Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Migration

Belarus: Weitere Geflüchtete in Logistikhalle untergebracht – Lager geräumt

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
    schließen

An der belarussisch-polnischen Grenze wird laut Grenzschutz ein Lager geräumt. Die Geflüchteten werden in ein Logistikzentrum gebracht.

Update vom Freitag, 19.11.2021, 6.32 Uhr: In Belarus hat der Grenzschutz ein provisorisches Flüchtlingslager an der Grenze zu Polen geräumt. Am Donnerstag seien alle Migrant:innen aus dem Lager nahe dem Grenzübergang Bruzgi in ein nahegelegenes Logistikzentrum gebracht worden, erklärte der belarussische Grenzschutz im Messenger-Dienst Telegram. Die Behörden veröffentlichten auch Fotos des offenbar verlassenen Lagers, in dem rund 2000 Menschen tagelang bei eisigen Temperaturen ausgeharrt hatten.

Die Geflüchteten, darunter viele Kurden aus dem Nordirak, hatten das Lager in einem Waldgebiet unweit des Grenzübergangs Bruzgi errichtet. Am Dienstag (16.11.2021) hatten polnische Sicherheitskräfte dort Tränengas und Wasserwerfer gegen Geflüchtete eingesetzt, die Steine geworfen hatten. Der polnische Grenzschutz bestätigte nun die Evakuierung des Lagers.

Der belarussische Grenzschutz hat weitere Geflüchtete in das Logistikzentrum gebracht.

Am Dienstagabend waren bereits mehr als tausend Menschen aus dem Lager in eine riesige Lagerhalle gebracht worden. Doch rund 800 weitere hatten nach Angaben der belarussischen Behörden bei Temperaturen unter null Grad weiter in Zelten oder an Lagerfeuern im Freien geschlafen.

Diese Migrant:innen wurden wegen „schlechter werdender Wetterbedingungen“ nun ebenfalls in die Lagerhalle gebracht, wie der belarussische Grenzschutz mitteilte. Dort erhalten sie demnach warmes Essen und warme Kleidung.

An der EU-Außengrenze zu Belarus, besonders an der Grenze zu Polen, sitzen seit Wochen tausende Geflüchtete aus dem Nahen Osten fest. Die EU wirft dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, die Geflüchteten absichtlich ins Grenzgebiet zur EU geschleust zu haben.

Belarus: Busse bringen Geflüchtete von der Grenze - „Lukaschenko hat Schlacht verloren“

+++ 12.35 Uhr: Belarus hat nach Angaben der polnischen Regierung damit begonnen, die am geschlossenen Grenzübergang Kuznica-Brusgi campierenden Migrant:innen mit Bussen an einen anderen Ort zu bringen. „Ich habe die Information bekommen, dass Lukaschenko erste Busse bereitgestellt hat, in die die Migranten einsteigen und wegfahren. Das Zeltlager bei Kuznica leert sich“, sagte Polens Vize-Innenminister Maciej Wasik dem Sender TV Republika. „Es sieht danach aus, dass Lukaschenko diese Schlacht um die Grenze verloren hat.“

Staatsnahe belarussische Medien veröffentlichten Videos von vier Reisebussen. Diese sollten einige der Migranten „an andere Orte“ bringen, hieß es unter Berufung auf das Rote Kreuz. So solle vermieden werden, dass es in dem neuen Nachtlager zu voll werde. Nach Schätzungen des polnischen Grenzschutzes von Dienstag (16.11.2021) sind bei Kuznica rund 2000 Migranten zusammengekommen.

Nach der Eskalation scheint sich die Lage an der polnisch-belarussischen Grenze an diesem Ort zu entspannen.

Eskalation an polnisch-belarussischer Grenze: Geflüchtete verbrachten Nacht in Lagerhalle 

Update vom Mittwoch, 17.11.2021, 08.10 Uhr:  Nach der jüngsten Eskalation an der Grenze zu Polen haben rund tausend Migrant:innen belarussischen Angaben zufolge die Nacht in einem neuen Schlaflager verbracht. Die belarussische Staatsagentur Belta veröffentlichte am Mittwochmorgen Fotos von Erwachsenen und Kindern, die mit Decken und Schlafsäcken in einer Halle sitzen.

