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Exil-Beloruss:innen protestieren mit der Rot-weißen Fahne in der Ukraine.
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Exil-Beloruss:innen protestieren mit der Rot-weißen Fahne in der Ukraine.

Belarus

Belarus, ein unmögliches Land

  • Peter Rutkowski
    VonPeter Rutkowski
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Ein kleiner historischer Streifzug durch die Geschichte von Belarus.

Weißrussland oder heute korrekter Belarus, das Land des weißrussischen Volkes oder des belorussischen oder des belarusischen … Und wir wollen an dieser Stelle auch gar nicht erst damit beginnen, noch Erklärungen für (Weiß-)Ruthenien oder gar das inzwischen größtenteils ukrainische Wolhynien zu liefern. Über die sich über gut 1000 Jahre kontinuierlich vermischenden und (meist kriegerisch bedingt) wieder auseinanderdividierenden Völker, Gebiete, Sprachfamilien, feudalen oder Stammesverbände, Provinzen oder Beinahestaaten östlich von Warschau und westlich von Moskau sind einige kluge Bücher geschrieben worden, aber lange noch nicht genug.

Die Menschen im heutigen Belarus bevorzugen eben jenes Belarus und das Belarusische an sich selbst, um nicht als „weißes“ Anhängsel Großrusslands diskriminiert zu werden. Das Ausland macht da aber nicht unbedingt immer mit. In Deutschland wird offiziell „Belarus“ als Staat anerkannt, aber innerhalb jenes Landes zwischen Dnepr im Osten und Njoman oder Nemen oder Niemen oder Njemen oder Memel im Westen solle man doch von Weißrussland sprechen, heißt es oft. „Bela“ bedeute ja auch bloß „weiß“.

Belarus war und ist bis heute zuallererst ein Transitland. Eroberer kommen und gehen, und meist bleibt wenig genug zurück, so dass die dort Heimischen gerade noch so über die Runden kommen. Mal kamen die Vorgänger Russlands, die Krieger aus der Kiewer Rus, mal die Polen, die dann auch Litauer waren, die Habsburger waren auch durchaus interessiert, Russland behielt gegenüber allen anderen die meiste Zeit die Kontrolle über die Gegend. Bis die Deutschen die zaristischen Truppen im Ersten Weltkrieg von dort verjagten. Und ab dieser Zeit wird es wirklich unübersichtlich.

1918 erklärte sich ein noch nie dagewesener Staat namens Belarus für unabhängig, von deutschen Besatzungs-gnaden und unter dem eifersüchtigen Blick des zaristischen wie des bolschewistischen Russlands. Die „Belarusische Volksrepublik“ hielt gerade mal bis 1919, dann verleibte sich das rote Russland den „weißen“ Nachbarn ein. Die „Weißrussische Sowjetrepublik“ wurde zur Mitkonstituierenden der Sowjetunion erhoben. Das hatte zur Folge, dass bei Gründung der UN Moskau zwei Delegationen entsenden durfte – weil ja offiziell zwei eigenständige Staaten. Osteuropa hat seit dem späten 19. Jahrhundert eine reiche Kultur des Absurden und Grotesken entwickelt. Die politischen Realitäten dort geben ständig Vorbilder ab.

Zweifel am Absurden? Welches ist die älteste Exilregierung der Welt? Die von Belarus. Seit 1919. Zurzeit hält sie sich in Kanada auf, online hat sie auch eine Existenz. Von dem Lukaschenko-Regime aus der sowjetischen Konkursmasse hält sie überhaupt nichts.

Und dann war da noch der deutsche „Generalplan Ost“ von 1941/42, erarbeitet von der SS. Der sah einen eigenen belarusischen Holocaust vor. Die militärische Realität führte aber dazu, dass die Nazi-Besatzer ein obskures Kollaborationsregime zuließen, die „Belarusische Zentral-Rada“ (Rada = Rat). Die existierte noch kürzer als die erste nationalstaatliche Inkarnation von Belarus. Ihr absurdes Erbe ist, dass die demokratische Opposition heute mit der weiß-rot-weißen Fahne der Rada gegen den Diktator Front macht. rut

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