft“ verbunden. Doch bereits Mitte Juli hatte Bakus Außenministerium verärgert Serbiens Botschafter einbestellt, nachdem das Dorf Agdam von armenischen Streitkräften mit Granaten aus serbischer Fertigung beschossen worden war. In dieser Woche empörte sich das aserbaidschanische Militärportal „azeridefence.com“ über den erneuten Beschuss mit Luft-Boden-Raketen aus serbischer Fertigung in der Region Füzuli: „Die Armenier trafen unsere Siedlungen mit Raketen, die von Serbien gekauft wurden.“

Krieg um Bergkarabach: Ein Bild des aserbeidschanischen Verteidigungsministeriums soll den Abschuss einer Rakete auf armenische Truppen zeigen.

Serbiens geschäftsführender Handelsminister Rasim Ljajic bestätigte bereits im Juli eher verlegen die Genehmigung von Waffenexporten nach Armenien: Da das Land unter keinerlei UN-Sanktionen stehe, habe sich Belgrad „formal rechtlich“ keinerlei Fehler erlaubt. Drastischer drückt sich nun das Belgrader Webportal „nova.rs“ aus: „Armenier und Aserbaidschaner töten sich mit den Waffen der Waffenhändler von Vucic.“

Krieg um Bergkarabach: Russland, die Türkei und Israel gelten als Hauptlieferanten des Kriegsgeräts

Russland, die Türkei und Israel gelten als Hauptlieferanten des Kriegsgeräts, das derzeit den Konflikt auf dem Kaukasus befeuert. Doch ob in Syrien, Jemen, Afghanistan oder Nigeria: Vermehrt gelangen die Granaten und Raketenwerfer von Serbiens zumeist staatlichen Rüstungsschmieden auch über Drittländer in Spannungsgebiete – so wie jetzt im Kaukasus.

Aserbaidschan und Armenien kämpfen um Region Bergkarabach.

Belgrad verweist zwar darauf, dass Exportgenehmigungen keineswegs für Kriegsgebiete erteilt werden. Doch auffällig ist, dass private Waffenhändler aus dem Dunstkreis der regierenden SNS das lukrative Exportgeschäft in den vergangenen Jahren weitgehend von der staatlichen „Jugo-Import“-Gesellschaft übernommen haben.

Laut der Zeitung „Danas“ sind Serbiens Waffenlieferungen an Aserbaidschan direkt von den Produzenten und diejenigen an Armenien fast alle über die Firmen des Waffenhändlers Slobodan Tesic abgewickelt worden. Wegen korrupter Geschäftspraktiken hat ihn das US-Finanzministerium als unerwünschte Person auf seine Sanktionsliste gesetzt.

Armenien und Aserbaidschan liefern sich schwere Kämpfe in Bergkarabach

In den vergangenen Jahren habe Serbien „beide Seiten“ des Bergkarabach-Konflikts mit Waffen beliefert, und es gebe „keinerlei Zweifel“, dass diese in dem jetzigen Krieg auch genutzt würden, sagt der Belgrader Militäranalyst Vlada Radulovic. Entweder sei der Präsident „schlecht informiert, oder er spricht die Unwahrheit“, kommentiert „nova.rs“ dessen Behauptung, dass Kriegsgerät aus serbischer Fertigung auf dem Kaukasus keineswegs im Einsatz sei: „Die Tatsachen dementieren Vucic: Unsere Waffen knallen in Karabach.“ So auch am 30. September: Armenien und Aserbaidschan lieferten sich den vierten Tag in Folge schwere Kämpfe. (Von Thomas Roser)

Rubriklistenbild: © AFP PHOTO / ARMENIAN DEFENCE MINISTRY / HANDOUT

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