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Amelie von Zweigbergk (l)  und Ole von Uxekull geben auf einer Pressekonferenz in Stockholm die Preisträgerinnen für den Right Livelihood Award 2019 bekannt.

Überblick

Sie bekommen den Alternativen Nobelpreis

Die Right-Livelihood-Stiftung würdigt vier Menschen, die für eine lebenswerte Zukunft für alle auf dieser Erde kämpfen,  mit dem Alternativen Nobelpreis. Wir stellen sie vor.

Unabhängigkeit, Frauenrechte, Klima sowie Landrechte und Artenvielfalt im Amazonas: Die Trägerinnen und der Träger der diesjährigen Alternativen Nobelpreise kämpfen an unterschiedlichen Fronten für eine bessere Welt. Eine Preisträgerin ist weltbekannt, die anderen drei weniger.

Menschenrechte in der Westsahara: Aminatou Haidar

Als Aminatou Haidar 2008 den „Robert F. Kennedy-Menschenrechtspreis“ erhielt, zitierte sie in ihrer Dankesrede eine Überzeugung des 1968 ermordeten Namensgebers: „Der Kampf gegen Ungerechtigkeit ist die höchste Form von Mut.“ Mut beweist sie bis heute – trotz Morddrohungen und Gewalt. Als eine der prominentesten Vertreterinnen des indigenen Volkes der Sahrauis setzt sie sich seit Jahrzehnten für die Unabhängigkeit der Westsahara ein. 

 Aminatou Haidar (Mitte) mit Mitstreiterinnen.

Nachdem sich die Kolonialmacht Spanien Mitte der 70er Jahre aus der Region zurückgezogen hatte, wurde diese größtenteils von Marokko annektiert. Seitdem ist der Status des Gebietes ungeklärt. Ihr friedliches Engagement gegen die Besetzung brachte Haidar den Beinamen „Gandhi der Westsahara“ ein. Die 53-Jährige dokumentierte Festnahmen und Entführungen und wurde wiederholt selbst zur politischen Gefangenen, musste Folter und Isolation erdulden und trat wiederholt in den Hungerstreik. 

Gleichberechtigung in China: Guo Jianmei

Sexuelle Belästigung, häusliche Gewalt, Diskriminierung am Arbeitsplatz: Die Liste der Vergehen gegen Frauen in China ist – wie an vielen anderen Orten – lang. Guo Jianmei hilft betroffenen Chinesinnen, Rechtsbeistand zu erhalten. Seit 1995 haben so mehr als 120.000 Frauen in der Volksrepublik kostenlose Beratung von ihr und ihren Teams erhalten. Die 57-Jährige hat sich einen Namen als eine der führenden Frauenrechtsanwältinnen ihres Landes gemacht. 

Guo Jianmei (Mitte) hilft Frauen, ihre Rechte durchzusetzen. 

Ihr Kampf findet nicht nur in den großen Städten statt: Dank der Gründung eines Anwaltsnetzwerks kann seit 2005 auch Frauen auf dem Land geholfen werden. Im Interview mit der Heinrich-Böll-Stiftung 2011 sagte die charismatische Chinesin: „In meiner Familie galten Männer seit jeher als überlegen. Meine Großmutter starb mit nicht einmal 40 Jahren. Sie verhungerte, während sie Brot verkaufte. Dabei war noch etwas Brot übrig. Doch aus Angst verprügelt zu werden, hat sie nicht davon gegessen.“

Rechte der Indigenen: Davi Kopenawa und die Vereinigung Hutukara Yanomami

Der Einsatz für die Rechte der Ureinwohner Brasiliens bestimmt sein Leben. Geboren um 1956 in Marakana im Amazonasgebiet fiel die Kindheit von Davi Kopenawa in die Zeit, in der sein isoliert lebendes Volk der Yanomami erstmals Kontakt mit „Fremden“ hatte, mit Mitarbeitern der brasilianischen Behörden und nordamerikanischen Missionaren. Sie schleppten Krankheiten in die Gemeinden, gegen die die Yanomami nicht immun waren. Viele Ureinwohner starben, darunter auch die Mutter und andere Familienmitglieder von Kopenawa. Als während der brasilianischen Militärdiktatur (1964-1985) eine Straße quer durch das Yanomami-Gebiet gebaut wurde, verschlimmerte sich die Situation noch. 

Davi Kopenawa, Schamane und Anführer der Yanomami-Indigenen in Brasilien.

Nun wird der Brasilianer gemeinsam mit der von ihm mitgegründeten Vereinigung Hutukara Yanomami persönlich für seinen Einsatz für die Rechte der indigenen Bevölkerung ausgezeichnet. Kopenawas Kampf gegen die Zerstörung der Lebensgrundlage der Yanomami fokussiert sich auf die Sicherung der Landrechte und Kultur der Ureinwohner, aber auch auf den Schutz der Wälder und Artenvielfalt im Amazonasgebiet.

Klimaschutz: Greta Thunberg

Im August 2018 entschloss sich die damals 15-jährige Schwedin, vor dem Parlament in Stockholm für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Mit ihrem „Schulstreik fürs Klima“ ist sie zur Inspirationsquelle für Millionen Schüler in aller Welt geworden, aus ihrem einst einsamen Protest ist die internationale Klimabewegung Fridays for Future entstanden. Seitdem sind Millionen Menschen nach Thunbergs Vorbild für das Klima auf die Straße gegangen

Die schwedische Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg.

Bei ihrer Ansprache beim Klima-Sondergipfel am Montag war ihre Wut deutlich spürbar. Die 16-Jährige wirkt zugleich unbeeindruckt vom Trubel um sie herum, davon, dass sie regelrecht hofiert wird. Dabei hat sich ihr Leben im vergangenen Jahr extrem verändert. Jüngst bekannte sie auf Twitter: „Bevor ich mit dem Schulstreik anfing, hatte ich keine Energie, keine Freunde, sprach mit niemandem.“ Jetzt habe sie einen Sinn für ihr Leben gefunden.

(epd/dpa)

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