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Vermisster belarussischer Aktivist tot in Kiew aufgefunden – Polizei ermittelt wegen Mordes

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Von: Matthis Pechtold

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In Kiew findet die Polizei den belarussischen Oppositionellen Witali Schischow erhängt auf. Seine Organisation soll dem Ehemann von Olympionikin Timanowskaja geholfen haben.

Kiev – In der ukrainischen Hauptstadt Kiev ist der kürzlich als vermisst gemeldete politische Aktivist Witali Schischow tot aufgefunden worden. Er sei am Dienstag (03.08.2021) erhängt in einem Park nahe seines Wohnorts entdeckt worden, teilte die Polizei in Kiev mit. Die Nichtregierungsorganisation (NRO) „Belarussisches Haus in der Ukraine“, die Schischow geleitet hatte, meldete am Montag, dieser sei vom Joggen nicht zurückgekehrt. Medienberichten zufolge hatte er zuvor darüber geklagt, sich verfolgt zu fühlen, berichtet die dpa.

Jetzt ermittelt die Polizei in der Ukraine wegen Mordes. Der ukrainische Polizeichef Igor Klimenko sagte am Dienstagnachmittag, an Schischows Leiche seien Schrammen an Nase, Knie und Brust festgestellt worden. Weitere Untersuchungen müssten zeigen, ob diese Verletzungen von Schlägen stammten.

Halbportrait von Witali Schischow, ein belarussischer Aktivist. Er trägt ein weißes Oberteil und lächelt in die Kamera.
Erhängt in einem Park in der ukrainischen Hauptstadt Kiev aufgefunden: Der belarussische Aktivist Witali Schischow. © Human Rights Center Viasna/dpa

Belarussischer Aktivist erhängt in Kiev aufgefunden – Seine NRO unterstützt Exilant:innen

Möglicherweise müssen sich die ukrainischen Ermittler auch mit der Frage beschäftigen, ob der Einfluss eines brisanten Vorgangs bei den Olympischen Spielen 2021 von Tokio bis in die Ukraine reicht. Die NRO „Belarussisches Haus“ unterstützt der dpa zufolge Belaruss:innen dabei, im Exil ein neues Leben aufzubauen. Viele von ihnen, ob Oppositionelle oder nicht, fliehen vor den Repressionsmaßnahmen des Staatsapparats des Machthabers Alexander Lukaschenko. Das US-amerikanische Nachrichtenportal Daily Beast berichtet, die NRO habe dem Ehemann der belarussischen Olympia-Athletin Kristina Timanowskaja bei der Flucht in die Ukraine am Sonntag (01.08.2021) geholfen.

Die Sprinterin Timanowskaja hatte sich vor wenigen Tagen via Social Media kritisch über Trainer und Funktionäre geäußert – womit sie sich unmittelbar in große Gefahr begab. Offenbar sollte sie entführt werden. Die Erfahrungen der letzten zwölf Monate lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass entsprechende Pläne im autoritär geführten Belarus geschmiedet worden waren. Mittlerweile steht die 24-Jährige unter dem Schutz der japanischen Polizei und soll demnächst nach Polen ausreisen, wo sie ein humanitäres Visum erhalten hat.

Belarus: Aktivist erhängt aufgefunden – Mordermittlungen laufen

Behörden hätten die Fälle bisher noch nicht in Verbindung gebracht, berichtet Daily Beast. Dem Portal zufolge habe es jüngst Warnungen von ukrainischen Behörden wie auch von Mitarbeiter:innen seiner NRO erhalten, dass Schischow und sein Team unter Beobachtung stünden.

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sprach Angehörigen Schischows ihr Beileid aus. „Belarussen können nicht einmal im Ausland sicher sein, solange es diejenigen gibt, die sich an ihnen rächen wollen“, schrieb sie auf Telegram. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Menschenrechte, Gyde Jensen (FDP), zeigte sich schockiert. „Nach den Erfahrungen der letzten Monate ist es zumindest sehr naheliegend, dass Schergen von Diktator Lukaschenko in seinen Tod verwickelt sein könnten.“ Die EU müsse den ukrainischen Behörden Unterstützung bei den Ermittlungen anbieten, forderte Jensen laut dpa. (mp/dpa)

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