Am Vorabend hatte Machthaber Alexander Lukaschenko angeordnet, die Lagerstätten eines Logistikunternehmens in der Region Grodno nahe der Grenze zum Nachtlager umzufunktionieren. Der immer wieder als «letzter Diktator Europas» kritisierte Lukaschenko steht in der Kritik, die Menschen überhaupt erst in diese verzweifelte Situation gebracht zu haben.
 

Das von der belarussischen Staatsagentur BelTA via AP zur Verfügung gestellte Handout zeigt Migrantinnen, die sich für die Nacht im Logistikzentrum an der belarussisch-polnischen Grenze einrichten.

Belarus: Polen setzt Wasserwerfer und Tränengas gegen Geflüchtete ein

Erstmeldung: Warschau - Seit Tagen harren mehr als tausend Geflüchtete an der belarussisch-polnischen Grenze aus. Bei klirrender Kälte warten die Menschen darauf, die Grenze überqueren und in die EU einreisen zu können. Doch die polnische Regierung lässt niemanden ins Land, parallel hat die EU bislang noch nichts unternommen, um die Situation der Geflüchteten zu verbessern.

Aktuell jedoch scheint sich die Lage vor Ort weiter zuzuspitzen. Wie das Verteidigungsministerium in Warschau berichtet, ist es am Dienstag (16.11.2021) an der Grenze zwischen Polen und Belarus zu Zusammenstößen zwischen polnischen Grenzbeamten und den an der Grenze festsitzenden Geflüchteten gekommen. Wie es von öffentlicher Seite heißt, hätten Migrant:innen „unsere Soldaten und Beamten mit Steinen attackiert und versucht, den Zaun zu zerstören und nach Polen zu kommen“. Auf Twitter heißt es weiter: „Unsere Einsatzkräfte haben Tränengas eingesetzt, um die Aggression der Migranten zu beenden.“

Ein polnischer Grenzbeamter setzt an der Grenze zu Belarus Tränengas ein.

Polnisch-belarussische Grenze: Wasserwefer eingesetzt

Tatsächlich ist auf Videos in den sozialen Netzwerken zu sehen, wie polnische Grenzschützer Wasserwerfer am Übergang Kuznica-Brusgi eingesetzt wurden. Auch das polnische Verteidigungsministerium hat ein Video hierzu auf Twitter veröfffentlicht.

Unterdessen versicherte der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko laut der staatlichen Nachrichtenagentur Belta, er wolle eine „Konfrontation“ an der Grenze vermeiden. „Wir können nicht zulassen, dass dieses sogenannte Problem zu einer hitzigen Konfrontation führt“, sagte er demnach. „Das Wichtigste ist nun, unser Land und unser Volk zu schützen und keine Zusammenstöße zuzulassen.“ Die EU wirft Lukaschenko vor, als Vergeltung für Sanktionen Geflüchtete aus dem Nahen Osten gezielt an die EU-Außengrenze zu schleusen.

Eskalation an der polnisch-belarussischen Grenze: Merkel telefoniert mit Lukaschenko

Am Montagabend hatte deshalb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Lukaschenko telefoniert, um sich um eine Beilegung der des Konflikts an der polnisch-belarussischen Grenze zu bemühen. Merkel war damit die erste westliche Regierungschefin, die seit der umstrittenen Wiederwahl Lukaschenkos im vergangenen Jahr mit diesem telefonierte. Regierungssprecher Steffen Seibert zufolge ging es vor allem um humanitäre Hilfe für die Menschen vor Ort.

Die Grünen kritisierten das Telefonat scharf: Damit habe Merkel Lukaschenkos umstrittene Wiederwahl de facto anerkannt. Wie jedoch konkret mit den Geflüchteten umzugehen sei, ist vonseiten der Ampel-Koalitionäre noch nicht nach außen kommuniziert worden. (ktho/afp)

Rubriklistenbild: © Viktor Tolochko/imago

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare